Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Tobis Blog: Wie man durch Zuhören besser wird!

Die erste PokerStrategy.com Heads-Up Championship ist vorbei. In seinem Blog berichtet unser Reporter Tobias Block über seine Erlebnisse beim Kommentieren und erzählt von seinen Erfahrungen mit Co-Kommentator Niklas Heinecker.

Hey Leute,

in den letzten Wochen gab es viel zu tun. Zuerst fand die PokerStrategy.com Heads-Up Championship statt. Einige von euch haben sicherlich mal bei den Livestreams eingeschaltet, die meisten von euch vermutlich beim Match zwischen Daniel Adminjungleman12 Cates und Arne AdminKTU Gewert. Ok, die großen Namen ziehen nunmal am besten (Basic-Marketingstrategie) und somit war auch klar, wer als Favorit in das Duell gehen sollte.

Die Live-Übertragung des Matches auf PokerStars habe ich an meinem Laptop in meinem Schlafzimmer gemacht. Ein paar Broadcasting- Programme installiert, Lizenzen gekauft, Headset angeschlossen, das ganze Setup bis in die Ewigkeit getestet und dann kurz vor Sendebeginn noch ein paar Dosen Cola-Light bereitgestellt. Als Perfektionist ist man ja nie zufrieden, so z.B. auch als immer noch die "Tournament Messages" an den Tischen aufpoppten, aber es konnte losgehen!

Prominent kommentiert

Als Co-Kommentator stand mir Niklas ragen Heinecker zur Seite (Dank an dieser Stelle nochmal!), der wie die meisten wahrscheinlich wissen, zu den besten Heads-Up Spielern der Welt gehört. Seine Charakterisierung würde vermutlich folgende Attribute enthalten: akribischer Arbeiter, Veteran, emotionale Balance, No risk, no fun! Achja und einer der grössten Gewinner 2012 auf PokerStars zu sein, ist auch kein schlechtes Attribut! 

Die Hände ratterten nur so durch. An drei Tischen gab es ständig Postflop-Entscheidungen und interessante Spots, die sich anboten für eine Analyse. Es war schwierig die richtige Balance zu finden. Einerseits kann man nicht einen interessanten Spot in 2-3 Sätzen seicht anschneiden und dann liegenlassen, insbesondere wenn man Niklas am anderen Ende hat, der sonst für tiefgehende Spielanalysen vierstellige Coachinghonorare verlangen würde. Ich musste immer abwägen, war aber im Handumdrehen der Co-Kommentator.

Ich spiele selber seit drei Jahren ausschließlich Heads-Up. Wie viele andere Pokerspieler unterliege ich auch oft der Einbildung, dass ich unfassbar gut bin. Klar, die kleine Stimme da hinten im Kopf erinnert einen ab und zu daran, dass es dort noch bessere Spieler geben wird. Aber noch schneller beruhigt man sich mit angenehmeren Gedanken wie: “Der Edge-Unterschied ist gar nicht mal so groß!”, “Auf deinen Limits gehörst du schon zu den besten Spielern!”, "Du bist ein Winning-Player!". Die meisten von euch können sich bestimmt daran erinnern, sowas mal gedacht zu haben. Während des Livestreams durfte ich aber wieder mal den Boden der Realität unter meinen Füßen fühlen und den großen Schritten von ragen folgen.

Grenzenlos überlegen

Der Skillunterschied zweier Spieler lässt sich ohne Zweifel an vielen Parametern ablesen: an den Stakes die er spielt, wie lange er dabei ist, an der Konstanz seiner Ergebnisse und natürlich an der Winrate. Es gibt aber noch einen anderen Indikator, der viel direkter greifbar ist, aber fast nur im persönlichen Gespräch zum Vorschein kommt. Es ist die spielerische Leichtigkeit Pokerkonzepte zu erklären. Das Bereithalten von Argumenten auf Abruf wie Munition,während das Gegenüber in seinen hintersten Hirnwindungen noch grad so seine letzten Erklärung zusammenbasteln kann.

Wenn du das Gefühl hast, dein Gegenüber lädt mühelos nach, du hast keine Chance die Diskussion intellektuell zu führen oder bist selber quasi am Limit, dann hat sich dein Gegenüber intensiver und besser mit Pokermaterie befasst als Du. In einem solchen Fall öffnen sich Horizonte und du siehst die unendlichen Verbesserungsmöglichkeiten, die du hast.
Ich hatte Grenzen, er nicht!
Mit welcher Leichtigkeit ihm die Verbalisierung seiner Gedanken von der Hand ging war beeindruckend! 

Am Ende gewann KTU gegen jungleman12, das Match verging wie im Flug.
Ich denke, dass in den 90 Minuten des Livestreams enorm viel Value lag. Für mich war es ein kostenloses Coaching und ein Mitschnitt liegt ja in der Videosektion noch immer zum Ansehen bereit. Nachdem die Aufzeichung vorbei war, ich die drei geleerten Cola-Light Dosen entsorgt hatte, setzte ich mich hin, machte den Pokerclient auf und spielte mit der grössten Motivation, die ich seit langer Zeit fühlte.

Ich würde mich riesig freuen, für euch in Zukunft wieder einige Matches kommentieren zu dürfen.
Vielen Dank nochmal für eure Unterstützung und eure netten Kommentare!

Ich hoffe wir sehen uns bald wieder und ich wünsche euch für das neue Jahr nur das Beste, vor allem an den Tischen!

Viele Grüße!

Euer Tobi!