Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

"Pokerspieler begehen steuerrechtlich oft große Fehler"

Im zweiten Teil unseres großen Interviews mit Steuerexperte und Ex-Pokerspieler Fabian Graske gehen wir weiter den zentralen Fragen deutscher Spieler auf den Grund.

bencb coach
Ex-Pokerspieler und Anwalt Fabian Graske hat zurzeit gut zu tun

Im ersten Teil hatte Rechtsanwalt und Black Member f4bianG, der im echten Leben Fabian Graske heißt, erneut mit zahlreichen hilfreichen Tipps zur aktuellen Situation in Deutschland geglänzt. Im zweiten Teil knüpfen wir dort an und klären unter anderem die Optionen für potentielle Auswanderer. 

Du sagst selbst, dass Deutschland nicht der beste Ort für Pokerspieler ist, die damit ihr Haupteinkommen bestreiten oder zumindest einen signifikanten Betrag erwirtschaften. Ist Auswandern die einzige Möglichkeit oder reicht ein Zweitwohnsitz in einem regulierten Land?

f4bianG: Hier werde ich leider oft missverstanden. Wer kein Problem mit Steuern hat und meine Hinweise auf meiner Website beachtet, kann ohne Probleme in Deutschland Poker spielen. Im Gegenteil: In welcher Branche gibt es aufgrund der aktuellen Rechtsprechung schon Möglichkeiten, legal und rechtssicher steuerfrei Einkünfte zu erzielen? Jedoch sollte sich jeder Pokerspieler absichern. Nach meiner Erfahrung machen das zumindest auf dem deutschen Markt die Wenigsten. Fehler in dem Bereich können langfristig zu massiven Problemen mit dem Finanzamt und der Staatsanwaltschaft führen.

Leider erlebe ich auch immer wieder das Phänomen, dass Spieler, die sich z.B. von Steuerberatern beraten lassen, große Fehler begehen. Ich spreche hierbei gern von unbewusster Falschberatung. Fehlerhafte Beratung ist darin begründet, dass kaum ein Berater in Deutschland Erfahrung mit Pokerspielern hat. Das liegt einfach daran, dass es verhältnismäßig wenig Pokerspieler in Deutschland gibt, die dauerhaft Geld damit verdienen. Einer der häufigsten Fehler in dem Zusammenhang ist es, Gewinne gegenüber dem Finanzamt zu erklären, ohne die Folgen der Offenlegung zu kennen. Zunächst gehen meines Erachtens Steuerberater zu schnell davon aus, dass es sich bei Pokergewinnen um gewerbliche Einkünfte handelt. Auch wenn die rechtliche Analyse des Steuerberaters regelmäßig nicht falsch ist, führt die Deklaration von Pokergewinnen gegenüber dem Finanzamt zu zwei fatalen Problemen:

  1. Finanzamt prüft Rechtslage nicht: Werden Pokergewinne im Rahmen der Steuererklärung als gewerbliche Einkünfte deklariert, erlebe ich es immer wieder, dass Finanzämter nicht mehr prüfen, ob es sich tatsächlich um steuerpflichtige Einkünfte handelt. Viel mehr Pokerspieler könnten steuerfrei spielen, wenn die Gewinne nicht als gewerbliche Einkünfte deklariert werden.
  2. Hauptproblem Gewinnermittlung: Die Abgabe einer Steuererklärung, ohne zu 100% nachweisen zu können, wie hoch die tatsächlichen Gewinne (Gewinn – Buy In – Ausgaben) ist, führt regelmäßig zu großen Steuerschäden. Ich möchte Euch das gern an einem Beispiel erklären: Spieler, die "gestaket" werden, zahlen einen Teil ihres Gewinns an den Staker aus. In den allermeisten Fällen gibt es dafür weder Rechnungen noch Verträge. Ohne eine steuerrechtliche Absicherung besteht die große Gefahr, dass diese "Betriebsausgabe" vom Finanzamt nicht anerkannt wird. Konkret bedeutet das zum Beispiel: Pokergewinn 2019 = 100.000 Euro (Buy Ins und Sonstige Ausgaben eingerechnet). Anteil Staker 2019 = 50.000 Euro

Tatsächlich erzielte der Pokerspieler nur einen Gewinn von 50.000 Euro. Das Finanzamt erkennt die Zahlung an den Staker nicht an und geht von einem Gewinn von 100.000 Euro aus. Derartige Fehler müssen unbedingt ausgeschlossen werden, da andernfalls existenzielle Schäden entstehen. Im Worst-Case-Szenario zahlt der Spieler nicht nur Steuern, obwohl eine Steuerpflicht hätte vermieden werden können, sondern zahlt auch noch zu viel Steuern. Der Nachweis des Gewinns ist eine der wichtigsten Aufgaben für Pokerspieler, die in Deutschland spielen.

Meine Aussage, dass es attraktivere Länder für Pokerspieler gibt, bezieht sich einzig und allein darauf, dass in anderen Ländern der Markt insofern reguliert ist, dass Gewinne nicht besteuert werden bzw. der Markt insofern reguliert ist, dass die Steuer direkt beim Pokeranbieter anfällt. Ein Zweitwohnsitz ist insoweit – zumindest aus steuerlichen Gründen – grundsätzlich nicht ausreichend, da aufgrund des Zweitwohnsitzes die Steuerpflicht nicht aufs Ausland übergeht.

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Gute Beratung ist entscheidend

Wenn wir die verschiedenen Optionen zum Auswandern anschauen, kennst du dich am besten mit Österreich aus. Trotzdem würden wir gern deine Meinung zu anderen Zielen hören. Es ist fast schon Tradition Großbritannien als erstes zu nennen bei diesem Thema. Glücksspiel und dazu gehört Online-Poker, gilt dort als steuerfrei und muss auch nicht bei der Steuererklärung angegeben werden. Gibt es etwas zu bedenken, wenn man als Pokerspieler dorthin auswandern möchte?

f4bianG: Da ich außerhalb von Deutschland und Österreich aktuell kein Experte bin, berate ich in den Bereichen nicht öffentlich. Ich möchte einfach keinen falschen bzw. ungenauen Content verbreiten. Auf Anfrage prüfe ich natürlich auch für Pokerspieler die Rechtslage in anderen Ländern.Dennoch kann ich einige generelle Tipps mit auf den Weg geben:

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Wenn ein Spieler auswandert, aber nicht alle Verbindungen nach Deutschland abgebrochen hat (Mietverträge, Handyverträge, Bankkonten, …), besteht immer die (theoretische) Gefahr, dass im Falle des Bekanntwerdens das Finanzamt bestreitet, dass der Spieler seinen tatsächlichen Wohnsitz im Ausland hatte, womit er im Ergebnis gegebenenfalls in Deutschland steuerpflichtig ist. Insbesondere, wenn ich im Ausland spiele und keine oder weniger Steuern als in Deutschland zahle, sollte ich auf diesen Umstand achten und sicherstellen, dass ich im Zweifel nachweisen kann, dass ich nicht in Deutschland steuerpflichtig bin. Deutschland hat mit den meisten Ländern der Welt sogenannte Doppelbesteuerungsabkommen. Zahle ich in einem anderen Land Steuern, die nicht wesentlich unter dem jeweiligen Einkommensteuersatz in Deutschland liegt, ist dieses Problem zu vernachlässigen. In der Praxis ist das nach meiner Erfahrung jedoch sehr selten der Fall, da die meisten Spieler im Ausland (illegal) keine bzw. weniger Steuern zahlen.

  1. Tipp: Lass unbedingt prüfen, in welchem Land du steuerpflichtig bist und sichere dich insofern ab, dass du diesen Umstand nachweisen kannst. Grenzüberschreitende steuerliche Beratung ist ziemlich kompliziert. In der Regel benötigt der Berater zunächst steuerrechtliches Know How für mindestens zwei Länder. Zudem sollte er sich im Bereich Glücksspiel, d.h. Poker, auskennen.In meiner Beratungspraxis habe ich bereits mehrfach in eindrucksvoller Weise erleben müssen, wie vermeintliche "Experten für internationales Steuerrecht" aus Großkanzleien und Unternehmensberatungen Mandanten an den Rand der Existenz geführt haben. Wenn ihr Euch beraten lasst, versucht herauszufinden, ob euer Berater praktische Erfahrung mit möglichst vergleichbaren Fällen hatte. Solltet ihr Erklärungen vom Berater als schwammig empfinden bzw. Erklärungen der Berater nicht verstehen, fragt solange nach, bis ihr es versteht. Nach meiner Erfahrung arbeiten Berater immer dann mit unverständlicher Fachsprache, wenn steuerrechtliche Probleme selbst nicht verstanden werden. Ich möchte Euch keine Angst machen bzw. das Vertrauen in Berater erschüttern, aber Juristen und Steuerberater lernen bereits im Studium: "Probleme schaffen, nicht wegschaffen". Zudem handelt es sich um eine Dienstleistung: Ihr kauft die Zeit des Beraters, nicht das Ergebnis seines Handelns. Schaltet Euren normalen Menschenverstand ein und habt keine Angst vor Rückfragen.
  2. Tipp: Hinterfrage Aussagen und das Vorgehen von Beratern, insbesondere wenn es sich um sogenannte "Experten für internationales Steuerrecht" handelt.

Artikel: Details zu den Auflagen im neuen Staatsvertrag

Österreich als beste Option?

Nun zum Nachbarland Österreich. Das Wien zu einer regelrechten Hochburg für deutschsprachige Pokerspieler geworden ist, ist nicht erst seit der Übergangsregulierung in Deutschland so. Fedor Holz, bencb und noch einige andere bekannte und weniger bekannte Spieler tummeln sich da. Außerdem ist die allgemeine Ansicht der Community, dass Pokerspiel in Österreich steuerfrei ist und bisher auch niemand der dort lebenden Spieler Steuern auf ihre Gewinne gezahlt haben. Empfiehlst du für deutsche Spieler ebenfalls Österreich?

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f4bianG: Wie bereits in meinem Blog und im Podcast mit bencb erklärt, ist aus meiner Sicht die Gesetzeslage in Österreich und Deutschland die Gleiche. Gewerbliche Einkünfte werden besteuert. Nach meiner Einschätzung besteht jedoch ein wesentlicher Unterschied zwischen den Ländern. Seit dem BFH-Urteil in der Sache Eddy Scharf wurde in Deutschland entschieden, dass Poker ein Geschicklichkeitsspiel sein kann, womit grundsätzlich die Möglichkeit besteht, dass Gewinne zu versteuern sind. Nach meinem Kenntnisstand gibt es eine derartige Entscheidung in Österreich nicht, weshalb aktuell noch davon ausgegangen wird, dass Poker rechtlich in Österreich als Glücksspiel bewertet wird. Obwohl in beiden Ländern eine sehr vergleichbare Gesetzeslage herrscht, kann man aktuell noch davon ausgehen, dass in Österreich keine Steuern auf Pokergewinne zu zahlen sind.

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Denkst du, dass es dem österreichischen Staat ganz recht ist, wenn sie ein paar Pokerauswanderer aufnehmen können, auch wenn diese ihre Gewinne nicht versteuern? Den Konsum tätigen sie ja trotzdem in Österreich. Außerdem werden viele Spieler im Laufe der Zeit einer Tätigkeit nachgehen, aus der dann auch zu versteuernde Gewinne entstehen, welche dem Staat zugute kommen.

f4bianG: Sicher kann ich diese Frage nicht beantworten. Mein Eindruck ist, dass in Österreich einfach niemand auf die Idee kommt, dass Pokergewinne steuerpflichtig sind. Wo kein Kläger, da kein Richter. Meines Erachtens würde sich auch in Österreich die Rechtslage verändern, wenn Pokerspieler Ihre Gewinne gegenüber dem Finanzamt anzeigen.

Worauf sollte man als Deutscher auf jeden Fall achten, wenn man nach Österreich auswandern möchte, um dort zu Pokern?

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f4bianG: Ich würde mir als Pokerspieler in Österreich in jedem Fall vom Finanzamt, von einem Steuerberater oder einem Rechtsanwalt schriftlich zusichern lassen, dass Gewinne nicht zu versteuern sind, um abgesichert zu sein. Meine Kanzlei erstellt sowohl für Spieler in Deutschland als auch in Österreich Stellungnahmen bzw. Gutachten darüber. In Deutschland ist das leider nicht für jeden Spieler möglich, sondern nur für diejenigen Spieler, die nicht offensichtlich Berufspokerspieler sind. Da wir Berater für derartige Leistungen haftbar gemacht werden können, sind diese Gutachten zumindest in Deutschland ziemlich teuer. Spielern in Österreich gebe ich daher immer folgenden Tipp: Fordert vom Finanzamt eine verbindliche Auskunft oder lasst Euch von Rechtsanwälten oder Steuerberatern schriftlich zusichern, dass "Du" in deiner Situation nicht steuerpflichtig bist. Aufgrund der Rechtsanwendung in Österreich könnt Ihr mit ein wenig Glück derartige Aussagen sehr günstig erhalten. Wichtig ist jedoch, dass die Aussagen so konkret wie möglich sind. "Grundsätzlich sind Gewinne aus Pokerspielen in Österreich nicht zu versteuern" wäre zu unkonkret.

Und abschließend: Gibt es eine Landesküche, die du am liebsten isst? Und wenn ja, welche?

f4bianG: Generell liebe ich gute Steaks. Wenn ich mich für eine Landesküche entscheiden müsste, würde ich mich auf das "Baskenland" bzw. insgesamt auf Nordspanien bzw. Südfrankreich festlegen.

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