Warum ist das Verwehren von Equity so wichtig?
Dara O'Kearney erläutert, warum das "Betten für Protection" kein überholtes Konzept ist, insbesondere wenn die Stacks niedrig ausfallen oder es im Multiway-Pot zur Sache geht.

Vor einiger Zeit haben wir im Chip Race Podcast eine Hand mit Online-Turniercrusher Bryan Paris unter die Lupe genommen, die bestens veranschaulicht, warum man den Gegnern in bestimmten Situationen Equity verwehren sollte.
In besagter Hand hielten wir Q J im Big Blind in einem gelimpten Pot gegen den Small Blind mit effektiven Stacks von 20BB.
Am Turn brachte das Board T 5 2 Q zum Vorschein. Mit rund 10BB im Pot und etwa derselben Menge behind, riet der Solver dazu, in den überwiegenden Fällen in dem Spot All-in zu gehen.
Die Bet war für Value, aber auch um Equity zu verwehren. Das führte zu einem Austausch im Podcast über die Bedeutung des Verwehrens von Equity beim Poker, was im Kern bedeutet, dass man setzt, um jemand anderen daran zu hindern uns auszusucken (oder den Versuch zumindest teuer zu machen). Auf dem Board waren ein paar Gutshots, Flushdraws und ein Openended-Straightdraw mit 43 möglich, zusätzlich zu einer Reihe von Händen, die ein besseres Paar, ein Two Pair oder ein Set erwischt haben könnten.
Equity verwehren, wenn die Stacks niedrig sind oder multiway gespielt wird

Das Verwehren von Equity wurde früher als Protection Bet bezeichnet, kam jedoch aus der Mode, weil diese Form der Bet irrigerweise zu häufig vor allem online gesetzt wurde. Spieler schützten die eigenen Hände teilweise derart hart, dass sie fast nie tatsächlichen Value mit ihnen bekommen konnten.
Dennoch ist es wichtig, in passenden Situationen Equity zu verwehren, insbesondere wenn die Stacks derart niedrig ausfallen wie im Beispiel. Wenn wir 80% Equity haben, bedeutet das im Umkehrschluss auch, dass uns Villain in 20% der Fälle schlagen wird. Wenn wir also shoven und ihn zum Folden bringen, können wir 100% des Pots sofort gewinnen, statt 80% zu einem späteren Zeitpunkt, auch wenn der Pot dann etwas größer ausfallen könnte.
Entsprechend wichtig wird das Konzept auch bei niedrigen Stackhöhen, da das Geld in der Tischmitte dann schon einen erheblichen Teil des eigenen Stacks ausmachen wird. Einen Pot von 10BB zu gewinnen, wenn man nur noch 10BB im eigenen Stack hat, ist ein äußerst gutes Ergebnis in jeder Situation.
Ähnliches gilt für Multiway-Pötte. Es gibt viele Spots, bei denen man es mit zwei oder drei Gegner mit jeweils niedriger Equity zu tun hat, zusammengenommen beläuft sich die Equity der Gegner aber auf vielleicht 40%. Keiner der Gegner wird allein eine Hand halten, die stark genug für einen Call ist. Gewährt man ihnen jedoch eine Freecard, ist das angesichts der Gesamtequity gegen uns eigentlich ein Desaster.
Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys neuem Buch Endgame Poker Strategy: The ICM Book.