Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

PokerMarcel87: "Die Dynamik Omahas wird immer mehr Leute begeistern"

Im heutigen Interview steht uns PokerMarcel87 Rede und Antwort. Der ehrenamtliche Handbewerter des Monats März und April berichtet, wie ihn ein enormer Downswing zum richtigen Spiel brachte und welche Zukunft Omaha in der Welt des Onlinepokers hat.

Das Interview führte funmaker

PokerStrategy: Hallo pokermarcel87! Stell dich doch bitte unserer Community kurz vor!

pokermarcel87: Mein Name ist Marcel, ich bin 21
Jahre und studiere zurzeit in der lebenswertesten Stadt der Welt:
Münster.

PokerStrategy: Was studierst du denn dort?

pokermarcel87: VWL, allerdings gehöre ich zu der
Sorte Studenten, die gerne mal etwas länger schlafen, von daher zieht
sich das ganze Studium etwas in die Länge.

PokerStrategy:
Du bist im April zum zweiten mal hintereinander ehrenamtlicher
Handbewerter des Monats geworden. Was bedeuten dir diese Auszeichnungen?

pokermarcel87: Na ja, da es nicht so viele
andere ehrenamtliche Handbewerter gibt, wird das natürlich noch etwas
relativiert gegenüber den "Maschinen" wie
nleeson111 und styx528, aber es freut mich natürlich sehr, in den News
aufzutauchen. Noch motivierender sind die Kommentare von unseren
Mitgliedern, die sich bedanken oder schreiben, dass ich ihnen irgendwie
weiter geholfen habe.

PokerStrategy: Seit wann bist du eigentlich als Handbewerter für PokerStrategy.com tätig?

pokermarcel87: Seit Anfang März bin ich
ehrenamtlicher Handbewerter, und seit Anfang Mai bin ich
professioneller Handbewerter.

PokerStrategy: Wie kamst du darauf, als Handbewerter tätig zu werden?

pokermarcel87: Der Kontakt kam über
brotsalat zustande (danke dafür nochmal an dieser
Stelle), der mich gefragt hatte, ob ich nicht Lust habe, als
ehrenamtlicher Handbewerter tätig zu sein. Ich habe mich natürlich
geehrt gefühlt und sofort zugesagt. Es war also eigentlich gar nicht
meine Idee :-).

PokerStrategy: Gibt es etwas besonderes, was deine Handbewertungen auszeichnet?

pokermarcel87: Ich würde sagen, dass ich ganz
gut über mehrere Streets analytisch denke und so versuche, die Range
des Gegners möglichst genau einzugrenzen. Zudem gelingt es mir
(hoffentlich), den Anfängern die Sachverhalte möglichst gut zu
erklären, so dass sie gerne ins Forum zurückkommen.

PokerStrategy: Das Forum ist ein gutes Stichwort. Mittlerweile betreust du sogar ein Forum als Moderator.

pokermarcel87: Genau! Mit der Arbeit als
professioneller Handbewerter bin ich auch Moderator des Omaha
Strategieforums
geworden.

PokerStrategy: Wieviele Hände bewertest du denn im Schnitt pro Tag? Wie zeitaufwendig ist das verbunden mit deiner Moderatorentätigkeit?

PokerMarcel87pokermarcel87: Ich bewerte circa 350 Hände pro
Monat. Allerdings variiert es schon stark. Manchmal bewerte ich über 20
Hände pro Tag, aber an Tagen mit weniger Traffic komme ich nur auf drei
bis vier Hände. Wie viele Stunden ich mit meiner Moderatorentätigkeit
verbringe, kann ich echt nicht sagen, da ich mir ohnehin fast jeden
Thread im Forum anschaue. Und da alle Schreiber recht friedlich sind,
läuft die Moderatorensache mehr oder weniger von selbst.

PokerStrategy: Welche Bereiche im Forum schaust du dir sonst noch gerne an?

pokermarcel87: Wenn ich so durch das Forum
streife, dann meistens durch die Foren Poker allgemein oder Small Talk.
Natürlich lande ich auch ab und zu im BBV, wobei ich dann eher Railbird
als Regular bin. Gelegentlich verschlägt es mich auch in das Tv &
Kino-
oder Musik-Forum.

PokerStrategy:
Kannst du durch „dein“ Forum und aufgrund deiner Tätigkeit als
Handbewerter belegen, dass Omaha bei uns immer mehr Anhänger findet?

pokermarcel87: Auf jeden Fall! Die geposteten
Hände werden immer mehr, und auch im Forum gibt es immer wieder Threads
von Hilfe suchenden Anfängern sowie Threads über Software etc., in
denen Diskussionen stattfinden und Tipps ausgetauscht werden.

PokerStrategy:
Einige Spieler vertreten die Meinung, dass Pot Limit Omaha aufgrund der
Dynamik in Zukunft No Limit zahlenmäßig ablösen wird. Wie siehst du
das?

pokermarcel87: Onlinepoker ist so eine
schnelllebige Sache, dass man nur extrem schwer irgendwelche
Voraussagen treffen kann. Klar helfen beispielsweise die
durrrr-Challenge oder die Full Tilt Poker Nosebleeds, das Spiel unter
den No Limit Spielern bekannter zu machen. Bis Omaha allerdings das
Niveau von No Limit Hold'em erlangt, wird es sicherlich noch ein bis
zwei Jahre dauern. Ich stimme jedoch zu, dass die unglaubliche Dynamik
kontinuierlich immer mehr Leute begeistern wird. Wer es einmal gespielt
hat, der merkt, wie viel Spaß es macht Draws mit 20 Outs zu floppen,
anstatt ständig zu versuchen, sein Toppair zum Showdown zu bringen.

PokerStrategy: Welche Tipps würdest du jemandem geben, der von No Limit auf Omaha wechseln will?

pokermarcel87: Natürlich erst mal die Regeln
lernen. Wenn man die Regeln kennt, reicht es eigentlich schon für einen
kleinen Ausflug auf die ganz unteren Limits. Wer sich wirklich mit der
Strategie auseinander setzen will, dem kann ich natürlich die
Pokerstrategy.com Artikel und Videos empfehlen! Zudem ist zum Beispiel
das Buch „Pot-Limit Omaha Poker“ von Jeff Hwang lesenswert. Damit
sollte man einen guten Überblick über die wichtigsten Sachen bekommen.
Wenn es dann spezielle Fragen gibt, warte ich im Handbewertungsforum.

PokerStrategy:
Aber gerade auf den unteren Limits spielt man gegen Gegner, die viel
limpen und callen preflop. Wie verhält man sich, wenn der ganze Tisch
so spielt?

pokermarcel87: Solche Leute sollte man natürlich
möglichst maximal exploiten. Das heißt, sich auf Hände mit viel
Nut-Potential wie dem Nutflush- oder High-Straight-Draw zu
konzentrieren. Die schlechteren Spieler zahlen einen viel zu häufig
auch mit deutlich schwächeren Händen aus. Was man definitiv nicht
machen sollte, sind irgendwelche großartigen Bluffs oder super
umständliches Spiel. Standard ABC-Poker ist die beste Waffe gegen diese
Gegner.

PokerStrategy: Du hast ja ursprünglich mit Fixed Limit angefangen. Wann und weshalb bist du eigentlich zu Omaha gewechselt?

pokermarcel87: Das müsste irgendwann im letzten
Herbst gewesen sein. Ich habe FL bis $2/$4 gespielt und bin dann mit
den ersten $3/$6 Shots in einen ziemlich dicken Downswing geraten. Als
der nicht aufhören wollte, ging auch die Motivation zu spielen in den
Keller, und daher habe ich dann eine längere Pause eingelegt. Dann habe
ich mir, eher zum Spaß, mein erstes Omaha Buch bestellt und fand das
Spiel gleich recht spannend. Eigentlich paradox, dass mich ein
Downswing in ein noch varianzreicheres Spiel getrieben hat...

PokerStrategy:
Aber dieser Rückschlag hat dich ja irgendwie nach vorne gebracht. Auf
welchem Limit bist du zurzeit zu finden und wie läuft es dort für dich?

pokermarcel87: Ich spiele zur zeit noch PLO $25
und es kommen die ersten Shots auf PLO $50 dazu. Ich bin jetzt mit
meinem BRM etwas konservativer geworden, was zum einen an der großen
Varianz liegt und auch daran, dass meine Shots aufgrund von Tilt bisher
immer etwas unglücklich verlaufen sind.

PokerStrategy: Das Omaha Bankrollmanagement unterscheidet sich ja deutlich vom NL BRM beispielsweise. Wie viele Stacks empfiehlst du für PLO?

pokermarcel87: Das hängt zum einen von den
Stakes ab und zum andere vom Spieler selber. Ich denke, auf den unteren
Limits bis PLO $100 kann man beruhigt mit 50 Stacks spielen. Nur wenn
man als Spieler aber bereit ist, ein Limit konsequent abzusteigen, kann
man es durchaus auch mit 30 Stacks versuchen. Darunter würde ich es
keinem empfehlen. Wenn man PLO $200 aufwärts spielt, dann würde ich 100
Stacks aufwärts empfehlen.

PokerStrategy:
Du spielst aber nicht nur online, sondern bist ab und an mal Besucher
im Casino Enschede. Was spielst du dort und wie sieht deine
Erfolgsbilanz aus?

pokermarcel87: Ehrlich gesagt habe ich bisher
erst einmal ein NL Turnier dort gespielt und bin sang und klanglos im
Mittelfeld gebusted. Aber die Lounge über dem Casino mit Black Jack Tischen und guten Cocktails hat mich dann etwas getröstet.

PokerStrategy: Hast du spezielle Ziele, die du in deiner Pokerkarriere noch erreichen möchtest?

pokermarcel87: Ich glaube, wenn man sich beim
Pokern spezielle Ziele für einen bestimmten Zeitraum setzt und diese zu
ehrgeizig verfolgt, führt das häufig dazu, dass man sich von Faktoren
wie der Varianz, die man nicht selber beeinflussen kann, herunter
ziehen lässt. Natürlich möchte ich für mich selber in den Stakes
möglichst hoch steigen und mich weiter mit der Theorie beschäftigen,
aber spezielle Ziele habe ich nicht wirklich. Ich schaue also eher von
Limit zu Limit.

PokerStrategy: Aber Las Vegas und die WSOP dürften schon in deinem Interesse sein, oder?

pokermarcel87: Also Las Vegas auf jeden Fall. Ob
es dann zufällig in die Zeit der WSOP fällt und ich ein, zwei PLO
Events spiele, wird sich zeigen. Aber ich bin auf jeden Fall heiß auf
die Stadt!

PokerStrategy:
Wir sind am Ende des Interviews angelangt und ich danke dir für das
nette Gespräch. Wir freuen uns schon auf deine nächsten
Handbewertungen! Wenn du noch etwas loswerden möchtest, hast du jetzt
die Gelegenheit dazu!

pokermarcel87: Ich bedanke mich ebenfalls für
das Interview und vor allem bei den Lesern, die es bis zum Schluss
ausgehalten haben. Ansonsten die üblichen Upswingwünsche und alles Gute
an den Tischen.