Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Soziale Medien: Der stille Konzentrationskiller

Im digitalen Zeitalter ist man ständig Reizen und möglicher Ablenkung ausgesetzt. Der Mentalgame-Coach und Psychologe Steffen Rachut zeigt, wie ihr trotzdem ans Ziel kommt.

social media flut

Tagtäglich werden wir von einer Unmenge von Informationen überflutet. Gerade im Zeitalter der sozialen Medien, in dem wir einer schier unbegrenzten Anzahl von Reizen ausgesetzt sind, fällt es zusehends schwer, konstant, konzentriert und produktiv an seinen Zielen zu arbeiten.

Warum das so ist und was man aktiv tun kann, um am Ende des Tages zufrieden auf das Geschaffte zurückblicken zu können, das möchte ich in diesem Artikel etwas näher beleuchten. Neuere wissenschaftliche Studien geben bereits einen ersten Hinweis darauf, warum das Gehirn so schnell in den Sog der Informationsflut gezogen wird, was im Folgenden am Beispiel des uns allen bekannten Multitaskings deutlich wird.

Der Mythos Multitasking

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Wenn wir während der Arbeit oder des Grindens durch unseren Facebook-Feed scrollen oder WhatsApp-Nachrichten lesen, ist das nichts anderes als Multitasking. Lange Zeit galt die Fähigkeit zum Multitasking weithin als Voraussetzung für hohe Produktivität.

In den letzten Jahren hat die Wissenschaft jedoch nachgewiesen, dass dies ein Trugschluss ist. Die Funktionsweise unseres Gehirns verrät uns warum. Der Treibstoff, der unser Gehirn in Gang hält, ist Glukose. Jede Entscheidung, die wir täglich treffen, verbraucht etwas von dem Vorrat an Glukose, der wie das Benzin im Tank eines Autos begrenzt ist.

Wenn dieser Vorrat aufgebraucht ist, sind wir nicht mehr in der Lage, rationale und gut durchdachte Entscheidungen zu treffen. Die Verfechter des Multitaskings glaubten lange, dass die Energie unseres Gehirns gleichmäßig zwischen verschiedenen "Tasks" aufgeteilt werden würde. Ein Irrtum. Studien haben gezeigt, dass geteilte Aufmerksamkeit ein ständiges Springen von einer Aufgabe zur nächsten nach sich zieht. Und genau dieses Springen kostet das Gehirn jedes Mal zusätzliche Energie. Je mehr unsere Aufmerksamkeit von einer Aufgabe zur nächsten springt, desto schneller ist der Tank unseres Gehirns leer. Mit anderen Worten: Das vermeintlich harmlose Checken unserer E-Mails, das Lesen von Nachrichten oder "nur schnell" ein YouTube-Video schauen kostet uns enorme Energie. Energie, die uns schlussendlich für die wichtigen Dinge fehlt.

Zu allem Überfluss werden wir auch noch jedes Mal, wenn wir unseren Feed checken, von unserem Gehirn quasi "belohnt". Der Übeltäter in diesem Zusammenhang ist Dopamin. Immer wenn vor unserem Auge etwas Neues oder Interessantes erscheint, setzt unser Gehirn Dopamin frei. Im Volksmund ist Dopamin auch als "Wohlfühlhormon" bekannt, weil es dafür sorgt, dass wir uns gut fühlen. Das erklärt, warum wir immer wieder in Loops verfallen, in denen wir ziellos im Internet unsere Zeit verschwenden.

Zum Glück gibt es jedoch einige recht simple Strategien, um unser Gehirn in den richtigen Momenten zu fokussieren und mit der immensen Informationsflut, der wir täglich ausgesetzt sind, besser umzugehen.

Klare Ziele

Fokus auf klare Ziele

Die mit Abstand wichtigste Methode besteht darin, sich Tag für Tag klare und erreichbare Ziele zu setzen. Wenn unser Gehirn klare "Anweisungen" erhält, lässt es sich nicht so leicht ablenken. Der einfachste Schritt dazu ist Monotasking. Zu deutsch: sich auf eine Sache voll konzentrieren. Erst wenn sie abgeschlossen ist, sollten wir uns der Nächsten widmen.

Wenn du dein Pokerspiel optimieren willst, bedeutet das, während der Session das Handy auszumachen, alle Tabs zu schließen und dich nur auf das Spielen zu konzentrieren. Ich weiß, wie schwer das in der heutigen Zeit fällt, aber es ist das beste Mittel, unsere begrenzte Konzentrationsleistung optimal zu nutzen.

Selbstbeobachtung

Selbstbeobachtung

Eine weitere Möglichkeit der Produktivitätssteigerung besteht darin zu lernen, das eigene Verhalten besser verstehen und lenken zu lernen. In der Praxis bedeutet das, sich regelmäßig während des Tages ein paar Fragen zu stellen, wie zum Beispiel:

  • Warum mache ich das gerade?
  • Was habe ich davon (auch langfristig)?
  • Will ich das wirklich oder fühle ich mich dazu "gezwungen"?

Diese Form der Selbstbeobachtung erlaubt es, die Aufmerksamkeit zieldienlich immer wieder neu zu justieren und sich auf die angestrebten Ziele zu fokussieren; besonders wenn wir uns dabei erwischen, anstatt an unseren Zielen zu arbeiten, mal wieder irgendwelche Katzenvideos auf YouTube zu konsumieren.

Den Konsum beschränken

Konsum Überschuss

Seien wir mal ehrlich: Die meisten von uns wollen nicht auf soziale Medien verzichten. Gleichzeitig fällt es uns jedoch oft schwer, deren Gebrauch angemessen zu regulieren. Feste Zeiten für die tägliche Nutzung der Medien können dabei helfen, sich selbst auf ein bestimmtes Maß zu begrenzen und verhindern gleichzeitig, sich in absolut unproduktiven Endlosschleifen zu verlieren. Ein Beispiel: Morgens, mittags und abends feste Zeiträume für die Nutzung festlegen und anschließend konsequent zu den wichtigen Dingen übergehen.

Zusammenfassend bleibt zu sagen, dass es evolutionär betrachtet "normal" ist, dass sich das Gehirn leicht ablenken lässt. Wichtig ist, sich über die Funktionsweise unseres Gehirns im Klaren zu sein, um somit wirksame Strategien entwickeln zu können, um mit dieser vermeintlichen Schwäche gut umzugehen.

Neugier ist für uns also aus evolutionärer Sicht vorteilhaft, denn sie ist Antrieb zur Weiterentwicklung. Als einfache Übung zur Konzentrationssteigerung könnt ihr euch sofort einen Alarm einstellen, um euch dann 2-3 Mal am Tag auf die obigen Fragen zur Selbstbeobachtung zu besinnen.

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