Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

bencb - YOLO-Calls und vieles mehr!

Der High-Stakes-Spieler hat mit seinem neuen Video ein wahres Meisterstück abgeliefert und ihr solltet keine Sekunde zögern, das Sit & Go-Werk anzuschauen. Auch Arne 'KTU' Gewert gerät bei diesem Video regelrecht ins Schwärmen!

bencb
Juhu, ein neues Video von bencb!

Das neue Video von Adminbencb entspricht nicht einem klassischen E-Learning Video: Es ist weder kurz, noch hat es eine professionelle PowerPoint-Präsentation und es wirkt auch nicht so, als ob ein Instructional Designer die Takeaways, "actionable advises" und Story-Line ausgearbeitet hätte.

Trotzdem werden die meisten von euch das Video bis zum Ende schauen, denn bencb ist ein Meister seines Faches und es ist faszinierend, seinen Gedanken zu folgen.

Das Konkrete schlägt das Allgemeine

Im Poker kämpfen Konzepte und Ideen gegeneinander. "Auf ein Minraise vom Button, kann ich aufgrund der guten Odds viel verteidigen" steht im direkten Widerspruch zu "Out of Position müssen wir tight spielen". Nur was heißt das konkret? Die extremen Positionen sind offensichtlich Unfug. Wir können nicht direkt nach Equity callen und sollten aber auch nicht unsere Defend-Range auf QQ+ und AQs beschränken.

Ben denkt über diese Grenzen nach und gibt sie an: "Gegen ein Minraise aus UTG calle ich hier T6s+ und gegen 2,5x rutscht die Grenze auf T8s+, warum ich T7s genau noch folde." Er erklärt auch zusätzlich, wovon seine Grenzhände abhängen. So verteidigt er J7o im Big Blind und weist daraufhin, welche Stats es zu berücksichtigen gilt, um zu entscheiden, ob man callt und wenn ja, wie der Postflop-Gameplan konkret aussieht.

Im Zweifel schreckt er auch nicht davor zurück komplett auf Präzisionsniveau zu wechseln und rechnet euch in weniger als zwei Minuten vor, ob sein Push mit 98o am Button für 7,5BB gut oder schlecht war.

YOLO
You only live once - häufige die einzige Begründung für Calls

Bencb erklärt euch Konzepte und Ideen und ist dabei auch noch unterhaltsam

Ein Begriff, den ich dank des Videos von Ben in mein Repertoire übernommen habe, ist der YOLO-Call: "Wenn Freizeitspieler vorher ein paar Chips gewonnen haben, bekommt man hier schon ein paar YOLO-Calls von 56s oder so." Perfekt beschrieben! Aber auch andere Ausführungen, wie zum Beispiel zu "Protection" versus "Gegen bessere Range isolieren" sind gehaltvoll und trotzdem nicht langweilig.

Er kann Fehler eingestehen und sucht nach weniger ausgetretenen Pfaden

Jemand der weiß, dass er sehr gut ist, kann Fehler eingestehen. Das merkt man auch bei ihm: "Oh, da hab ich Q3o gepusht, das ist schon ziemlich schlecht." Er kommt einfach cool und authentisch rüber. Außerdem sieht man auch, dass er wirklich über alles nachdenkt: So limpt er Q8s am Button und spielt nicht stur nach Schablone und Faustformeln.

Aber gut, damit auch genug der Lobhudelei: Schaut euch jetzt endlich sein Video an:

Zum Video (ab Gold Gold-Status)

Bei Ben merkt man, dass er kompetent ist, aber im normalen Leben ist auch das Gegenteil zu erkennen oft wichtig. Hier noch meine eigenen Top 3-Indikatoren, ob ich es mit einem Fisch oder Profi zu tun habe.

Stellt euch vor, ihr befindet euch in der Situation, dass ihr selbst kein Experte auf einem Gebiet seid und euer Gegenüber genau das vorgibt. Ihr müsst jetzt rausfinden, ob er ein "Bullshitter" ist.

Fisch

Fisch-Indikator 1: Er verwendet einfache Wahrheiten
Je weniger Ahnung man hat, umso klarer liegen die Dinge. Jeder Experte weiß, dass oft viele Details den Ausschlag geben und pauschale Aussagen manchmal schlicht nicht möglich sind. Greift euer Gegenüber eure naiven Theorien ungefähr so auf "Naja, das ist leider nicht so einfach und man muss ein Bisschen differenzieren..." ist das ein gutes Zeichen, während ein "Jep genau: Die Armen werden ärmer und die Reichen reicher!" schon ein sehr ernsthafter Fisch-Indikator ist.

Fisch-Indikator 2: Kindliche Faszination für das eigene Thema auf Hollywood-Niveau
Durch die lange Beschäftigung mit einem Thema geht die kindliche Begeisterung bei einem Experten zurück. Hype weicht Realismus. Letztens habe ich mich mit einem Trader unterhalten: "Weißt du Arne, der Forex ist das größte Finanzsystem der Welt, fast schon die Welt selbst! Tiefe und komplexe Strukturen und Millionen von Tradern, die alle gewinnen wollen, aber die Muster nicht verstehen, die sie selbst verursachen. Wenn man dann versteht, was der Preis eigentlich ist, dann läuft es einem kalt den Rücken herunter und dann kann man Geld machen!" – So redet einfach kein Profi. Niemals. Du bekommst mein Geld nicht.

Fisch-Indikator 3: Keine quantitativen oder offensichtlich falsche quantitative Aussagen
Zahlen benutzen Bullshitter gerne als rhetorisches Mittel um Kompetenz und Erfolg vorzugaukeln. Eine Zahl aufzugreifen und sich über diese im Detail zu unterhalten, kann oft viel Klarheit bringen. Wieder ein Trader: "Bei meinem System hab ich drei Trades am Tag mit 70 Prozent Gewinnwahrscheinlichkeit! Dabei verliere ich im Verlustfall auch noch weniger als ich im Gewinnfall gewinne."

Fisch-Indikator
Natürlich! Dann mach dich doch selbstständig mit 1.000 Euro. Setze dreimal am Tag 1/20 deiner Bankroll und dann läuft der Hase: Nach 172 Tagen hast du bereits über 120 Millionen auf dem Konto!

Trainingsaufgabe:
Handelt es sich bei diesem "Mathegenie" um einen Hochstapler?