Der 5-Minuten-Guide für alle Satellite-Glücksritter
Große Turnierserie sorgen bei Satellites immer wieder für Hochkonjunktur. Wir liefern einen Kurzguide zur besonderen Turnierform für alle Glücksritter, die kostengünstig mitmischen wollen.

In meinem Buch Poker Satellite Strategy, das ich mit einem der besten Satellite-Spieler der Welt verfasst habe, Dara O'Kearney, gibt es ein Kapitel mit dem Titel "Satellites in 30 Minuten" direkt zu Beginn. Dort präsentieren wir eine Reihe von Tipps in Kurzform, die ambitionierten Satellite-Spielern umgehend weiterhelfen können, bevor im Buch tiefer in die Gesamtmaterie abgetaucht wird.
Die Ratschläge sind zwar nicht ausreichend, um einen unerfahrenen Spieler in einen Crusher zu verwandeln, sie helfen jedoch direkt zu Beginn beim Beheben der größten Leaks. Darüber hinaus wollten wir, dass ein Blick auf den Kurzguide, während man sich vielleicht noch mitten am Tisch befindet, die restlichen Informationen im Buch mit der neuen Grundlage noch einmal verständlicher macht.
Mit den Weihnachts- und Winter-Festivals der verschiedenen Anbieter sind aktuell etliche Turnierserien im Gange, bei denen auch Satellites angesichts der relativ hohen Buy-ins vieler Turniere wieder Hochkonjunktur haben. Entsprechend will ich den Anfangsguide von Dara und mir aus dem Buch noch einmal deutlich verkürzen, damit Spieler beim Versuch sich für einige der größten Turniere zu qualifizieren, keine groben Fehler machen.
Foldequity ist die wichtigste Form von Equity
In einem Satellite ist Foldequity durchweg höher einzustufen als tatsächliche Equity. Man sollte immer die Möglichkeit offenhalten, dass die Gegner folden können, selbst wenn man eine sehr starke Hand hält. Tricky Plays und das Provozieren von Bluffs können eine großartige Strategie darstellen, wenn man ein gesamtes Turnier für sich entscheiden will. Bei einem Satellite gilt es jedoch, schlichtweg die Bubble zu überstehen. Das restliche Abschneiden ist irrelevant.
Wenn man in der späten Phase eines Satellites plötzliche Spieler sieht, die mit 30 oder 40 Big Blinds Hände wie JJ oder AQ openshoven, dann ist das tatsächlich ein Zeichen, dass man es mit einem erfahrenen Satellite-Spieler zu tun hat. Es mag den Anschein erwecken, als würde es ein grobes Misplay darstellen, tatsächlich sollte man aber in einem Satellite selbst genauso agieren.
Selbst wenn man Pocket Aces hat, ist es ein sehr gutes Resultat, wenn in der späten Turnierphase alle Gegner schlichtweg folden.
Das Callen von All-ins konsequent vermeiden

Der mit Abstand größte Fehler, den man in einem Satellite von Spielern sehen wird, ist das Callen von All-ins mit einer deutlich zu weiten Range. Die beste Möglichkeit, um die Varianz in Satellites zu verringern, ist daher eine deutliche Reduzierung der Range, mit der man ein All-in callen würde, sobald der potenziell verlorene Anteil an Chips den eigenen Stack entscheidend verringert oder man sogar ausscheiden könnte. Beim Callen eines All-ins ist man stets auf die Gnade des Decks angewiesen, wir wollen in Satellites jedoch Showdown-Situationen mit hoher Varianz wann immer auch möglich so gut es geht vermeiden.
Das bedeutet nicht, dass man All-in-Calls vollständig aus seinem Spiel entfernen muss. Wer ein Full House floppt und sich mit einem All-in vom Gegner konfrontiert, kann ruhigen Gewissens dennoch callen. Es gilt jedoch, bevor man sich intensiver mit der Theorie bei Satellites auseinandergesetzt hat, dass man zunächst einmal die eigene Callingrange deutlich einschränkt, um schwerwiegende Fehler zu vermeiden. Dabei kann man schlichtweg die Callingrange nehmen, mit der man in einem normalen Turnier agieren würde, und nur noch etwa ein Viertel dieser Range im Satellite spielen. Aus 99+ und ATo+ würde also in etwa QQ und AKo+ werden.
Allzu genau muss man diese Anpassung zu Beginn nicht treffen, es geht zunächst lediglich darum zu verstehen, dass man als ersten Schritt seine Callingranges deutlich reduziert, um das größte Leak überhaupt zu stopfen.
Wann man nur noch zuschauen sollte

Ist man gut in einem Satellite unterwegs, gibt es immer einen Punkt, an dem man einen Seat im Zielturnier garantiert hat und im Grunde in den Sitout wechseln kann, um sich ins Geld zu folden. Um zu bestimmen, wann genau dieser Punkt erreicht ist, gibt es einen simplen Trick:
Wenn sich mehr Spieler außerhalb der Bubble befinden, als sich Spieler zwischen einem selbst und dem letzten Rang innerhalb der Bubble befinden, dann ist ein Seat im Zielturnier für gewöhnlich sicher.
Befinden wir uns zum Beispiel auf Rang 70 von 120 Spielern und 100 Spieler würden einen Seat gewinnen, dann befinden sich noch 30 Spieler hinter uns, bevor wir außerhalb der Bubble wären, während sich 20 Spieler tatsächlich außerhalb befinden. Die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass man durch pures Runterblinden die Gewinnränge erreichen würde, da zunächst 20 Spieler außerhalb der Bubble ein Risiko eingehen müssen, bevor weitere 30 Spieler noch vor uns einen Move machen müssen.
Die korrekte Strategie in solch einer Situation wäre also tatsächlich, dass man jede einzelne Hand foldet, sogar Aces und Kings – es sei denn, man spielt gegen einen solch kleinen Stack, dass ein möglicher Verlust, keinerlei praktische Auswirkung auf den eigenen Stack hätte.