So erweckt man sein inneres Feuer als Pokerspieler
Für all diejenigen unter euch, die auf der Suche nach nachhaltiger Motivation sind, teilt Jared Tendler mit uns einen Auszug aus seinem Buch zum Thema Mental Game.

Nachfolgend präsentieren wir einen Auszug des Kapitels zum Thema Motivation in The Mental Game of Poker von Jared Tendler, an dem unser News-Redakteur Barry Carter als Co-Autor mitgewirkt hat. Im Buch selbst wird natürlich noch genauer auf die spezifischen und einzigartigen Motivationsprobleme eingegangen, denen man als Pokerspieler begegnen kann, und wie man diese lösen kann. Wenn die Thematik euer Interesse weckt, könnt ihr das Buch hier direkt bei Amazon kaufen.
Aller Wahrscheinlichkeit nach bist du bei diesem Kapitel gelandet, weil du auf der Suche nach einem Weg bist, um endlich deine Faulheit loszuwerden. In der Vergangenheit hast du es mit anspornender Musik, historischen Sportmomenten, dramatischen Filmausschnitten, motivierenden Zitaten und natürlich mit Propbets versucht – das alles in der Hoffnung, dass du weitere Motivation zum Spielen finden wirst. Es ist, als wäre Faulheit eine Art Gefängnis, dem man mit dem richtigen Funken an Inspiration für immer entkommen kann. Aber egal, was man auch versucht und wie sehr man sich anstrengt, die Faulheit holt einen immer wieder ein.
Aber anstatt dich mit allerlei ausgeklügelten Methoden in einen eigentlich vorgespielten Motivationszustand zu hieven, hast du dich schon einmal damit auseinandergesetzt, warum es dir überhaupt an erster Stelle an Motivation mangelt? Das Problem kann nämlich deutlich einfacher gelöst werden, als dir bewusst ist.
Viele Spieler denken beispielsweise, dass sie unter Motivationsmangel leiden, dabei liegt tatsächlich aber ein anderes Mentalproblem bei ihnen vor. Wenn du regelmäßig deine Sessions abbrechen musst, um nicht zu tilten, schlecht unter Druck spielst oder einfach kein Vertrauen in dein Können hast, dann ist fehlende Motivation nur ein Symptom dieser Probleme. Häufig liegt aber ein Motivationsmangel schon so lange vor, dass man vergessen hat, dass Tilt oder Angst die eigentliche Ursache dafür waren. Indem man die anderen Probleme angeht und versucht zu lösen, kann man im Gegenzug auch einen Großteil wenn nicht sogar seine gesamte Motivation wiederfinden.
Viele Spieler haben keine Probleme mit Tilt, Angst oder Selbstvertrauen, sondern sind schlichtweg sehr geschickt im Aufschieben, faul und kaum in der Lage zu spielen, wenn sie einen schlechten Lauf erwischen. Häufig denkt man, dass man diese Probleme nicht beseitigen und mit ihnen leben muss. Das ist aber nicht der Fall, insbesondere wenn man sich der Arbeitsscheu entledigen will. Faulheit ist kein dauerhafter Teil einer Persönlichkeit, es sei denn, man will es so. Einige Spieler sind zum Beispiel stolz darauf, wie faul sie eigentlich sind. Neben der uns allen bekannten Trägheit werden auch weitere Motivationsprobleme in diesem Kapitel behandelt: Du spielst zu viel oder zu wenig, wenn du einen guten oder schlechten Lauf hast. Du schiebst das Lernen und die Arbeit an deinem Spiel vor dir her. Du spielst zu viel und bist ausgebrannt. Du hast nach einem Rückschlag keine Lust mehr zu spielen, zum Beispiel nach einem herben Verlust gegen einen schwierigen Gegner. Du willst lieber in den Rail Heaven und nicht tagtäglich die Lowstakes grinden. Du steigst zu schnell auf und dein Spiel fällt auseinander, nachdem du das Momentum verloren hast.
Die Beschaffenheit von Motivation

Es ist für jeden offensichtlich, wann man Motivation verspürt und wann nicht. Aber wer hat sich schon einmal gefragt, was Motivation eigentlich genau ist? Die Antwort ist wichtig, denn sie hilft dabei, die zugrundeliegenden Ursachen für Motivationsprobleme zu definieren. Motivation ist die Emotion oder Energie hinter dem Erreichen von Zielen. Sie ist der Treibstoff, um dort anzugelangen, wo man hin will. Wem es an Motivation mangelt, der hat entweder Probleme mit seinen Zielen oder der Energie, um sie zu erreichen. Pokerspieler würden nur selten sagen, dass sie ein Problem mit ihren Zielen haben, trotzdem liegt genau das bei jedem Spieler mit Motivationsproblemen vor. Hier sind ein paar Beispiele für Probleme bei der Zielsetzung, auf die später im Kapitel noch genauer eingegangen wird:
- Du willst nur gute Resultate und hast keine entwicklungsorientierten Ziele.
- Du hast hohe Erwartungen.
- Du hast keine kurzfristigen, sondern nur weit entfernte Ziele.
- Du erreichst deine Ziele, setzt dir dann aber keine neuen.
- Du hast zu viele Ziele.
- Du hast viele Interessen und kannst dich nicht entscheiden, was du willst.
- Du hast untergeordnete Ziele wie an den Tischen gut auszusehen, keine Fehler zu machen oder deine Winrate beizubehalten.
Inspiration ist nicht gleich Motivation

Auch wenn viele denken, dass es ein und dasselbe ist, gibt es einen deutlichen Unterschied zwischen Motivation und Inspiration. Motivation ist wie ein Marathonläufer und Inspiration wie ein Sprinter. Beide spielen eine essenzielle Rolle beim Erreichen von Zielen. Motivation ist die solide, stabile Energie, die einen langfristig antreibt. Inspiration liefert kurzfristige, intensive Energieschübe, die man benötigt, um sich einzuheizen oder am Ball zu bleiben. Es gibt viele Höhen und Tiefen auf dem Weg zu den eigenen Zielen. Inspiration ist die zusätzliche Antriebskraft, die einem durch die harten Zeiten und beim Erreichen eines neuen Spielniveaus hilft. Spieler werden auf unterschiedlichste Weise und durch verschiedenste Dinge motiviert, einige so spontan, dass sie sich nur schwer in Begriffe fassen oder vorausberechnen lassen. Es kann ein Buch, ein Film, ein Song, der Erfolg eines anderen Spielers oder eine Belohnung sein, die das innere Feuer entfacht. Effektive Wege zu finden, um sich selbst zu inspirieren, kann manchmal den Unterschied zwischen Erfolg und Misserfolg ausmachen, aber...
- Wer ständig auf der Suche nach neuen Möglichkeiten ist, um sich zu inspirieren, verlässt sich zu sehr darauf und kompensiert damit wahrscheinlich andere zugrundeliegende Probleme mit der eigenen Motivation. Mit anderen Worten: Wer regelmäßig Ausschnitte aus Filmen wie Rocky oder eine Challenge von 100.000 Händen pro Monat braucht, könnte damit ein Problem schützen, das mit Inspiration alleine nicht dauerhaft gelöst werden kann.
- Man kann fälschlicherweise davon ausgehen, dass Inspiration Probleme wie Tilt, Angst und ein Mangel an Selbstvertrauen verschwinden lässt. Das ist aber genau der Grund, warum Neujahrsvorsätze so häufig scheitern. Die Menschen vergessen, dass es lange dauert, bis man alte Gewohnheiten oder tieferliegende Schwächen beseitigt hat. Ein Inspirationsschub kann es so aussehen lassen, als wären diese Probleme ein Teil der Vergangenheit.
Stabile Motivation
Den richtigen Mix aus Zielen und Energiequellen zu finden, die einen antreiben, ist der Schlüssel zum entscheidenden Motivationszustand, auch bekannt als "stabile Motivation". Dieser Zustand entspricht einem Mittelpunkt, bei dem man mit genau der richtigen Menge an Energie angetrieben wird. Dadurch kann man effizient an seinen Zielen arbeiten, eine beständige Lernkurve beibehalten und auf höchstem Level performen, ohne allzu heftigen Höhen und Tiefen ausgesetzt zu werden, was die eigene Motivation betrifft. Stabile Motivation ist für jeden Menschen jedoch unterschiedlich, denn wir alle sind bekanntlich einzigartig. Der einfachste Weg, um diesen optimalen Motivationszustand für sich zu finden, ist das Lösen der zugrundeliegenden Ursachen der eigenen Motivationsprobleme, die wie beschrieben sehr häufig andere Mentalprobleme umfassen. Am Ende erwartet einen dann stabile Motivation, mit der man in Ruhe an seinen Zielen arbeiten kann.