Tobis Blog: Warten auf die October Nine
Unser Reporter Tobias Block berichtet für euch live vom Finaltisch des WSOP Main Events in der nächsten Woche. In seinem Blog schildert er seine Erlebnisse und sagt euch, was ihr am Montag und Dienstag bei Pokerstrategy.com erwarten könnt.
Hey Leute,
natürlich, die October Nine sind das dominante Thema in dieser Woche. Während sich die Pokerwelt langsam (aber nur vorübergehend) von den Ereignissen um Full Tilt Poker entfernt und dem Final Table der WSOP zuwendet, habe ich die letzten Tage genutzt wieder mehr Live-Poker zu spielen. Ihr wisst ja selber, welche Elemente des Live-Spiels beim Online grinden einfach abhanden kommen und es so einzigartig machen – Live-Tells, Table Talk, ein paar Bier und unerfahrene Spieler.
| Auf dem Weg ins Rio |
Die Laufkundschaft, die einfach mal eben ein paar hundert Dollar verspielen will, ist in Vegas vermutlich die grösste der Welt. Andererseits sind die Games ab 5/10 und teilweise schon ab 2/5 inzwischen sehr regverseucht. In diesem Umfeld kommt es darauf an, sehr genaue Reads von seinen Gegnern zu sammeln. Denn diese sind so unglaublich wertvoll, weil die meisten Spieler ihre Setzmuster auch auf diesem Niveau nicht variieren. Ihr könnt also mit einem soliden Erinnerungsvermögen, Geld einfach wie von der Straße aufsammeln.
In der letzten Woche habe ich Marco Valerio von QuadJacks kennengelernt. Eigentlich hatte ich mir vorgenommen, mich von der Pokerjournalismus-Szene nicht vereinnahmen zu lassen, also auch den gelegentlichen Treffen fernzubleiben. Über die Gründe schreibe ich vielleicht an anderer Stelle mal was.
Marco ist allerdings ein hochtalentierter Journalist. Gar nicht unbedingt auf Poker beschränkt, aber ich habe in ihm die Fähigkeit erkannt, Leute mit seinen Worten zu bewegen und zu überzeugen. Verbunden mit einem hohen Mass an Selbstsicherheit, das auf Interviewpartner und Gesprächspartner im allgemeinen sehr viel Eindruck macht, sind das Eigenschaften, die sicherlich einen guten Journalisten und auch einen erfolgreichen Menschen auszeichen. Marco, ich würd' dir nur raten, dass du auch selber lernst, Poker zu spielen. Bis jetzt weisst du ja nur, dass man mit zwei Karten spielt und es einen Flop gibt.
Endlich ist es soweit!
Am Montag geht das WSOP Main Event in die finale Phase. Alle Augen werden auf das Penn&Teller Theatre gerichtet sein, wo am Dienstag der Nachfolger von Pius Heinz gefunden wird. October Nine-Time!
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| Die WSOP October Nine greifen nach dem Bracelet |
Wir von Pokerstrategy.com sind für euch selbstverständlich am Start!
Es wird keinen Final-Table Live-Ticker geben wie im vergangenen Jahr mit Berichten über jede einzelne Hand, dafür aber einen Railthread, in welchem ich versuche, ein bisschen aus den Kulissen des weltgrössten Pokerevents zu berichten.
Natürlich probiere ich auch wieder einige Interviews aufzunehmen und vielleicht noch den ein oder anderen Blog zu veröffentlichen. Des weiteren gibt es eine News auf unserer Startseite, in der ihr ständig aktualisierte Chipcounts sowie Bustouts und alles weitere Wissenswerte erfahren könnt.
Ihr seht also, ihr verpasst hier nichts!
Und dann schallt es ja von allen Seiten: kein grosser Name am Final Table, die langweiligsten October Nine aller Zeiten!
Ich hab mir in den letzten Tagen, zur Einstimmung übrigens sehr zu empfehlen, nochmal die Episoden des Main Events reingezogen (Teil 1 und Teil 2). Und man muss nur genau hinsehen:
Da ist zum Beispiel Robert Salaburu, der bei jeder seiner Bets die Chips in Sekundenbruchteilen in die Mitte schmeisst und jeden Bustout an der Bubble hemmungslos feiert, als wäre ihm die Enttäuschung seiner Mitspieler völlig egal.
Dann ist da Greg Merson, der sein Leben nach seiner Heroinsucht schon fast als erfolglos abstempeln konnte und dann in diesem Sommer sowohl das 10k 6-max Event gewinnen konnte und jetzt auch noch zu den letzten neun Spielern zählt, die gut 8,5 Millionen Dollar zu ihrer Bankroll hinzufügen können. Merson ist ein weiterer Beleg dafür, dass es den mystischen “Lauf” im Turnierpoker auf irgendeine Art und Weise zu geben scheint. Dabei mussten nicht nur die Karten in seinem Sinne aufgedeckt werden, sondern auch andere Spots sich so entwickeln, dass immer am Ende Merson seinen Nutzen daraus ziehen konnte.
Zum Beispiel bei 10 Spielern left, October Nine Bubble. Russell Thomas und Greg Merson gehören zu den Chipleadern, Jacob Balsiger ist auch in aussichtsreicher Position dabei. Nun openraised Thomas mit AA in früher Position, Balsiger mit AK callt in UTG +1 und Merson findet mit QQ in mittlerer Position einen perfekten Spot zum squeezen. Unter dem Gesichtspunkt, dass dies oft als idealer Bluffsqueeze-Spot angesehen wird, könnte Merson wohl selten gegen eine 4-Bet von Russell Thomas weglegen und würde gegen Aces in den Showdown gehen und busten.
Wenn man allerdings runned wie vom Pokergott gesegnet, entscheidet sich ein aggressiv spielender Jesse Sylvia dazu eine 4-Bet mit T5-offsuit zu spielen. Was passiert? Thomas 5-bet-shippt mit AA all-In. Der Spot ist Face-Up und Balsiger wie auch Merson bekommen den Notausgang aufgezeigt und können beide ihre Monster folden.
Manchmal glaubt man wirklich, die October Niner bilden eine pure Essenz aus Glück und Goodrun, wie sie am Ende eines langen Events mit 6.500 Spielern naturgemäß übrig bleiben muss.
Ich freue mich, für euch vom Main Event zu berichten!
Bis bald!
Euer Tobi
