Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Wie spielen, wenn der Big Blind All-in gesetzt wird?

Spielen wir tighter, wenn der Big Blind weniger als einen BB übrig hat, da ein Bluff nicht funktionieren wird? Oder doch weiter als üblich für etwas Value gegen eine 100%-Range?

Letzte Woche ist mir ein sehr häufig auftretender Spot in einem MTT begegnet, dem ich bislang nie nähere Betrachtung geschenkt habe. Welche strategischen Anpassungen sind nötig, wenn der Big Blind über weniger als einen BB verfügt?

Folgende Hand gab mir Anlass, diesen Spot näher zu untersuchen. Der Big Blind besitzt hier weniger als ein Fünftel eines Blinds. Offensichtlich besteht keine Foldequity, was mich zu der Frage führte, welche Openraise-Range hier angemessen ist.

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Hierzu führte ich eine Simulation des Spots mit der Analysesoftware Holdem Resources Calculator durch. Zu Beginn wies ich dem Big Blind einen Stack von 10BBs zu und verglich die Shoving-Ranges der verschiedenen Positionen am Tisch. Wie verändert sich diese Raising-Range wenn der Big Blind statt 10BBs über 2BBs, 1BB oder 0,2BBs verfügt?

Folgende Grafik zeigt die Shoving-Ranges für jede Position am Tisch:

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Da hier alle Spieler über ähnliche große Stacks verfügen, sind die Ranges primär von der Position abhängig. Ich agierte vom HJ, was mir erlaube, mit einer recht weiten Range zu eröffnen.

Im nächsten Schritt wies ich dem Big Blind einen Stack von 2BBs zu, wodurch dieser praktisch gezwungen wird zu callen, obwohl er theoretisch folden könnte:

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Es fällt auf, dass die Ranges für alle Positionen tighter ausfallen, mit Ausnahme des Small Blinds, der zu 100% All-in spielt. Der Small Blind hat hier keine Gegenwehr eines Spielers hinter ihm zu befürchten und erhält günstige Pot Odds. Die Spieler aller anderen Positionen erhalten keine Foldequity auf den Big Blind, setzten sich aber dem Risiko aus, dass jemand hinter ihnen mit einem Monster aufwacht. Verfügt der Big Blind also über 2BBs statt 10BBs, gibt der Simulator für alle Positionen mit Ausnahme des Small Blinds, tightere Ranges aus. 

Weisen wir nun dem Big Blind eine Stacksize von 1BB zu, wodurch er zum All-in gezwungen wird:

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Die Ranges aller Positionen bis auf den Small Blind fallen hier noch tighter aus als im vorherigen Beispiel. 

In dem konkreten Spot, der mir in einem Turnier begegnete, verfügte der Big Blind über 0,2BBs. Hierzu errechnete die Analysesoftware folgende Ranges:

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Es werden zwar immer noch recht tighte Ranges empfohlen, allerdings spielen einige Positionen eine etwas weitere Range als im vorherigen Beispiel. Der Button spielt in diesem Spot 45,6% seiner Hände, verglichen mit der 39,9% Range im vorherigen Spot fällt die Range hier also etwas weiter aus. Dasselbe gilt für den CO, der hier 29,4% statt 27,5% der Hände spielt. 

Meine Erklärung hierzu lautet wie folgt. Da der Big Blind hier vernachlässigbar klein ist, wird der Small Blind zu unserem eigentlichen Gegner, denn die 0,5BBs des Small Blinds stellen einen mehr als doppelt so großen Anreiz dar, wie die 0,2BBs des Big Blinds. Wir betrachten den Big Blind also als Dead Money, sodass der Small Blind zu unserem eigentlichen Ziel wird. 

Zusammenfassend empfiehlt sich in dieser Situation ein etwas tighteres Spiel, da keine Foldequity mehr durch Bluffs zu erzielen ist. 

Wie geht ihr mit diesem Spot um? Wir freuen uns über eure Kommentare!