Quo vadis, Tak3r?
Während im letzten Gespräch mit Chris das Leben und der Umbau seiner Burgruine in Montenegro im Mittelpunkt standen, geht es heute ausschließlich um Poker.

tak3r bringt derzeit frischen Wind ins Forum und die Blogsektion, verwandelt parallel dazu eine alte Ruine in Montenegro in eine Bar beziehungsweise einen Coworking-Space – und findet tatsächlich noch Zeit, um am virtuellen Filz durchzustarten."
Weitere Details und spannende Einblicke zum Umbau hat der umtriebige PokerStratege in einem ausführlichen, dreiteiligen Interview preisgegeben. Regelmäßige Updates und feinste Cash-Game-Action gibt es außerdem auf seinem Twitch-Kanal zu sehen – Support ist kein Mord!
Nach mehreren Reviews mit unseren Coaches Paxis und FaLLout86 hat sich tak3r nun auch die Zeit genommen, PokerStrategy.com Einblicke in seine aktuellen Ziele in Sachen Online Poker zu geben.
Hallo Chris, vielen Dank, dass du dir die Zeit für ein Interview nimmst. In unserem letzten Gespräch stand vor allem dein Leben in Montenegro im Fokus. Heute möchten wir uns verstärkt deinem Pokerspiel widmen.
Seit wann sitzt du wieder regelmäßig am virtuellen Filz – und was hat dich dazu bewegt, zurückzukehren?
tak3r: Ich habe nach Weihnachten 2024 wieder angefangen. Damals hatte ich meinen Laptop beim Heimatbesuch dabei, der jedoch nicht mehr in der Lage war, WarCraft 3 flüssig zu streamen.
"Der Laptop ist schuld"
Das hat schließlich dazu geführt, dass ich – nach einer langen Pause – wieder bei Poker reingeschaut habe. So richtig aktiv war ich davor zuletzt um 2008 herum.
Welche Veränderungen sind dir beim Wiedereinstieg an den Tischen im Vergleich zu früher besonders ins Auge gefallen?
tak3r: Die Konkurrenz ist insgesamt deutlich stärker geworden. Früher gab es bei weitem nicht so viel Lehrmaterial, und es wurden ganz andere Konzepte verfolgt. Auf NL10 bei GGPoker treffe ich aber dennoch meist auf drei bis vier Gelegenheitsspieler an einem 6-Max-Tisch. Früher war es vielleicht noch einer mehr – bei guter Table Selection – aber ehrlich gesagt hätte ich heutzutage mit weniger gerechnet.
Ein großer Unterschied zu früher scheint mir zu sein, dass auf diesem Limit heute deutlich weniger geblufft wird. Und genau da liegt für mich auch die zentrale Herausforderung: Ich muss mein Spiel anpassen und meinen Gegnern häufiger mehr Credit geben.

Du hast für deinen Wiedereinstieg den Einsteigerkurs von PokerStrategy.com genutzt. In welchen Bereichen hat dir dieser Kurs persönlich am meisten weitergeholfen?
tak3r: Am meisten haben mir die neuen Starting Hand Charts geholfen.
Im Vergleich zu früher sind sie etwas tighter, was für Einsteiger und Wieder-Einsteiger wie mich sicherlich sinnvoll ist – „Tight is right“. Die Schablone im Einsteigerkurs hilft auf NL2 und NL5 definitiv weiter, auf NL10 müssen jedoch einige Anpassungen vorgenommen werden. Aber als Grundlage ist der Kurs natürlich hervorragend!
Wo siehst du derzeit die größten Herausforderungen in deinem Spiel?
tak3r: Ein großes Problem in meinem Spiel ist, dass ich mich oft nicht von Händen trennen kann und dazu neige, Villains auf eine schwächere Hand zu setzen, als sie tatsächlich haben.
Wenn Stärke gezeigt wird, glaube ich oft, dass ich mit meiner Hand noch vorne liege, obwohl ich in Wirklichkeit folden sollte. Das passiert besonders gegen Spieler mit Stats, die auf einen Freizeitspieler hinweisen. Dort gebe ich ihnen oft nicht genug Credit.
In manchen Situationen sollte ich etwas zurückhaltender spielen. Ein weiterer wichtiger Punkt, an dem ich arbeiten muss, ist das Denken in Ranges.
Du warst bereits häufig im Einsteiger-Coaching zu Gast und hast dein Spiel analysieren lassen. Würdest du die kostenlose Möglichkeit, seine Session auf diese Weise reviewen zu lassen, auch anderen PokerStrategen empfehlen?
tak3r: Auf jeden Fall! Oft merkt man selbst die kleineren Fehler in Pots, die nicht zum All-in führen, nicht. Diese addieren sich jedoch schnell und können die Winrate erheblich verschlechtern.
"Jeder Fehler wird angesprochen"
Während man bei großen All-In-Pots oft gut nachträglich analysieren kann und Fehler entdeckt, werden die kleineren und mittleren Pots oft übersehen. Im Sessionreview wird jede Hand unter die Lupe genommen, jeder Fehler wird erkannt und angesprochen – oft auch Dinge, die man selbst vielleicht noch gar nicht bemerkt hat. Dadurch kann man gezielt Notizen machen und das eigene Spiel verbessern. Ich kann es also nur jedem empfehlen, ein paar Sessions einzureichen!
Dein Blog gehört zu den aktivsten im Forum. Wie hilft dir dieser Blog dabei, dein eigenes Spiel zu reflektieren?
tak3r: Im Blog erhält man viele allgemeine Tipps und kann sich spezifisches Feedback zu einzelnen Händen holen.
In meinem Fall hat sich herausgestellt, dass ich immer wieder die gleichen Fehler mache. Diese sind noch aus meiner Zeit von 2008 tief in meinem Pokergedächtnis verankert, und ich finde es schwer, sie abzulegen. Oft gelingt es mir, diese zu vermeiden, aber immer wieder ertappe ich mich in Situationen, in denen ich mich nicht von einer Hand trennen kann – besonders gegen schwächere Gegner.
Welche Tipps würdest du anderen Einsteigern und Wieder-Einsteigern für ihren Pokereinstieg mit auf den Weg geben?
tak3r: Konzentration am Pokertisch ist das A und O.
Wenn ich eine Session aufnehme und mich ausschließlich aufs Pokern konzentriere, spiele ich merklich besser, als wenn ich offstream spiele und nebenbei YouTube-Videos schaue. Leider langweile ich mich schnell, was auch eines meiner Leaks ist. In Zukunft muss ich mich stärker fokussieren und ohne Ablenkungen spielen, besonders wenn ich weiter in den Limits aufsteigen möchte.
"Theorie ist der Schlüssel"
Ein weiteres Problem ist, dass ich gerne viele Tische gleichzeitig spiele – das kommt von meiner früheren Zeit als WC3-Spieler, wo ich viel Action gewöhnt war. Aber man sollte nicht zu viele Tische gleichzeitig spielen. Zudem ist es wichtig, viel Zeit in Theorie zu investieren, auch wenn das für den ein oder anderen (mich eingeschlossen) nicht immer einfach ist, da man dabei keine direkte Action an den Tischen hat. Dennoch ist es der bessere Weg.
Also, meine Empfehlung: Viel Theorie, Wissen ansammeln und dieses dann konzentriert am Tisch umsetzen, ohne Ablenkungen. Dann sollte es auch klappen. Ansonsten gibt es sicher andere, die bessere Tipps geben können. Ich bin eher ein Negativbeispiel dafür, wie man es nicht machen sollte, mit meiner derzeit negativen Winrate.
Danke für deine ausführlichen und offenen Antworten! Kommen wir zur letzten und wahrscheinlich wichtigsten Frage: Bisasam, Schiggy oder Glumanda?"
tak3r: Ich musste diese Namen googeln, scheint von Pokémon zu sein. Leider habe ich da absolut keine Ahnung von, sorry!
Für weitere Fragen rund um das spannende Projekt in Montenegro steht euch Chris sicherlich in seinem Blog zur Verfügung. Ordentlich zur Sache geht es aber auch auf Twitch - Support ist kein Mord!

