Woraus besteht die Stärke einer Hand?
Dara O'Kearney erklärt, warum viele Spieler dazu neigen, starke Hände vorschnell aufzugeben – nur weil die Lage auf dem Flop scheinbar aussichtslos erscheint.
Eine typische Situation, die Solver-Anfängern Kopfzerbrechen bereitet, ist folgende: Der UTG-Spieler eröffnet mit 40 BBs, woraufhin der BB mit K♥Q♥ callt. Auf dem Flop erscheint T♥6♣2♠.
Nach dem Check des Big Blinds entscheidet sich UTG mit folgender Range für eine Potsize-Bet:
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Tatsächlich schlägt der Solver vor, mit K♥Q♥ zu callen. Die GTO-Strategie sieht für den Big Blind folgende Vorgehensweise vor:

UTG verfügt insgesamt über eine starke Range, und es fällt vielen Spielern schwer, in solchen Situationen mit einer Hand wie K♥Q♥ zu callen. Weiterzuspielen mag sich falsch anfühlen, immerhin schlägt diese Hand nicht einmal Ace-High. Dennoch zeigt der Solver deutlich, dass unsere Hand mit 33,5% Equity gegen die UTG-Range gut genug ist, um weiterzuspielen.
Verschiedene Stärken einer Hand

Es kann hilfreich sein, die Stärken einer Hand in verschiedene Kategorien zu unterteilen. Diese Betrachtungsweise ermöglicht ein differenziertes Verständnis dafür, warum eine Hand wie K♥Q♥ in dieser Situation spielbar bleibt.
Der Showdown-Value unserer Hand ist gering, da wir selbst gegen Bluffs wie Kx-, Qx- oder Jx-Kombinationen Schwierigkeiten haben, am River die beste Hand zu zeigen.
Sollte jedoch auf dem Turn oder River eines unserer Pair-Outs erscheinen, hat die Hand gute Chancen, gegen Ax und mittlere Paare zu gewinnen.
Die Backdoor-Draws unserer Hand können selbst die stärksten Hände der gegnerischen Range schlagen.
Auf niedrigen Turn-Karten, die gut für unsere Range sind, lässt sich K♥Q♥ zudem als Bluff einsetzen. Auf äußerst günstigen Turnkarten wie beispielsweise dem J♥ bietet sich ein Check/Raise als Semibluff an.
Sollte die Hand bis zum River durchgecheckt werden, blockiert sie wichtige Value-Hände des Gegners wie KK, KT oder QT, die auf den meisten River-Karten callen würden. Dies macht sie zu einem idealen Kandidaten für einen River-Bluff.
Die wahre Kunst liegt darin, den eigenen menschlichen Instinkten zu widerstehen und die analytische Herangehensweise eines Solvers zu übernehmen. Eine Hand wie unsere mag auf den ersten Blick oft hinten liegen, doch sie ist alles andere als chancenlos. Bei genauer Analyse zeigt sich eine Vielzahl von subtilen Möglichkeiten, den verlorenen geglaubten Pot doch noch zu gewinnen.
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