Wann sollte man in einem Multiway-Pot bluffen?
Barry Carter darf nochmal die Schulbank drücken, um von Dara O'Kearney und David Lappin zu lernen, auf welchen Straßen sich gute Bluffs in einer kniffeligen Three-Way-Situation anbieten.
Diese detaillierte Handanalyse stammt aus einem Video von unseren Kollegen Dara O'Kearney und David Lappin, die im Rahmen des Chip Race Podcasts ein Coaching mit unseres Redakteurs BarryCarter begleiten. Im Fokus stehen dabei Bluff-Spots in Multiway-Pots. Das vollständige Video dazu findet ihr weiter unten.

Nach dem Platzen der Bubble saßen wir in einem Turnier zu fünft am Tisch, als sich folgende Hand ereignete: Der Spieler aus UTG limpt genau wie der Button, der Small Blind foldet und ich checke mit 3 9. Der Flop zeigt 5 2 6 und wird durchgecheckt, woraufhin am Turn die T erscheint. An dieser Stelle stellt sich mir die große Frage, ob nun ein geeigneter Moment gekommen ist, mit meinem Gutshot plus Flushdraw zu bluffen. Oder hätte ich bereits am Flop mit meiner Backdoor-Equity bluffen sollen?
David Lappin: Ich wäre fast geneigt, am Flop eine Donkbet zu platzieren.
Dara O'Kearney: Tatsächlich wäre eine Donkbet am Flop denkbar, da wir im Gegensatz zu unseren Gegnern mit 43 eine Straight halten können. In der Praxis würde ich vermutlich checken, obwohl einiges für eine Donkbet spricht. Am Turn hätte ich mich allerdings mit Sicherheit für eine Donkbet entscheiden.
Gerade in Multiway-Pötten gerate ich in solchen Situationen häufig in Schwierigkeiten. Gegen nur einen Gegner spiele ich am Flop häufig Donkbets. Allerdings erwarte ich gegen mehrere Gegner, dass mindestens einer der Spieler eine Hand hält, mit der er callen kann.
Dara O'Kearney: Auch nach einem Call des Gegners gibt es viele Turn-Karten, die unsere Hand verbessern und uns Gelegenheit zum bluffen geben. Wenn wir die gegnerischen Ranges betrachten, stellen wir fest, dass es viele Hände gibt, mit denen sie zwar eine Bet callen können aber nicht zwei. Außerdem folden die Spieler in Multiway-Situationen bereitwilliger, da sie womöglich mehrere Gegner haben. In einer Heads-up-Situation wird kaum jemand ein Paar, ein Draw oder ein Ass folden. Nach einer Donkbet gegen zwei Gegner wird ein Spieler mit A9o sich vermutlich zweimal überlegen, ob er den Helden spielt.
Ich bezweifel, ob der Durchschnittsspieler auf meinen Limits diesen Spot so wahrnimmt. Hier wird äußerst ungern gefoldet.
Dara O'Kearney: Es ist wichtig, im Hinterkopf zu behalten, dass ein Großteil der Range, die eine Bet callen kann, keine zweite Bet callen kann. Selbst wenn der Gegner ein zweites Mal callt, können wir mit einer Vier oder einer Pik-Karte einen enormen Pot gewinnen. Wer viele Hände am Flop callt, muss auch viele Hände am Turn folden.
David Lappin: Die Geschichte muss glaubhaft erzählt werden. Immerhin würden wir mit Sets und Straights auch zweimal setzen. Um eine ausgewogene Range zu konstruieren, ist unsere Hand der ideale Kandidat für Bluffs, da sie das Potenzial hat, auf dem River Straights und Flushes zu treffen.
Dara O'Kearney: Eine ausgewogene Range sollte stets über mehrere Straßen erstreckt betrachtet werden. Diese Hand eignet sich hervorragend als Bluff, da sie sich zum einen in eine starke Hand verwandeln kann, zum anderen das Potenzial hat, viele bessere Hände zum Folden zu bringen. Zudem eignet sie sich auch am River als Bluff, da wir die Straight blocken.

Ich habe mich schließlich für einen kleinen Bluff entschieden, der vom Button gecallt wurde. Die 8 am River erschien mir ebenfalls als geeignete Karte für einen Bluff, da ich 79 blocke.
David Lappin: Wenn der Gegner tatsächlich eine Zehn hat, wird er sich wahrscheinlich schwer überzeugen lassen, die Hand noch abzulegen. Wenn wir hier bluffen, sollten wir vermutlich eine Overbet wählen. Der Backdoor-Flushdraw ist normalerweise keine gute Wahl für einen Bluff, denn genau diese Hand möchten wir beim Gegner sehen.
Dara O'Kearney: Meiner Meinung nach wäre eine kleine Bet auch eine Option, um Hände wie K Q zum Folden zu bringen. Ein Paar lässt sich vermutlich nur durch eine größere Bet vertreiben. Ich persönlich würde ich etwa 2/3 des Pots setzen, um sämtlichen hohen Karten den Showdown zu verwehren. Dafür spricht auch, dass wir die hohen Pik-Karten nicht blocken.

Ich habe mich nicht getraut, den River zu bluffen und musste mir A 7zeigen lassen - eine der wenigen Hände, die gefoldet hätten.
Wie hättet ihr diese Hand gespielt? Wir freuen uns auf eure Kommentare!