Wie agieren als schlechtester Spieler am Tisch?
Für einen Großteil von euch vermutlich genau der passende Artikel! Was tun, wenn man in der ersten halben Stunde den Fisch am Tisch nicht ausfindig machen kann...

Das Verfassen von Poker Satellite Strategy hat unweigerlich auch dazu geführt, dass ich den einen oder anderen Ratschlag für Spieler auf Lager habe, die sich für Turniere qualifizieren, bei denen sie eindeutig als Underdog unterwegs sind. Und auch wenn wir es ungern zugeben, jeder von uns hatte schon einmal das Gefühl, der Fisch am Tisch zu sein.
Im Jahr 2015 habe ich das WSOPE €2.200 Six-Max-Event gespielt und in mir kam die leise Befürchtung auf, der schwächste Spieler am Tisch zu sein. Das Teilnehmerfeld bestand von Beginn an aus Turnierlegenden wie Stephen Chidwick und Marvin Rettenmaier.
Zum Glück gelang es mir, mich an meine eigenen Ratschläge zu halten, die ich Amateuren mit auf den Weg gebe, wenn sie sich für große Events qualifizieren – tightes Spiel, große Pötte aufbauen und keine Scheu vor Varianz.
Viele kleine Pötte vermeiden

Schon aus den Bauch heraus erscheint tighteres Spiel sinnvoll, denn es wird schwierig auszuscheiden, wenn man meistens foldet oder mit einem Monster aufwartet. Sehr tightes Spiel drosselt natürlich den Erwartungswert - die Sharks werden einem sicherlich keinen Big Blind kampflos überlassen.
Doch das Opfer ist gering im Vergleich zu dem Risiko ausgenommen zu werden, wenn man Out of Position mit marginalen Händen gegen überlegene Gegner antritt. Man sollte möglichst Hände spielen, mit denen es nach dem Flop schwierig wird, grobe Fehler zu verzapfen, wenn man solide getroffen hat.
Der zweite Tipp besteht darin, die Pötte aufzublasen und nicht vor Varianz zurückzuschrecken - was vielen auf den ersten Blick unintuitiv erscheinen mag. Bloß keine Furcht auszuscheiden, indem man um große Pötte spielt!
Mit Smallball-Poker schneidet man sich ins eigene Fleisch

Größere Pötte führen zu einer geringeren Stack to Pot Ratio (SPR), was es überlegenen Gegnern erschwert, einen auszuspielen. Mit einem Top Pair bei niedrigem SPR sollte kaum ein gegnerischer Move dafür sorgen können, dass man noch aus dem Pot vertrieben wird. Auch starke Draws eigenen sich hervorragend, seinen Stack in die Mitte zu schieben, so werden die Kontrahenten kaum Wege für Exploits finden.
Es gilt unbedingt, viele kleine Pötte gegen überlegene Spieler zu vermeiden. Anderenfalls haben die Gegner leichtes Spiel und werden einen vor schwierige Entscheidungen auf Flop, Turn und River stellen. Ein gerissener Spieler wird von seinem gesamten Arsenal gebrauch machen und Floats, Check/Raises und Overbets abfeuern.
In dem besagten WSOPE-Event bin ich übrigens achter geworden und konnte €8.790 mit nach Hause nehmen. Mein Rezept hat sich bewährt, weniger Hände zu spielen, diese aber dafür aggressiv. Indem ich bewies, dass ich nicht vor Varianz zurückschrecke, konnte ich auch überlegene Gegner im Zaum halten.
Weitere hilfreiche Einblicke dieser Art findet ihr auch zuhauf in Dara O'Kearneys Buch Poker Satellite Strategy.