Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Wie ICM-Druck den Weg für Leads ebnet

Dank der neuen Postflop-Funktion von GTO Wizard verstehen wir nun, warum man als Chipleader unter ICM-Druck deutlich häufiger zu Donkbets greifen sollte.





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In meiner Artikelreihe "Selbstversuch" versuche ich, knifflige Spots eigenständig zu lösen und im Anschluss einen Solver zurate zu ziehen, um den tatsächlich korrekten Lösungsweg zu finden – zumindest wenn es um das spieltheoretische Optimum geht.

Diese Woche möchte ich mithilfe der neuen Postflop-ICM-Funktion von GTO Wizard herausfinden, in welchen Situationen Donkbets an Bedeutung gewinnen.

Spoiler: Es gibt viele ICM-Spots, bei denen der Big Blind leaden sollte, obwohl dieser Spielzug bei Chip-EV-Szenarien keine valide Option ist. Betrachten wir dazu ein Beispiel. 

UTG eröffnet und tritt mit effektiven Stacks von 30BB auf einem J♥9♦8♦-Flop gegen den Big Blind an. 

Die Chip-EV-Strategie sieht für den Big Blind vor, seine gesamte Range zu checken:

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Nach dem Check des Big Blinds setzt UTG zu 100% eine C-Bet:

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UTG verfügt auf diesem Flop über einen erheblichen Range- und Nuts-Vorteil, da seine Range ganz hervorragend mit diesem Board interagiert.

Im Anschluss untersuchen wir, wie sich die Situation verändert, wenn wir uns am Final Table befinden und nur noch sechs Spieler übrig sind. Die effektiven Stacks bleiben bei 30BB, aber der Big Blind hat nun 60BB und covert UTG damit problemlos. 

In diesem Szenario agiert der Big Blind wie folgt:

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Trotz des Equity-Nachteils kann der Big Blind hier in 9% der Fälle mit einem Lead die Initiative ergreifen und nutzt dafür eine Mischung aus starken Händen und Draws. Diese Vorgehensweise erklärt sich dadurch, dass der UTG-Spieler in diesem Szenario deutlich defensiver agiert:

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Anstatt wie zuvor mit seiner gesamten Range zu setzen, reduziert UTG seine Bet-Frequenz drastisch, da auch der Big Blind durchaus starke Hände halten kann. Das Hauptziel von UTG besteht darin, Konfrontationen zu vermeiden, die ein Turnieraus bedeuten könnten. Der Big Blind nutzt diese Gelegenheit, um selbst die Initiative zu übernehmen und gleichzeitig Checkbacks zu vermeiden.

Der UTG-Spieler reagiert auf den Lead daraufhin wie folgt:

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Bemerkenswert ist, dass UTG auf diese Leads nicht mit Raises, sondern überwiegend mit Calls reagiert – das Ziel des Leads ist es also, Value zu extrahieren und nicht, den Gegner zum Folden zu bringen. Durch die ICM-Dynamik kann UTG nur noch halb so oft C-betten wie zuvor, was dem Big Blind ermöglicht, die Initiative zu ergreifen.

Meine Analysen verschiedener Szenarien zeigen, dass Leads vor allem dann an Bedeutung gewinnen, wenn der in Position spielende Gegner ohnehin häufig checken würde. In diesem Fall führt der ICM-Druck dazu, dass UTG seine Aggression drosseln muss.

Darüber hinaus kann ich aus eigener Erfahrung bestätigen, dass man als Chipleader in Low-Stakes-Partien besonders häufig Folds erzielt, sobald ICM eine Rolle spielt – ein weiterer Grund, diesen Spielzug in sein Repertoire aufzunehmen.

    Wie und an welchen Themen arbeitet ihr abseits der Pokertische? Wir freuen uns auf eure Kommentare!