Sonntags-Special: Entscheidung am Turn auf NL5k
Die Highstakes-Analyse mit IronPumper auf NL5k geht weiter, dieses Mal mit einer etwas anderen Hand. Außerdem haben wir für euch die Auflösung von letzter Woche.
Dieses Mal hilft uns ironpumper bei der Analyse einer ganz besonderen Highstakes-Hand. Diese ist gleich aus mehreren Gründen speziell, einer davon ist, dass es keinen Hobbyspieler am Tisch gibt. Alle vier Spieler sind Regulars auf NL5k und entsprechend erfolgreich.
Ein weiterer Grund ist die eher ungewöhnliche Hand , die unser Hero am Flop sehr aggressiv spielt. Beginnen wir aber am Anfang: Die Hand findet zwischen Sauce123 und LLinusLLove statt, wobei Sauce123 dieses Mal unser Hero ist. Wie man auf dem ersten Blick sieht, spielt Sauce123 nur mit 50bb, was auf den ersten Blick eher ungewöhnlich erscheint und man könnte auf die Idee kommen, dass er doch kein Regular ist. Allerdings spielt er schon seit Jahren verschiedenste Varianten auf allerhöchstem Niveau. Er ist also nicht nur im No-Limit-Cashgame stark, sondern auch im PLO und den Mixed Games.
Auf NL5k ist er immer an den leeren Tischen anzutreffen und spielt so gut wie jeden Regular. Warum er hier mit weniger als 100bb spielt, liegt daran, dass sich die Regulars gern runterblinden lassen und nicht nachkaufen sobald sie nur oder hauptsächlich andere gute Spieler am Tisch befinden. So ergibt sich einfach wieder der ganz klassischen mathematischen Vorteil gegenüber den Regulars mit deepem Stack. Vor allem wenn man Multiway-Hände gegen diese spielt. Die früher sehr beliebte Short Stack Strategy hat genau auf diesem Vorteil aufgebaut.
Auf in die Action!
Schauen wir nun, ob der kleinere Stack ihm in dieser Hand geholfen hat. Preflop completet Hero mit
. Eine SB-Complete-Strategie sollte man auf kleinen Limits, wo der Rake noch einen deutlich größeren Anteil der eigenen Winrate frisst, tunlichst vermeiden. Auf NL5k kann man im SB jedoch 60% - 70% seiner Hände spielen. Besonders an Ante-Tischen lohnt sich dieser Ansatz.
ist eine Hand, die man durchaus auch weglassen kann und nicht in seiner Complete-Range haben muss. Dass Hero diese Hand hier dennoch spielt, kann natürlich mit Reads oder Table-History zusammenhängen, die wir nicht kennen. Nachdem der BB ein Raise auf knapp 4bb macht, bleibt Hero hier eigentlich nur der Fold oder ein Call. Ein Raise würde mit der Hand zu einer zu großen Complete/Raise-Range führen und wenn man ständig complete/fold spielt, sollte man gar nicht erst completen. Der Plan von Sauce123 war hier sicher schon beim Complete, dass er gegen ein Raise auch callen wird oder muss.
Keine Hilfe am Flop

Der Flop hilft unserem Hero, bis auf den Backdoor Flush Draw, überhaupt nicht weiter. Der Spieler im BB ist absoluter Range-Favorit auf diesem Board und wird auch so gut wie seine komplette Range am Flop c-betten.
Hero entschließt sich zu einem Check/Raise, was durchaus ungewöhnlich ist. Standard sollte hier ein Check/Fold sein. Sauce123 muss hier schon einen besonderen Plan haben oder ein Read bringt ihn zu diesem Move. Er sollte davon ausgehen, dass sein Gegner so gut wie nie gegen seinen Check/Raise folden wird und er mindestens noch den Turn mit dieser Hand spielen muss.
Die Entscheidung am Turn

Am Turn kommt für Hero durch die immerhin ein Flush Draw und verbessert seine Hand. Die Frage ist nun, welchen Plan sich unser Hero am Flop für so einen Turn überlegt hat. Es besteht die Möglichkeit zu checken und nach Odds und Outs zu callen, was das Weiterspielen einfach macht. Das hat natürlich den großen Nachteil, dass wir unsere erkämpfte Initiative vom Flop aufgeben.
Eine weitere Möglichkeit ist es, den Turn für reichliche 1/2 Potsize anzuspielen und gegen einen vermeintlichen Push des Gegners zu callen. Dies hätte den Vorteil, dass wir bei einem Call des Gegners noch ein paar Dollar am River retten und folden können, sobald der Flush nicht ankommt.
Die letzte Möglichkeit ist ein Overpush für maximale Foldequity. Der Gegner könnte natürlich der Meinung sein, dass wir genau das tun wollen, möchte sich folglich nicht rausbluffen lassen und callt deshalb besonders loose.
Auflösung zur letzten Hand
In der letzten Umfrage haben sich 81% der PokerStrategen für einen Call entschieden. Und das sagt unser Coach dazu:
Die Preflop-3-Bet gegen einen nicht so guten Spieler bleibt natürlich weiterhin kontrovers, aber bei der River-Entscheidung kann es keine zwei Meinungen geben. 81% von euch hatten recht und waren für den Call am River.
Bei den Odds, die wir am River bekommen, brauchen wir eine Gewinnwahrscheinlichkeit von ca. 28%. Der Gegner kann am River jedes Top Pair pushen, und selbst wenn man nur von AJ+ ausgehen würde, würde das schon reichen, da er nicht genügend bessere Hände in der Range hat. AT, TT und 22 sind sehr unwahrscheinlich.
Die Auflösung zur heutigen Hand gibt es wieder in einer Woche, wenn wir euch die nächste Hand vorstellen!

