Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Rahmenplan für optimale Produktivität als Pokerspieler

SteffenRachut, erfahrener Mindset-Coach in unserer englischen Community, zeigt in einem neuen Artikel und Video, wie man die eigene Produktivität als Pokerspieler maximieren kann.

SteffenRachut mindset coach
SteffenRachut

Produktiv zu sein ist nicht leicht. Das gilt vor allem, wenn man in einer Position ist, in der man nur auf sich alleine gestellt ist, um genau das sicherzustellen. Pokerspieler haben es dabei besonders schwer. Unregelmäßige "Arbeitszeiten", fehlende Rechenschaftspflichten und vielleicht auch eine Prise Trägheit (oder zumindest ein Mangel an Organisation) erschweren die Sachlage.

Die Lösung, um ein ausreichendes Maß an Spielvolumen und Lernarbeit zu erreichen, findet sich in der Bildung von Zeitplänen, Gewohnheiten und Routinen. Sie werden so konzipiert, dass man sich an- aber auch abseits der Tische daran gewöhnt, die notwendigen Stunden praktisch automatisch zu investieren. Die Erstellung von Systemen, die einem dabei helfen in der Erfolgsspur zu bleiben, ist essenziell, um ein hohes Leistungsniveau zu erreichen.

Wenn mich meine Erfahrung als Performance-Coach jedoch eins gelehrt hat, dann dass es keine Einheitslösungen für jedermann gibt. Jeder Mensch ist anders und benötigt daher auch unterschiedliche Umstände, in denen er optimale Leistung abrufen kann.

Das Auferlegen von allzu strikten Zeitplänen kann zum Beispiel auch zum Bumerang werden, da sie die natürliche Kreativität des Leistungserbringers unterdrücken. Wenn man auf dem höchsten Level performen will, muss man lernen, die eigenen Stärken zu nutzen. Während manche Menschen in extrem strukturierten Umfeldern am meisten Leistung bringen, benötigen andere wiederum sehr viel Flexibilität, um das höchste Niveau zu erreichen.

Energie-Management

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In diesem Artikel möchte ich nun einen etwas abstrakteren Ansatz vorstellen, um sicherzustellen, dass die eigene Pokerkarriere kontinuierlich Fortschritte macht. Ich bin ein leidenschaftlicher Vertreter der Maxime "Prinzipien vor Methoden". Daher möchte ich zunächst zwei Elemente vorstellen, die das Ziel Produktivität aus anderer Sicht beleuchten, gefolgt von einem Satz Gewohnheiten, die unabdingbar für maximale Produktivität sind.

Wenn man sich den Gesamtzusammenhang bei kontinuierlich hoher Produktivität vor Augen führt, werden mehrere wesentliche Variablen deutlich. Die wichtigste davon ist Energie. Was auch immer das Ziel ist, man muss stets sehr viel Geschick beim Umgang mit der eigenen Energie entwickeln. Das gilt für mentale sowie auch für körperliche Energie. Der erste Schritt hin zu optimaler Produktivität ist also die Feststellung, wann man selbst am meisten Leistung erbringen kann. Wir alle haben unterschiedliche biologische Veranlagungen, die dafür sorgen, dass wir zu unterschiedlichen Zeiten unsere persönlichen mentalen und physischen Höchstleistungen bringen können. Ich persönlich performe zum Beispiel geistig und körperlich deutlich schlechter am Morgen als gegen Abend.

Der zweite wichtige Aspekt beim Energie-Management ist die Planung von Erholungsphasen. Das mag sich für manch einen vielleicht merkwürdig anhören, da man beim Poker nicht körperlich aktiv ist, allerdings müssen sich auch die mentalen und kreativen "Muskeln" erholen. Das Alternieren von Phasen, in denen man mit voller Konzentration lernt oder spielt, und Phasen, in denen man sich von eben diesen Aktivitäten vollständig abkoppelt, ist eine wesentliche Voraussetzung, um ein nachhaltiges Höchstleistungsniveau sicherzustellen. Wer es mit dem eigenen Pokerspiel ernst meint, muss auch dafür sorgen, dass er an den Tischen stets volle Leistung bringen kann. Der einzige Weg, um genau das zu schaffen, ist die Einhaltung von Erholungsphasen.

Leistungsanforderungen

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Das nächste Element, das es zu berücksichtigen gilt, sind die Anforderungen, die die angestrebten Leistungen einem abverlangen. Je nach Partien und den eigenen Zielen können diese von Spieler zu Spieler deutlich schwanken. Jemand, der parallel einige Heads-up-Cashgames spielt, stellt sich wesentlich anderen Anforderungen, als jemand, der den Fokus auf ein hohes MTT-Spielvolumen richtet. Der erstgenannte Spieler muss praktisch zu jeder Zeit sein A-Game spielen. Theoretisch optimal wären in diesem Fall mehrere kurze Sessions mit zahlreichen kleinen Pausen. Der Spieler muss sehr bewusst darauf achten, mit welchem Energieniveau er jede einzelne Session angeht. Er wäre gut beraten, nur dann zu spielen, wenn er sich auch wirklich fit fühlt. Lebt man im Gegensatz zum ersten Fall jedoch eher nur vom Rakeback, hat man diesen Luxus natürlich nicht. Ein deutlich strikterer Session-Zeitplan ist notwendig, um sicherzustellen, dass man ein bestimmtes Spielvolumen erreicht. Das sind nur zwei Beispiele für unterschiedliche Leistungsanforderungen, aber der Grundgedanke sollte bereits so deutlich werden.

Egal welche Partien man aber als ambitionierter Pokerspieler für seine Karriere auserkoren hat, besteht die Hauptaufgabe stets aus zwei Seiten. Zum einen gilt es sicherzustellen, dass man genug Samplesize und Spielvolumen zustande bringt. Zum anderen muss man dauerhaft und konsequent an seinem Spiel arbeiten. Diese beiden Aspekte gelten in jedem Fall, egal welche Variante man spielt, und sollten daher am meisten strukturiert werden. Ich bin zwar der Meinung, dass es nicht so wichtig ist, wann und wo genau man diese Punkte im Verlaufe eines Tages jeweils abhakt, allerdings bleiben sie unerlässlich.

Wie kann man also dafür sorgen, dass man tatsächlich genug Zeit für beide Aspekte aufbringt? Man entwickelt dazu Gewohnheiten. Die einfachste Möglichkeit, um das zu tun, ist dem Gehirn eine Reihe von Hinweisen und Anhaltspunkten zu liefern, die ihm signalisieren, dass es nun an der Zeit für eine bestimmte Aktivität ist. Das erreicht man, indem man sich an bestimmte Tageszeiten hält, einen bestimmten Ort festlegt, wo man die Leistung erbringen will etc. Je mehr Hinweise man dem Gehirn gibt, desto besser. Der nächste Schritt ist dann natürlich die Ausführung. Immer zur etwa selben Zeit, tagein und tagaus. Je stärker sich die Gewohnheit etabliert, desto weniger mentale Energie wird man langfristig benötigen, um sie tatsächlich umzusetzen. Irgendwann wird das Ganze dann praktisch zu einem Automatismus. Natürlich liest sich der Weg dahin leichter, als er tatsächlich sein wird. Auch hier gibt es ein paar hilfreiche Strategien, das würde den Rahmen des Artikels jedoch sprengen. Zumindest eine stelle ich aber noch am Ende vor.

Die drei effektivsten Gewohnheiten

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Meine Erfahrung vom Coachen von Menschen aus den unterschiedlichsten Lebensbereichen hat mich gelehrt, dass drei Gewohnheiten den mit Abstand größten Einfluss auf die Gesamt-Leistungsfähigkeit haben. Die zugrundeliegende Idee zur Entwicklung dieser drei Gewohnheiten ist, dass man die Kontrolle über seinen Zeitplan und seine Energie behält. Wenn man sich gewissenhaft daran hält, wird sich die eigene Produktivität deutlich steigern. Das kann ich praktisch garantieren.

Die erste Gewohnheit, die man entwickeln sollte, ist eine Morgenroutine. Wie bereits geschrieben, ist dabei nicht so wichtig, was genau man tut und wann man es tut. Der Punkt ist vielmehr, dass man seinen Tagesablauf von Anfang an kontrolliert. Die meisten von uns, darunter auch ich, machen häufig den Fehler, dass sie am Morgen als allererstes einen Blick auf das Smartphone werfen, um E-Mails und Textnachrichten zu checken. Das ist aber genau das, was man eigentlich nicht will. Man will, dass die Morgenroutine gemäß der eigenen Planung verläuft und nicht, dass jemand von außerhalb diesen Ablauf bestimmt. Morgens gibt man den Ton für den weiteren Tagesverlauf vor. Es liegt an einem selbst dafür zu sorgen, dass man genau das auf eine Art und Weise macht, die die eigenen Prioritäten im Leben und beim Poker widerspiegelt.

Als nächstes sollte man eine Aufwärmroutine entwickeln. Bevor man an den Tischen loslegt, ist es empfehlenswert, sich für ein paar Minuten vorab mental darauf einzustimmen. Das ist keine Raketenwissenschaft, aber die meisten Spieler machen es trotz dessen nicht. Daher möchte ich aus psychologischer Sicht erläutern, warum sich die Integration einer solchen Aufwärmroutine lohnen kann. Ein Weg, um sicherzustellen, dass man die wichtigsten Gewohnheiten tatsächlich ausführt, ist die Konzentration auf eine Mini-Gewohnheit, die der eigentlich gewollten Aktivität vorausgeht. Im konkreten Fall konzentriert man sich auf eine kleine Aufwärmroutine, um den Fokus von der großen und manchmal entmutigenden Hauptgewohnheit (wie das Grinden oder Lernen) zu nehmen, und erledigt zunächst diese deutlich "leichtere" Aufgabe. Da die beiden Gewohnheiten miteinander einhergehen, wird die größere Aufgabe im Anschluss automatisch begonnen, ohne dass der mentale Fokus vorab darauf gerichtet war.

Als letztes gilt es auch eine Abendroutine zu entwickeln. Diese Gewohnheit wird von den meisten zu sehr vernachlässigt, obwohl es eigentlich die wohl wichtigste ist. Wie zuvor geschildert, ist der Dreh- und Angelpunkt die Kontrolle über den eigenen Tagesablauf. Die Entwicklung einer Routine vor dem zu Bett gehen sorgt dafür, dass man auch am nächsten Tag die Kontrolle behalten kann. Das wichtigste Ziel dabei ist es, dass man sich in eine Lage versetzt, um abschalten zu können. Damit ein erholsamer Schlaf gewährleistet ist, muss man Körper und Geist Zeit zum "Herunterfahren" geben. Die meisten von uns bombardieren das eigene Gehirn in den Abendstunden jedoch mit so viel Informationen und Reizen, dass der Körper nicht in die Ruhephase übergehen kann. Stellt man jedoch eine entspannende Routine vor dem zu Bett gehen her (zum Beispiel durch das Lesen eines Buchs), kann man gewährleisten, dass Energie- und Stressniveau am nächsten Tag optimal ausfallen.

Zusammenfassung

Die Einarbeitung dieser Routinen in den eigenen Tagesablauf wird jede Menge Disziplin erfordern. Es wird sich jedoch lohnen. Zusammenfassend gilt es also zunächst, die eigene biologische Veranlagung zu berücksichtigen. Danach gilt es, Prioritäten zu setzen. Welche täglichen Aktivitäten haben den meisten Einfluss auf euer Spiel und euer Leben? Entwickelt genau um diese herum die genannten Gewohnheiten. Schon die Morgenroutine sollte die eigenen Prioritäten reflektieren. Achtet darauf, dass ihr selbst die Kontrolle über diese Agenda behaltet und dass nichts und niemand eure eigenen Prioritäten ungewollt ändert. Zu guter Letzt gilt es, eine Abendroutine zu entwickeln, die dafür sorgt, dass ihr den nächsten Tag mit voller Kraft angehen könnt. Gelingt euch das alles, wird eure Produktivität ein ungeahntes Niveau erreichen.

Wer mehr über dieses Thema lernen will, kann einen Blick auf das aktuelle Video von  SteffenRachut für die englische Community werfen, das allen PokerStrategen ohne Statusbeschränkung zur Verfügung steht:

poker video

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