Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

"Glückseligkeit für jedermann" - Multitalent Firsttsunami im Interview

Firsttsunami ist als deutscher Handbewerter-Boss, deutscher Content-Produzent und englischer Coach unterwegs. In diesem Interview erzählt er von unerforschten Pokerthemen, den Charakteristiken guter Musik und seinen Zielen und Träumen.

Das Interview führte funmaker

PokerStrategy: Hallo firsttsunami! Stelle Dich doch bitte etwas genauer vor!

firsttsunami: Hallo, mein Name ist Börries, ich bin 23 Jahre alt und komme aus Kassel, bei Nordhessen.

Ich bin seit Februar 2006 bei Pokerstrategy angemeldet und spiele zur Zeit FL 5/10 und selten 10/20 SH. Momentan arbeite ich hauptberuflich für PokerStrategy.

Eventuell fange ich nächstes Jahr ein Studium an, bin mir aber noch nicht ganz im Klaren darüber, wie es weiter gehen wird. Ein Auslandsaufenthalt in Australien für ein Jahr würde mich auch reizen. Ok, nun genug der Träumerei:)!


PokerStrategy: Du hast bei PokerStrategy mehrere Aufgaben. Erzähle uns bitte etwas ausführlicher, in welchen Arbeitsbereichen Du mittlerweile tätig bist!

firsttsunami: Angefangen habe ich als professioneller Handbewerter - das bin ich ja heute auch noch. Damals habe ich nur die Foren bis 2/4 SH betreut. OnkelHotte war ja früher der Hüter des 3/6 - 5/10 Forums. Nachdem er fest zur PokerStrategy wechselte, habe ich sein Forum übernommen.

Darüber hinaus bin ich für alle Handbewerter verantwortlich. Ich kontrolliere ihre Arbeit, stelle neue Handbewerter ein und kümmere mich um ihre Anliegen. Wenn es Probleme gibt, dann bin ich direkter Ansprechpartner für ehrenamtliche und professionelle Handbwerter. Ich kümmere mich um den Bestand der ehrenamtlichen Handbewerter, organisiere Leute, die Content produzieren usw. Ich selber produziere ja auch Kolumnen, Sessionreview-Videos und Quiz.

Seit einigen Wochen bin ich englischer Co-Coach an der Seite von Cornholio, was mir sehr viel Spaß macht.
 

PokerStrategy: Handbewertungen sind ja Dein Spezialgebiet. Was fasziniert Dich daran?

firsttsunami: Mich fasziniert die Einzigartigkeit jeder einzelnen Hand. Es gibt natürlich immer Ähnlichkeiten, und Situationen wiederholen sich. Durch die vielen Variablen im Poker ist trotzdem jede Hand auf ihre Art und Weise speziell. Man steht immer vor neuen Aufgaben und muss sich einen Gesamtüberblick verschaffen. Mir macht es sehr viel Spaß zu versuchen, sich in den Gegner hinein zu denken. Zu überlegen, aus welchem Grund welche Aktion Sinn oder keinen Sinn ergibt. Grade wenn der Gegner noch spezielle Reads anfügt, kann man manchmal sehr tief in eine Hand versinken und merkt gar nicht, wie die Zeilen sich vermehren :).

PokerStrategy: Welche Foren interessieren Dich außerhalb der Handbewertung noch?

firsttsunami: Ich schaue recht regelmäßig in die anderen Strategieforen, bevorzugt ins Diamond Forum. Dann schaue ich manchmal noch in Eure Erfolge oder in FL Erlebnisberichte, um zu sehen, wie sich das jungfräuliche Potential der Fixed Limit Spieler entwickelt. Durch meine Arbeit muss ich natürlich im Coaching- oder im Feedback-Forum nachschauen, ob jemand ein Anliegen hat.
 

PokerStrategy: Du hast Dich auch dank PokerStrategy zu einem erfolgreichen Spieler entwickelt. Aus welchen Gründen würdest Du PokerStrategy weiterempfehlen?

firsttsunami: Da gibt es einige Gründe. Erstmal, weil ich PokerStrategy viel zu verdanken habe. PokerStrategy hat einfach ein riesiges Angebot an Lehrmaterial, und das auch noch in verschiedenen Formaten, so dass kein Sinn unberührt bleibt. Ich habe bisher noch keine Seite gesehen, die eine bessere Strategiesektion hat und sich durch Handbewertungen so um die Mitglieder kümmert. Es hat mich damals auch so beeindruckt, dass Strategieartikel von Korn released wurden, dessen Themen bisher noch weitestgehend unerforscht waren.

Es gibt sehr viele kompetente Leute, mit denen man sich austauschen kann. Durch die riesige Anzahl an Mitgliedern kann man sehr gut voneinander lernen. Egal welches Problem man hat, irgend jemand ist immer online, und man bekommt recht schnell eine Antwort.


PokerStrategy: Wie bist Du damals auf PokerStrategy aufmerksam geworden?

firsttsunami:
Ich kann mich gar nicht mehr genau entsinnen, aber ich glaube über das Starcraft/Broodwar Forum. Irgendwo habe ich einen Link gesehen, in dem Korn seine Geschäftsidee vorgestellt hat. Ich war ja auch mehrere Jahre süchtig nach dem Spiel, und Korn war jedem ein Begriff. Damals war die Seite noch grau und vom Aufbau her recht schlicht. Ich dachte mir einfach "Nothing to loose", probierst es mal!

 

PokerStrategy: Du machst sehr viele Handbewertungen. Ist das immer interessant, oder hast Du manchmal nicht so die Lust und musst Dich etwas quälen?

firsttsunami:
Von Quälen kann nicht die Rede sein. Es gibt aber natürlich auch Tage, an denen ich weniger Lust habe, Hände zu bewerten. Das liegt aber nicht an dem Job selbst, sondern ist ganz normal für jeden Job im Berufsleben. Man kann nicht immer Lust haben, so wie man auch nicht immer gute Laune haben kann, oder Lust hat, Dinge zu tun, die vermeintlich Spaß machen. 🙂

 

PokerStrategy: Handbewertung ist eine schwierige Arbeit, bei der man sich konzentrieren muss. Ihr habt den Wunsch, dass Mitglieder nur eine Hand pro Thread posten sollen. Warum ist das so wichtig und erleichtert Eure Arbeit?

firsttsunami: Es erleichtert unsere Arbeit eigentlich nicht, da der qualitative Aufwand bei Threads mit mehreren Händen eher geringer ist. Bei einer Hand muss man sich tiefer hineindenken. Die Bearbeitung eines Threads mit einer Hand kann somit auch schon mal längere Zeit in Anspruch nehmen.

Es ist eher wichtig für den User, sich wirklich eingehend mit einer Hand zu beschäftigen und lange und tiefgründige Analysen einfordert, um sein Spielverständnis verbessern zu können. Der persönliche Lernerfolg ist größer, wenn man ein bis zwei Hände in einen Thread postet.


PokerStrategy:
Wäre ein Leben ohne Pokern für Dich noch möglich, oder würdest zu viel vermissen?

firsttsunami: Man kann nichts vermissen, das man nicht kennt. Aber nach über zwei Jahren einfach aufzuhören, würde mir sehr schwer fallen. Es ist einfach ein Teil meines Lebens, beruflich wie auch privat. Im Großen und Ganzen ist Poker ein Spiel, welches mir Spaß bereitet. Man muss sehr konzentriert und überlegt spielen, sehr diszipliniert sein. Das gefällt mir am Pokern!


PokerStrategy: Ertappst Du Dich manchmal dabei, wie sich alles, was mit der Pokerwelt zu tun hat, auch in Dein "normales" Leben überträgt - Pokerausdrücke, Denken in BB etc.?

firsttsunami: Denken in BBs tue ich nicht. Das mit den BB kann ich nicht wirklich gut abstrahieren. Ich habe schon noch normale Wertbezüge. Wenn man aber mehrere Stunden täglich mit der Pokerterminologie zu tun hat, kann man sich nur schwer dagegen wehren, dass einige Wörter in den alltäglichen Sprachgebrauch übergreifen. Mit Leuten, die mit Poker nichts am Hut haben, kann ich aber noch stets normal reden und werfe nicht permanent mit Slangbegriffen um mich. Nur wenn ich mit Leuten rede, die auch pokern, nimmt es eigenartige Züge an 🙂

 
PokerStrategy: Du hast früher fünf bis sechs Stunden täglich gepokert. Nun wirst Du nicht mehr soviel Zeit haben. Ist es ratsam, weniger zu spielen und dafür vermehrt sein Spiel zu analysieren? Vielleicht ist dies auch eine wichtige Frage für Anfänger.

firsttsunami: Ganz Recht. Ich habe wegen der Arbeit nicht mehr soviel Zeit zum Pokern.

Wie das Maßverhältnis zwischen Theorie und Praxis aussehen soll, ist schwer zu beurteilen. Am Anfang sollte man sicher viel und ausführlich mit der Theorie beschäftigen. Das Spielen darf dabei natürlich nicht zu kurz kommen, damit sich die Theorie festigen kann. In den ersten Monaten des Lernens und Spielens würde ich mich aber schon mindestens die Hälfte der Zeit mit der Theorie beschäftigen. Man muss alle Grundkonzepte erst genau verstehen, um sie auch anwenden zu können. Sobald man über ein solides Grundwissen verfügt, mag die Spielerfahrung durch das Einprägen von Mustern vielleicht sogar gleich wichtig oder wichtiger sein. Das heißt jedoch nicht, dass man sich gar nicht mehr mit der Theorie beschäftigen muss.

 
PokerStrategy: Wie reagiert Dein Umfeld, wenn Du erzählst, Du seist Handbewerter? Halten sie Dich für einen Hellseher, der anderen aus der Hand liest und die Zukunft prophezeit?

firsttsunami: Lach. Diese Interpretation habe ich, ehrlich gesagt, noch nie gehört. Es hatte wohl noch keiner soviel Phantasie. Ich erwähne den Begriff "Handbewerter" meistens gar nicht, sondern erzähle, dass ich Mitgliedern bei strategischen Fragen zur Seite stehe - so ist es ja auch. Auf diese Weise gibt es keine Missverständnisse oder wilde Spekulationen. Natürlich hat mancher so seine Identifikationsschwierigkeiten mit einem derartigen Beruf, aber für verrückt erklärt, hat mich noch niemand 🙂

 
PokerStrategy: Gibt es ein bestimmtes Ziel, das Du in Deiner Pokerkarriere anstrebst?

firsttsunami: Da gibt es, ehrlich gesagt, kein Ziel. Ich bin damit zufrieden, wie es momentan läuft. Natürlich möchte ich vielleicht nochmal höher spielen - ich wäre aber auch nicht enttäuscht, wenn es nicht klappt.

 
PokerStrategy: Und wo liegen privat Deine Ziele und Wünsche?

firsttsunami: Ich glaube, da bin ich recht konservativ. Ich möchte einfach ganz klassisch meine Traumfrau finden, diese heiraten, mit ihr Kinder kriegen und ein Haus bauen. Ein Haustier darf natürlich nicht fehlen ;). Klingt vielleicht spießig, aber Verwurzelung und Sicherheit durch Gleichmäßigkeit ist mir wichtig.

Wünsche habe ich ganz viele. Die kann ich hier gar nicht alle aufzählen. Ich wünsche mir global gesagt, Glückseligkeit für jedermann. Persönlich träume ich davon, mal jeden Kontinent zu bereisen, um was von der Welt zu sehen. Ob und wann sich das realisieren lässt, ist aber noch unklar.

 
PokerStrategy: Wo wir gerade beim Privaten sind: Du bist unter anderem Iron Maiden-, Jim Morrison- und The Doors-Fan. Außerdem spielst Du Gitarre. Ist ein erfolgreicher Musiker an Dir verloren gegangen, und was bedeutet Dir Musik?

firsttsunami: Um ein erfolgreicher Musiker zu sein, muss man, glaube ich, früher mit dem Spielen anfangen. Musik hören und selbst Musik machen, ist für mich einfach eine persönliche Leidenschaft, der ich sehr gerne nachgehe. Ich würde zwar auch gerne mal in einer Rock Band Gitarre spielen, aber zur Zeit reicht es nur für Lagerfeuerrock :).

Musik bedeutet mir sehr viel. Durch das Transportieren von Botschaften über Klänge werden Emotionen ausgelöst, das ist unfassbar. Gute Musik ist für mich das Zusammenspiel der Botschaft und des Klanges. Und das ist genau das, was ich bei vielen Tracks von The Doors wiederfinde. Da kann man richtig versinken, zumal Jim Morrison ein grandioser Metaphoriker war. Da muss man manchmal auch richtig überlegen, und der Phantasie sind keine Grenzen gesetzt.

 

PokerStrategy: Zum Thema Hobby: Was interessiert Dich noch außerhalb der Pokerwelt? Mit was beschäftigst Du Dich gerne?

firsttsunami: Ich glaube, da unterscheide ich mich nicht von den meisten hier: Freunde treffen, angeregte Unterhaltungen führen, Sport machen (Badminton, Tennis, Fitnessstudio), Disco. Ein ganz normales Leben eines Jungerwachsenen eben 🙂

 
PokerStrategy: Wir sind am Ende des Interviews angelangt. Jetzt hast Du noch die Möglichkeit, uns mitzuteilen, was Du immer schon mal loswerden wolltest; ein schönes Schlusswort an unsere Mitglieder vielleicht!

firsttsunami: Ich möchte PokerStrategy und allen Mitgliedern danken, die meine Arbeit bisher geschätzt haben und mich motivieren, weiter zu machen.

Als Abschlusssatz möchte ich Daniel Negreanu aus einem älteren Interview zitieren: "Wer nur Poker hat, der hat gar nichts".

Dieser Satz hat mich zum Nachdenken angeregt, und eventuell tut er es auch bei Euch :).


PokerStrategy: Vielen Dank für das interessante und ausführliche Interview, firsttsunami ! Wir wünschen Dir alles Gute und viel Erfolg für die Zukunft!