Wie vermeidet man ein Burnout als Pokerspieler
Eine Laufbahn beim Poker ist gerade im Downswing mit großer mentaler Belastung verbunden. Jared Tendler erläutert, wie ihr den eigenen Akku geladen bekommt.

Burnout kann man sich wie eine Verbrennung der Haut vorstellen: Es gibt verschiedene Schweregrade und je schlimmer es ist, desto länger dauert es, bis man sich erholt. Manchmal besteht die Kunst auch darin, das Burnout einfach noch ein wenig hinauszuzögern.
Wenn man als Pokerspieler an einem Turnier teilnimmt, wollen Sie das Burnout oder besser gesagt, die Erschöpfung erst am Ende des Turniers spüren, nicht während das Turnier in vollem Gange ist. Wenn man wirklich ausgebrannt ist, benötigt man mehr Zeit, um sich zu erholen. Und das ist für viele eine schwer zu schluckende Pille.
Der Job als Trader oder Pokerspieler ähnelt deutlich mehr dem eines Profisportlers oder -künstlers, als einem normalen Angestellten, der von 9 bis 17 Uhr arbeitet. Warum ist das so? Weil man auf der Grundlage seiner Leistung bezahlt wird. Nur aufzutauchen und anwesend zu sein, ist nicht gut genug. Man muss in einer guten mentalen Verfassung erscheinen, sonst kostet es Geld, und zwar buchstäblich sein eigenes.
Die Unternehmenswelt wäre eine komplett andere, wenn die Mitarbeiter täglich nach ihrer Leistung bezahlt würden. Die psychischen Anforderungen wären deutlich höher und Burnout wäre ein noch größeres Problem, als es ohnehin schon ist. Womit wir wieder bei Pokerspielern oder Tradern wären. Da vielen das Verständnis für die mentalen Anforderungen des Tradens und des Pokerspiels fehlt, ist Burnout ein häufiges und oft verstecktes Problem.
Ein genauerer Blick lohnt sich...
Eingerostet fühlen

Bei einem leichten Burnout sollte man direkt Maßnahmen ergreifen, um wieder auf Kurs zu kommen. Bei einem leichten Burnout fühlt man sich nur ein wenig mürbe oder einfach nicht besonders gut. Als Pokerspieler fällt es einem möglicherweise schwerer, an seinem Spiel zu arbeiten oder sich über die komplette Session hinweg zu konzentrieren.
Je schneller man erkennt, dass man sich ausgebrannt fühlt, desto früher kann man durch Anpassungen dem Burnout vorbeugen. Dazu muss man aber die Vorzeichen kennen. Leider ist der beste Zeitpunkt, um diese zu erforschen und die wichtigsten Faktoren zu identifizieren, erst nach dem Auftreten von Burnout. Aber man kann natürlich auch an frühere Fälle zurückdenken und sein Bestes tun, um dieses Problem wie jedes andere zu erkennen und zu behandeln. Hier hilft es, sich Notizen über Anzeichen oder den Verlauf zu machen, um beim nächsten Mal den Burnout schneller zu erkennen und dadurch ein Ausbrechen zu verhindern.
Bei einem leichten Burnout können einige einfache Maßnahmen helfen, um sich zu erholen, wie Cool-Down-Sessions, Ernährung, Sport und ausreichend Schlaf. Weiterhin empfehle ich, gesellig zu sein, seinen Hobbys nachzugehen, zu lesen, sich zu amüsieren – einfach Dinge, die einem Spaß machen und geistig nicht zu anstrengend sind. Wenn man diese Maßnahmen ergreift, kann man nicht nur den Beginn eines Burnouts hinauszögern, sondern ihn möglicherweise ganz verhindern. Man bleibt an seiner Belastungsgrenze, ohne sie aber zu überschreiten.
Komplett im Eimer

Am anderen Ende des Spektrums steht das schwere Burnout, bei dem man kaum noch denken kann. Es fällt einem schwer, Energie für alltägliche Dinge aufzubringen oder gar zu pokern. Allein der Gedanke daran belastet einen schwer. Es ist ein krasser Gegensatz zu dem, wie man sich normalerweise fühlt.
Um einen schweren Burnout zu verhindern, muss man die Vorzeichen dafür frühzeitig erkennen. Diese können emotionaler Natur sein, wie zum Beispiel am Pokertisch zu tilten oder zu gierig zu sein. Auch die Disziplin könnte darunter leiden: Sich an sein Bankroll-Management zu halten oder Hände zu spielen, die man nicht sollte.
Burnout verschärft auch Ihre mentalen Probleme und schränkt die Möglichkeiten ein, diese zu beheben, auch wenn man die Ursache richtig erkannt hat. Der Geist ist in einem geschwächten Zustand, so dass die Kraft, die Klarheit und die Gelassenheit fehlt, um Strategien umzuwenden, um gegen den Burnout zu kämpfen. Die emotionale Volatilität ist höher und die Emotionen stauen sich schneller an. Das bedeutet, dass man mehr Emotionen zu bewältigen hat, aber deutlich weniger Energie hat, gegen diese anzukämpfen. Folgerichtig sinkt die Leistung.
Wenn man an diesen Punkt angekommen ist, benötigt man Ruhe. Es gibt keinen Weg daran vorbei. Das Problem ist, dass die Art von Erholung, die man braucht, um sich von einem Burnout zu erholen, sehr kostspielig ist. Man sitzt nicht am Pokertisch und verdient somit auch kein Geld. Sicher, manchmal ist es sinnvoll, durchzuhalten, wie ein verletzter Sportler in den Playoffs - das durchzuhalten, ist aber unmöglich.
Proaktiv sein

Viele Pokerspieler halten es für falsch oder sogar unverantwortlich, eine Auszeit einzuplanen. Diese Denkweise ist gefährlich für die Resultate und den EV. Burnout ist kostspielig. Rechnen wir nach: Wie viel mehr verdient man mit freien Tagen, wenn dadurch die Leistung an den Tagen, an denen man tradet oder spielt, verbessert wird?
Das ist schwer zu sagen, ich weiß. Aber viele denken, dass freie Tage nur Geld kosten – das ist aber zu kurz gedacht. Es ist sinnvoll, sich in die Lage und in die Sportler zu versetzen und sich klar zu machen, dass freie Tage dabei helfen, häufiger bessere Leistungen zu erzielen, was bedeutet, langfristig bessere Resultate zu erzielen.
Burnout ist eine gängige Krankheit, aber sie muss einen nicht aus der Bahn werfen.