Was gehört in die Notes zu den Gegnern am Tisch?
Dara O'Kearney erläutert, worauf er achtet und was genau er festhält, wenn er beim Poker Notes zu seinen Gegnern und deren Spielweise anfertigt.

Es gibt zwei Dinge, auf die ich achte, wenn ich mir online oder auch in Gedanken Notizenzu Spielern mache: Showdowns und Frequenzen.
Wenn ich eine Hand beobachte, an der ich nicht beteiligt bin, spiele ich den Spot im Geiste noch einmal durch und überlege, wie er hätte gespielt werden sollen, wenn es zum Showdown kommt. Wann immer die Spieler etwas falsches oder unorthodoxes machen, notiere ich es. Ich suche in der Regel aber nach wirklich eklatanten Fehlern.
Als Beispiel: Der Spieler im Highjack callt ein UTG-Openraise. Der Flop ist 9♦ Q♥ 2♠ und Under the Gun entscheidet sich für eine Continuation Bet, die vom Akteur in Position gecallt wird. Der Turn bringt 3♠ und es geht Check/Check. Nach der T♣ am River geht es erneut Check/Check. In diesem Beispiel geht der HJ mit T♠ 8♠ in den Showdown.
Dann spiele ich die Hand in Gedanken noch einmal nach und überlege, wie sie hätte gespielt werden sollen. Ich kann hier vier offensichtliche Leaks des Spielers in Position ausmachen. Erstens hat er mit einer schwachen Hand am HJ zu weit gecallt, er ist preflop zu loose. Zweitens: Er callt mit einem Gutshot am Turn, er ist also ein Gambler. Drittens wurde eine gute Gelegenheit für einen Semi-Bluff verpasst, als der Gegner am Turn mit einem Flush Draw und einem Gutshot Schwäche zeigte und gecheckt hat – Bluffs am River sind hier unwahrscheinlich. Und viertens bot sich die Chance für eine dünne Value Bet am River.
Anhand einer Hand habe ich festgestellt, dass dieser Spieler loose und passiv ist. Wenn er setzt, hat er wahrscheinlich eine sehr gute Hand und blufft selten.
Anhand von Frequenzen lassen sich leicht Rückschlüsse ziehen

Wie man sieht, sind die Hände, die bis zum Showdown gehen, von unschätzbarem Wert, wenn es darum geht, sich Notizen über einen Spieler zu machen. Es kann sein, dass eine Hand perfekt gespielt wurde, wenn man die Karten am Ende nicht sehen kann. Aber man kann die Hände, die in den Showdown gingen, gut einschätzen. Online hat man auch den Luxus, die Hand-Historie anzuschauen, um die Hand nochmals durchzugehen.
Auch Frequenzen sind wichtig, das heißt, wie oft Hände von bestimmten Positionen aus gespielt werden und vor allem, ob geraist, gecallt oder gefoldet wird.
Online lässt sich das sehr leicht feststellen, wenn man ein Heads-up-Display (HUD) benutzt. Beim Live-Poker wird man jedoch nur selten eine so große Sample-Size haben, um über zuverlässige Statistiken über einen Gegner zu verfügen. Das heißt aber nicht, dass man die Informationen, über die man gesammelt hat, ignorieren sollte.
Wenn ein Spieler seine ersten zehn Hände raist, kann man davon ausgehen, dass er nicht allzu tight spielt. Sollte hingegen ein Akteur drei Runden lang keine Hand gespielt haben, ist es gut möglich, dass er eine Nit ist. Im ersten Beispiel könnte es natürlich sein, dass der Spieler zehn Mal in Folge starke Hände hatte, aber das ist sehr unwahrscheinlich. Aber bis man mehr Daten gesammelt hat, ist es sinnvoll, diese Informationen zu nutzen.
GTO Poker Simplified - das neue Buch von Dara O´Kearney