Wie merkt man sich eine Range beim Poker?
Starthände-Charts sind die Stützräder für alle Einsteiger, sie sollten jedoch zügig abgelegt werden. Wir erläutern, wie man sich am besten eine Range ohne jegliche visuelle Hilfe merken kann.

Jeder, der zum ersten Mal mit Poker in Berührung kommt und seine ersten Schritte macht, wird mit den bekannten Charts für Starthände konfrontiert, mit denen man versucht, eine fixierte Taktik für dynamische Situationen am Tisch vorzugeben, damit ein Einsteiger bei der Auswahl seiner Hände zu Beginn nicht maßlos überfordert ist und eine gewisse Sicherheit bekommt.
Für den Großteil der Spieler ist das ein adäquater Einstieg in die Welt der Ranges, trotz dessen ist es aber für die Entwicklung des eigenen Spiels deutlich besser, wenn man sich die Struktur der eigenen Handauswahl ohne visuelle Hilfe verinnerlicht. Die Entscheidungsfindung am Tisch verläuft eingängiger, man ist deutlich besser aufgestellt für Live-Pokerrunden und man entwickelt früher ein besseres Verständnis für die wesentlichen spieltheoretischen Überlegungen, die beim Poker ab höheren Limits entscheidende Bedeutung entfalten.
In den Pokerforen gehört die Frage, wie man sich am besten eine Range merken kann, zum alltäglichen Standard. Nicht wenige Spieler haben genau in diesem Bereich große Schwierigkeiten. Mir selbst ging das genauso. Die zwei Bücher, die ich zuletzt mit Dara O'Kearney verfasst habe, haben mir jedoch aus der Vogelperspektive aufgezeigt, wie ein Profispieler Ranges gedanklich verinnerlicht. Das hat mir bei meinem eigenen Spiel enorm weitergeholfen, daher will ich heute ein paar Tipps präsentieren, wie man sich Ranges noch besser in Erinnerung rufen und merken kann.
Die Gestalt einer Range

Zunächst einmal wird vieles bereits leichter, wenn man sich Handarten und nicht individuelle Hände als Teil einer Range bewusst macht. Ax für alle Hände mit einem Ass, Broadways für Hände wie JT-KQ, Paare, Suited Connectors usw. Im Anschluss gilt es, für jede Handart die schlechteste für die jeweilige Range zu bestimmen. Wenn also A9o und A3s die niedrigsten Ax-Hände sind, die Teil einer Range sein sollen, muss man sich auch nur diese merken und nicht etwa jede einzelne Ax-Kombo. Man weiß automatisch, dass AJo und A8s ebenfalls dazugehören, sobald die Range relevant wird. Es gibt zwar ein paar Spots, in denen A6o nicht ein Teil einer Range sein könnte, während es für A5o wiederum der Falls ist (als Blocker und wegen der Chance eine Straight zu treffen), abgesehen von wenigen Ausnahmen funktioniert die Methode jedoch wunderbar.
Ein weiterer Weg, um in Ranges zu denken, ohne sich jede einzelne Hand darin zu merken, ist sich die Gestalt einer Range in der Handmatrix bewusst zu machen. Die meisten Ranges sind linear, das heißt, sie starten mit AA und werden nach und nach schwächer. Einige Ranges sind jedoch capped (die Top-Hände fehlen, weil sie zuvor aggressiver gespielt worden wären), manch andere wiederum polarisiert (es liegen hauptsächlich sehr starke und sehr schwache Hände vor und wenig dazwischen). Auch das ICM sorgt für eine andere Gestaltung von Ranges und gewichtet die Auswahl an Händen mehr in Richtung Suited Highcards, während Offsuit Broadways, kleine Paare und kleine Suited Connector in der späten Turnierphase seltener vorkommen. Wenn man sich nun die Gestalt solcher Ranges in der bekannten Handmatrix bewusst macht, ist es auch einfacher, sich direkt am Tisch die entsprechenden Hände in Erinnerung zu rufen.
Das Warum hinter einer Range verstehen

Hat man eine Range mithilfe eines Solvers zusammengestellt, wäre es ein großer Fehler, der "Lösung" einfach blind zu folgen. Es gilt vielmehr sich zu fragen, warum genau die Range in dieser Form vom Tool empfohlen wird. Mehr über das Warum hinter einer Range zu lernen, sorgt letztlich für ein deutlich besseres Spielverständnis. Es gibt nur wenige Aspekte, die einem am Pokertisch noch weiter voranbringen als ein ausgeprägtes Verständnis für Rangegestaltung. Wenn eine Range also zwischen Open Bets und Shoves gesplittet sein soll, gilt es herauszufinden, warum genau der Solver eine solche Trennung bei der entsprechenden Handauswahl empfohlen hat.
Ein Aspekt, der ebenfalls sehr viel wert sein wird, ist das Verinnerlichen der empfohlenen gegnerischen Callingranges gegen die eigene Openingrange. Es kann zum Beispiel ICM-Spots geben, in denen man in Late Position eine sehr weite Range shoven kann, weil der Gegner nur mit einer sehr tighten Range callen sollte. Wenn man weiß, wie der Gegner reagieren sollte, fällt es auch deutlich leichter einen Instinkt für die eigene Bettingrange zu entwickeln.
Zu guter Letzt noch ein simpler Tipp für das eigene Gedächtnis: Es ist verständlich, dass manch einer denkt, der Weg zum Verinnerlichen einer Range bestünde daraus, dass man regelmäßig einen Blick darauf wirft und sie gedanklich immer und immer wieder wiederholt. Im Gedächtnis setzen sich Dinge aber deutlich eher fest, wenn man sie direkt zur Anwendung bringt und testet. Statt also einen Spot durch den Solver zu jagen, sich das Ergebnis auszudrucken und jeden Morgen durchzulesen, kann man stattdessen direkt bei der Analyse des Spots notieren, welche Range man als Empfehlung erwarten würde und das dann mit dem tatsächlichen Ergebnis vergleichen. Liegt eine Diskrepanz vor, macht man sie sich automatisch bewusster als beim reinen Merken einer vorgegebenen Range und hat so bessere Aussichten, dass man sich an die jeweils empfohlene Handauswahl beim nächsten vergleichbaren Spot erinnern wird.
Wie merkt ihr euch am besten eine Range? Wir freuen uns auf eure Tipps!