Wie trainiert man Poker?
KTU teilt seine Gedanken zum Thema "Effektives Pokertraining" und erklärt, warum die neue Snowie-KI ein sinnvolles Hilfsmittel sein kann.
Profis haben die richtigen Ideen

Training ist beim Poker traditionell ein schwieriges Thema. In der Regel habt ihr 30 bis 60 Sekunden Zeit, um eine Entscheidung zu treffen. Darum ist es wichtig schnell die richtige Idee zu haben. Profis denken nicht viel schneller als Amateure, sie verstehen nur intuitiv besser, was wichtig ist. So kann es aussehen, wenn man in derselben Situation in den Kopf eines guten und eines unerfahrenen Spielers hineinschaut:
Profi: "Ach! So eine Nit, die am Flop viel zu viel foldet, sich am Turn aber nicht mehr vom Showdown-Value trennt, weil er Angst hat geblufft zu werden. Plan: 100% C-Bet am Flop mit ½-Pot. Turn dann viel aufgeben und starke Valuehände leicht overbetten."
Amateur: "Oh, ein Flop mit einer Dame als höchste Karte. Problem: Meine Range enthält anteilig zu wenige Damen. Darum ist eine hohe C-Bet-Frequenz sehr anfällig für zu viele Checkraises. Ich werde nur gute Draws semi-bluffen und checke viel."
Das Training muss also darauf ausgerichtet sein, dass ihr am Tisch schnell die passenden Muster in der Grosshirnrinde findet und dann nur noch kurz mit dem Kleinhirn überprüfen müsst.
Effizientes Training durch Wiederholung und Feedback

In einer perfekten Welt spielt ihr 500 Hände gegen einen Weltklasse-Gegner zu einem spezifischen Thema wie "Call 3-Bets OOP" und habt dabei sehr viel Bedenkzeit, um ein paar Szenarien in Ruhe analysieren zu können. Anschließend diskutiert ihr die kniffligen Hände und allgemeinen Strategien mit eurem Gegner und wiederholt das Training, um zu sehen, ob sich die Qualität eurer Entscheidungen verbessert hat. So wäre eine effektive Verbindung von Theorie und Praxis gegeben.
In der nicht perfekten Welt stößt man dabei allerdings auf Probleme. Beim Spielen kosten euch die Fehler gegen gute Gegner Geld. Fehler entstehen, wenn grundsätzliche Mängel bei eurem Spielverständnis vorliegen, wenn ihr etwas Neues ausprobiert, das ihr noch nicht gut genug beherrscht, oder wenn ihr schlicht nicht genug Zeit habt einen neuen Gameplan am Tisch wirklich zu durchdenken.
Für das bezahlte Lehrgeld bekommt ihr lediglich eure Handverläufe, die ihr später analysieren könnt. Natürlich trainieren die meisten Spieler so seit 2002, aber wirklich ideal ist es nicht. Um den Trainingseffekt beim Spielen zu verbessern, markiert euch fleißig Hände, bei denen ihr unsicher wart oder in denen euer Gegner euch überrascht hat. Später könnt ihr dann in Ruhe überprüfen, ob seine Line auch für euer eigenes Spiel interessant ist und wie man dagegen am besten vorgehen kann.
Beim "Theorie machen" verzettelt man sich schnell, verliert die Lust oder erzielt keine Ergebnisse, die sich in der Praxis anwenden lassen. Grundsätzlich ist Theorie pauken aber trotzdem eine erprobte Methode, um gute Ideen von schlechten Ideen zu unterscheiden und so die Intuition zu trainieren.
Achtet darauf, dass ihr stets eine konkrete Strategie vor euch habt, um daraus Arbeitsergebnisse abzuleiten. Wollt ihr zum Beispiel eure UTG-Strategie gegen 3-Bets aus MP auf Herz und Nieren überprüfen, dann klickt sofort den Status quo zusammen: Öffnet das Equilab und trefft für jede Hand in eurer Range direkt die Entscheidung, die ihr auch an den Tischen treffen würdet. Anschließend könnt ihr mit dieser Strategie herumspielen und euch überlegen, wie euch eure Gegner exploiten könnten, gegen welche Gegner eure Strategie eigentlich optimal ist und gegen welche ihr sie verändern solltet.
Neue Gameplans in Ruhe mit PokerSnowie erarbeiten

Snowie ist ein spielstarker Gegner, der euch regelmäßig vor Probleme stellt und interessante Lines wählt. Im Gegensatz zu euren echten Gegner kostet euch das Training aber kein zusätzliches Geld und ihr könnt in bestimmten Situationen innehalten und z. B. am River einmal genau überlegen, welche Hände mit Showdownvalue ihr überhaupt noch in eurer Range habt.
Ebenso weist euch Snowie auf grobe Schnitzer in euren Plays hin und liefert euch damit eine perfekte Gelegenheit zu überprüfen, was genau ihr eigentlich bei euren Gegnern voraussetzt, damit diese Schnitzer tatsächlich ein profitabler Spielzug in der Praxis sind. Oft werdet ihr feststellen, dass ihr euch in diesen Situationen das Leben zu einfach macht. "Naja, aber auf NL100 blufft da eben keiner so am Turn" sind häufig Gedanken, die zwar zu einer "Feel-Good-Entscheidung" führen, aber die ihr nicht wirklich belegen könnt.
Besonders effizient ist das Training mit PokerSnowie, wenn ihr euch vor einer Trainingssession überlegt auf welche Situationen ihr den Fokus legen wollt. Vielleicht wollt ihr mal das Minraise aus UTG mit einer 22%-Range ausprobieren oder vermehrt 3-Bets OOP mitgehen, um mit Donkbets am Flop die Initiative übernehmen? Sowas würde euch am Tisch Geld kosten und ihr hättet kaum Zeit in ungewohnter Situation eure Spielzüge zu durchdenken. Aber bitte nicht erschrecken: Snowie nimmt bei seinem Feedback kein Blatt vor den Mund und wird erstmal nicht besonders glücklich mit eurer Leistung sein.
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Die Bedeutung der neuen ¼-Potbets von Snowie
Vor Kurzem wurde die KI von PokerSnowie aktualisiert, sodass Snowie neben Potsize- und ½-Potsize-Bets nun auch Einsätze in Höhe von ¼ des Pots beherrscht. Die neue Betsize ist besonders wichtig, da kleine Betsizes sehr viele Funktionen erfüllen können:
- Spielt ihr eine kleine Betsize, zwingt ihr euren Gegner oft seine starken Hände von schwachen Händen zu trennen. Angenommen ihr habt ein Openraise mit 55 im Big Blind gecallt und euer Gegner setzt auf 5QJ nur ¼-Potsize. Ihr würdet vermutlich mit den Fünfern checkraisen und mit schwächeren Händen dankbar nur callen. Diese Information kann euer Gegner geschickt nutzen.
- Maximiert den EV eurer Bluffs auf trockenen Boardtexturen mit einer kleinen Betsize. Es gibt Hände, die haben den Flop so weit verfehlt, dass sie eigentlich mit jeder Betsize überfordert sind. 89 auf AK3 zum Beispiel. Die Hand ist gegen eine normale Contibet in Höhe von â…”-Pot genauso hilflos wie gegen eine ¼-Potbet.
- Verwirrt euren Gegner! Auch 2016/17 sind die kleinen Bets bei vielen Gegnern nicht in den Gameplan integriert. Entsprechend sind sie darauf auch nicht trainiert und fangen an Fehler zu machen.
Spielt also mit Snowie und schaut genau in welchen Situationen die kleine Betsize zum Einsatz kommt und welche Probleme ihr dadurch habt. Später könnt ihr dann direkt die kleine Betsize gegen Snowie selbst ausprobieren und bekommt sofort Feedback, ob ihr die zugrundeliegenden Konzepte auch wirklich verstanden habt.
