So bleibt man am Pokertisch fokussiert
Jared Tendler gibt einige Ratschläge, wie man am Pokertisch auf dem richtigen Kurs bleibt und Ablenkungen minimiert.

Wenn es an der Zeit ist, sich zu konzentrieren, ist das nicht immer einfach. Ablenkungen gibt es buchstäblich überall. Beispielsweise wollen sich sicherlich einige, die gerade diesen Artikel lesen, von etwas ablenken, was sie eigentlich tun sollten. Glücklicherweise geht es heute darum, zu trainieren, sich so sehr zu konzentrieren, dass Ablenkungen keine Option mehr sind (oder zumindest viel seltener).
Wer meine Arbeit verfolgt, weiß, dass die Antwort auf ein Problem fast immer darin besteht, es an der Wurzel zu packen und dann zu beheben. Aber auch die andere Seite der Medaille kann eine wichtige Rolle spielen - das Training und die Verbesserung der Fähigkeiten, die man entwickeln möchte. Heute will ich einige praktische Schritte aufzeigen, wie man die Konzentration stärken und Ausdauer aufbauen kann, um sich länger konzentrieren zu können, denn die potenziellen Ablenkungen werden nicht verschwinden.
Die sozialen Medien tragen in hohem Maße dazu bei, da sie sofortigen Zugang zu Unterhaltung, Nachrichten und " Recherchen " oder " Studien " bieten. Ganz zu schweigen davon, dass echte Recherchen/Studien schnell zu einer Ablenkung werden können. Als Trader fängt man vielleicht an, eine potenzielle Gelegenheit zu recherchieren und wird schnell in ein Wurmloch gezogen, in dem man plötzlich etwas über Marktprognosen liest. Oder als Pokerspieler kann man sich qualitativ hochwertige Videos/Artikel ansehen und dann leicht in klicklastige Unterhaltung abgleiten. Und das ist nur die Spitze des Eisbergs!
Ablenkungen sind zwar real, aber man kann seine Konzentration so trainieren, dass man sich weniger leicht von ihnen ablenken lässt.
Wenn Emotionen Ablenkungen verursachen
Bevor man mit dem Training der Konzentration beginnt, muss man zunächst sicherstellen, dass Emotionen nicht die Hauptursache für die Ablenkung sind. Angst, Wut, Selbstüberschätzung und mangelndes Selbstvertrauen können zu Problemen mit der Konzentration führen. Wenn man sich leicht ablenken lässt, sollte man zuerst nach der Intensität der Emotionen suchen. Das Yerkes-Dodson-Gesetz ist ein wissenschaftlicher Grundsatz, der den Zusammenhang zwischen Emotionen und Leistung beschreibt. Wenn die Emotionen zu hoch oder zu niedrig sind, kann man die optimale Leistung nicht erreichen.

Wenn die Emotionen zu stark sind, muss man daran arbeiten, den zugrunde liegenden Fehler, der diese Emotionen auslöst, zu erkennen und zu beheben. Angst kann dazu führen, dass man wie besessen Twitter checkt oder in den Lobbys nach einer besseren Partie sucht. Übermäßiges Selbstvertrauen könnte dazu führen, dass man sich langweilt und weniger aufmerksam ist. Um sich in einem solchen Fall besser konzentrieren zu können, muss man zunächst die Emotionen abbauen und manchmal reicht das schon aus - in anderen Fällen muss man seinen Fokus neu ausrichten.
Wenn Emotionen nicht die Ursache sind oder man bereits etwas dagegen getan und Fortschritte erzielt hat, ist man in der Lage, seinen Fokus zu trainieren und neu auszurichten. Training ist auch der richtige Weg, wenn die Intensität niedrig ist - wenn man gelangweilt ist, Dinge aufschiebt oder nicht motiviert ist.
Einige müssen vielleicht ihren Fokus trainieren, weil emotional große Fortschritte gemacht wurden und sich dadurch die Mischung dessen, was den optimalen Fokus antreibt, verändert hat. Das ist die Entwicklung des "Mental-Game" und etwas, das ich in der letzten Saison bei meinem Golfspiel am eigenen Leib erfahren habe.
Nachdem ich meine Probleme mit dem Vertrauen und der Angst gelöst hatte, stellte ich fest, dass ich zu unkonzentriert war. Bei einigen großen Turnieren war ich nicht richtig bei der Sache und merkte, dass ich mich leichter von dem ablenken ließ, was um mich herum geschah. So vernachlässigte ich den Fokus auf den Prozess des Schlagens. In der Vergangenheit wurde mein Fokus von der Nervosität in der Situation oder im Turnier bestimmt. Jetzt, wo mein Selbstvertrauen viel gefestigter ist, spüre ich weniger Druck/Nervosität und muss selbst mehr Intensität erzeugen. Mit anderen Worten, ich muss es trainieren. Das ist mein primäres Ziel für dieses Jahr in Bezug auf das mentale Spiel beim Golf.
Den Fokus trainieren

Die Stärkung der Konzentration kann wie ein Muskeltraining angegangen werden. Zunächst muss man seine derzeitigen Fähigkeiten einschätzen. Wie hoch ist das Grundniveau der Konzentration während der Höhen und Tiefen, die man im Laufe mehrerer Wochen erlebt hat? Man sollte aber keinesfalls einfach nur raten, sondern genau verfolgen, wie gut man sich konzentrieren kann, wie oft man abgelenkt wird, wie schnell man sich nach einer Ablenkung erholen kann, wie viele Pausen man wann und wie lange macht. Sobald man weiß, wo man steht, kann man mit diesen praktischen Schritten das Training beginnen:
- Notizen machen: Es ist leicht, sich von Dingen außerhalb von Poker, dem Trading oder Golf ablenken zu lassen. Bevor man beginnt, sollte man tief in sich gehen und sich Notizen über alles machen, was einem durch den Kopf geht - anschließend kann man diese Dinge beiseiteschieben. So schafft man eine Atmosphäre rund um Poker, Trading oder Golf, auf die man sich voll und ganz konzentrieren kann.
- Vorbereitung: Wenn man sich mit seiner Leistung befasst, sollte man sich zunächst mit seinen Zielen auseinandersetzen und zwar sowohl mit den allgemeinen Zielen als auch mit den Zielen, die man heute oder in einem bestimmten Zeitraum erreichen möchte. Man sollte eine Zeitspanne im Voraus festlegen, aber dabei realistisch sein. Vielleicht möchte man sich acht Stunden am Stück intensiv konzentrieren, aber ist das auch wirklich machbar? Man sollte klein anfangen und sich stetig steigern.
- Stück für Stück wachsen: Um den Fokus zu trainieren, verfährt man ähnlich wie bei der Injektion von Logik bei einem emotionalen Problem, allerdings in leicht abgewandelter Form. Wenn man merkt, dass man sich ablenken lässt, unterbricht man den Prozess, indem man tief durchatmet, aufsteht, ein paar Liegestütze macht oder was auch immer einen dazu anregt, sich selbst zu fordern. Man sollte sich wieder auf seine Ziele besinnen und sie als Antrieb nutzen, um sich intensiver zu konzentrieren und sich dann wie im Fitnessstudio anstrengen, um die Dauer und Qualität der Konzentration zu erhöhen.
Man sollte darauf achten, dass man sich Woche für Woche höchstens um fünf bis zehn Prozent steigert. Letztendlich will man vielleicht von einer Stunde auf sechs Stunden kommen, aber von einer Stunde auf zwei Stunden zu kommen, ist eine Steigerung um 100 %. Es ist wichtig, dass man vernünftig ist und den Prozess richtig angeht, damit man seine Verbesserungen langfristig aufrechterhalten kann.
Es ist durchaus möglich, sowohl die Ausdauer als auch die Intensität seiner Konzentration zu steigern. Wenn man diese Schritte befolgt, kann man schrittweise Fortschritte erzielen. Ehe man sich versieht, werden Ablenkungen besser zu bewältigen sein und seltener auftreten.