Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Toughe Entscheidungen am Final Table vermeiden

Viele Spieler finden sich häufig in sehr schwierigen Spots in der späten Turnierphase wieder. Ein Großteil davon lässt sich aber vermeiden, wenn man Preflop-Lines mit weniger Varianz wählt...

Dara O Kearney
Dara O'Kearney 

Ein Coachingkollege hat mir vor Kurzem eine Hand gezeigt, bei der sich einer seiner Schüler in einen unnötig komplexen Spot begeben hat. Dazu kam es direkt zu Beginn eines Final Table, als Hero als Chipleader im Big Blind saß (80BB) und der Button (27BB) den Pot eröffnete. Besagter Schüler hielt AQs, ließ eine 3-Bet auf 8BB folgen und der Button schob seinen restlichen Stack in die Mitte.

Ein Call mit anschließendem Verlust des Pots hätte ihm noch in etwa den durchschnittlichen Stack beschert. Entsprechend war die Frage an meinen Kollegen, ob er in solch einer Situation callen oder folden sollte.

Man kann davon ausgehen, dass AQs in dem Spot ein Call ist, wenn allerdings auch ein sehr knapper. Das ICM diktiert, dass er mit einem Call nie übermäßig viel EV einstreichen wird, die Line 3-Bet/Fold mit solch einer starken Hand wäre allerdings ein komplettes Desaster. Die Hände, mit denen wir tatsächlich 3-Bet/Call spielen wollen, sind ziemlich überschaubar. Typischerweise beschränkt sich das lediglich auf QQ+ und AK, selbst gegen weite Openranges.

Nicht die falschen Fragen stellen

Dara O Kearney
Den Chiplead zu behalten ist äußerst wichtig und profitabel

Normalerweise würde man solch einen kniffligen Spot aber schlicht vermeiden, indem man entweder direkt reinstellt oder preflop lediglich callt. Schieben wir unseren Stack direkt in die Mitte, kann sich der Gegner den Kopf über eine toughe ICM-Entscheidung zerbrechen. Mit Händen wie AQs oder auch JJ fährt man aber für gewöhnlich ohnehin besser mit einem Flatcall bei derartiger Stackverteilung, da wir auf guten Flops sehr hohen ICM-Druck ausüben können, wenn wir als erstes an der Reihe sind.

Generell kann man sich merken, dass in solch einer Situation ein direkter Shove bei einem effektiven Stack von rund 25BB left die beste Wahl ist, während ein Flatcall angesagt ist, wenn der gegnerische Stack höher ausfällt.

Die wesentliche Schlussfolgerung ist allerdings, dass man es vorab schon vermeiden sollte, überhaupt in solch einen Spot zu kommen. Wie es häufig der Fall ist, stellt der gecoachte Spieler also die falsche Frage, wie ein Verurteilter vor der Hinrichtung, der sich zwischen Erhängen und Erschießen entscheiden soll. Viel eher sollte man sich fragen, wie man sich in einer Situation wiederfinden konnte, bei der man sich im Grunde zwischen zwei Übeln entscheiden muss.

Ein direkter Shove oder ein Flatcall sind hingegen die beiden Optionen mit niedriger Varianz, wenn man bedenkt, wie häufig der Gegner gegen einen Push von uns aufgeben muss und wie häufig wir auf schlechten Flops einfach den Hut nehmen können. Den Chiplead zu behalten, ist von großer Bedeutung, da wir damit jede Menge zukünftigen EV einplanen können. Entsprechend schwierig gestaltet sich die Entscheidung, ein gegnerisches All-in zu callen, dass uns diesen Chiplead kosten könnte. Von daher sollte man es gar nicht erst so weit kommen lassen.

Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys neuem Buch Endgame Poker Strategy: The ICM Book.