So wurde vor 10 Jahren gepokert - Teil 2
Ernsthaft?! Mit diesen Strategien konnte man damals Gewinn machen?
Mit Overpair und Toppair wird um 100BB-Stacks gespielt

Das Ganze war eine Art Sprichwort in den Handbewertungsforen früherer Jahre. Die Idee war, dass man keine Hand 3-betten sondern einfach nur callen sollte, mit der man nicht bereit war, den ganzen Stack zu investieren.
Der Ansatz hat wohl heute noch Daseinsberechtigung, allerdings sollten ungünstige Boards und schwache Kicker das Ganze zu jedem Zeitpunkt kippen können.
Aggression mit schwächeren Händen out of Position am Flop ohne Initiative

Die Idee war, die Hand zu schützen und den Pot an Ort und Stelle einzusacken. Man sah sich vorne, allerdings aufgrund der fehlenden Position und Initiative deutlich im Nachteil mit Blick auf weitere Optionen bei der nächsten Street.
Man sollte jedoch bedenken, dass man durch einen Call auch bewusst das Risiko eingeht, sich am Turn in einem sehr schwierigen und teuren Spot wiederzufinden. Man sollte immer in Equity und Ranges denken, entsprechend sind derartige Regeln schlichtweg zu simpel.
4-Bets callt man nicht!
Wenn wir jedoch keine Callingrange gegen 4-Bets haben, kann der Gegner leicht eine sehr profitable 4-Bet-Strategie gegen uns fahren.
Die besten Hände wird er einfach für Value 4-betten. Mit Händen, die zu schwach sind für eine Value-4-Bet, aber noch stark genug, um gegen unsere 3-Bet-Range zu callen, wird er mitgehen. Mit noch schwächeren Händen wird er bluffen und den Rest einfach folden. Das ist eine polarisierte 4-Bet-Range.
Aber Moment! Es gibt eine noch einfachere Strategie. Wenn wir nie eine 4-Bet callen, kann der Gegner einfach die ganze Zeit sehr kleine 4-Bets setzen und allein damit eine Menge Geld machen.
Wenn wir jedoch auf einmal anfangen, 4-Bets zu callen, wird die Equity auf einmal sehr wichtig, sodass er seine Range depolarisieren muss, was nicht immer ganz so einfach ist.
Bettinglines ändern und mixen, um den Gegner zu verwirren
Das war Harringtons Rat im Jahr 2008.
Das Mixen macht Sinn, wenn beide Lines gleich profitabel sind. Andernfalls sollten wir immer die Line mit dem höchsten EV wählen. Wir können unsere Lines immer anpassen, wenn es Grund dazu gibt, zum Beispiel um unseren Gegner zu exploiten. Das ist jedoch eine ganz andere Geschichte.
Statt hier und da einen Random-Move auszupacken, erreichen wir heute dasselbe Ziel durch das Balancen unserer Ranges.
Fundamental Theorem of Poker, Sklansky Bucks und G-Bucks
"Der Gegner profitiert, sobald man eine Hand anders spielt, als man sie spielen würde, wenn man seine Karten sehen könnte. Der Gegner verliert, sobald man eine Hand genauso spielt, als wenn man die gegnerischen Karten sehen könnte." Sklansky Bucks und G-Bucks waren ein Ergebnis dieser Feststellung.
Aus mathematischer Sicht ist das Ganze nach wie vor korrekt. Jedoch ist die praktische Anwendung heutzutage sehr beschränkt. Selbst Lowstakes-Spieler können mittlerweile ihren EV ausrechnen. Richtig ist in Ranges zu denken. Es gilt "Range gegen Range" zu analysieren und nicht nur wie man gegen bestimmte Hände fährt.
So wurde vor 10 Jahren gepokert - Teil 1






