Zu spät für die Late-Reg?
Eine Anmeldung mit sechs Big Blinds oder weniger – kann das noch profitabel sein? Dara O’Kearney widerspricht der Intuition und zeigt, warum weniger manchmal mehr ist.

Ich bin ein großer Verfechter der späten Registrierung bei MTTs. Doch kürzlich stellte mir jemand die Frage, wann ein Stack eigentlich zu short ist, um den späten Einstieg noch profitabel zu gestalten. Manche Anbieter lassen Buy-ins mit gerade einmal sechs Big Blinds zu – lohnt sich das überhaupt noch?
Die überraschende Antwort: Ja, und wie!
So kontraintuitiv es klingen mag – je weniger Blinds, desto besser. Im Extremfall registrierst du dich mit einem einzigen Ante und bist direkt All-in (mit einer zufälligen Hand).
Betrachten wir ein klassisches Turnier mit neun Spielern und Antes: Wenn alle bis zum Showdown dabei wären, würdest du etwa zu 11 % den Pot gewinnen, was dem Break-even-Punkt entspricht. Doch in der Praxis steigt deine Equity, weil viele Spieler vorzeitig aussteigen und womöglich Hände folden, die deine geschlagen hätten.
Auf das erste All-in bekommst du also häufig rund 100 % ROI. Im Erfolgsfall kannst du den neu erworbenen Shortstack im Anschluss mit positivem Erwartungswert weiterspielen.
Verzerrte Wahrnehmung

Würden wir unseren ROI in Abhängigkeit von der Stackgröße darstellen – unter der Annahme, dass wir in jeder Phase optimal spielen – ergäbe sich in etwa ein V-förmiger Verlauf. Der tiefste Punkt liegt bei rund 25 bis 30 Big Blinds, einer taktisch ungünstigen Stacksize. Je weiter wir uns von diesem Bereich in beide Richtungen entfernen, desto höher fällt der erwartete Gewinn aus.
Mit 100 Big Blinds spielen wir profitabler als mit 50, mit 200 Big Blinds profitabler als mit 100. Und genauso verhält es sich in der anderen Richtung: 20 Big Blinds sind besser als 25, 10 besser als 20.
Das klingt für viele kontraintuitiv. Schließlich fliegen wir mit Shortstacks meist schnell aus dem Turnier. Aber langfristig gesehen ist dieser Spot, rein mathematisch betrachtet, ausgesprochen lukrativ.
Der menschliche Geist neigt in diesem Szenario zu einem kognitiven Trugschluss: Wir erinnern uns stärker an die häufigen Bust-outs und unterschätzen den Wert jener wenigen Deep Runs, die uns durch späte Registrierung überhaupt erst ermöglicht wurden. Einige meiner größten Cashes habe ich nach einem Start mit nur wenigen Blinds erzielt.