Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

steinek: 'Ein schönes Spiel mit vielen Möglichkeiten'

Hier spricht unser ehrenamtlicher SNG-Handbewerter u.a. über die psychologischen Aspekte des Pokerns, m4rkus23s mitternächtliches Karma, Unterstützung innerhalb der Community und "jugendlichen Übermut".

Das Interview führte funmaker

PokerStrategy: Hallo steinek! Zuallererst herzlichen Glückwunsch zum Titel Ehrenamtlicher SNG-Handbewerter des Monats Oktober! Bitte stell Dich unseren Communitymitgliedern doch einmal kurz vor!

steinek: Hallo, vielen Dank! Ich heiße Konrad, bin 22 Jahre alt und studiere Mathematik in Mainz. Gebürtig bin ich Berliner und kam vor gut zwei Jahren zum Studieren her.

steinek

Hier findest du weiterführende Informationen zu den Umtrieben unseres SNG-Handbewerters:

News: Handbewerter des Monats Oktober

Handbewertungen: SNGs bis $3.50 - ab Bronze

Handbewertungen: SNGs bis $11 - ab Silber

Handbewertungen: SNGs bis $33 - ab Gol

PokerStrategy: Was bedeutet Dir die Auszeichnung?

steinek: Vielen Dank! Seitdem ist mein Leben wie auf den Kopf gestellt. Alles scheint so leicht...Ernsthaft, ich habe mich natürlich gefreut, meinen Namen in der News zu lesen und auch die Coachingstunden sind sehr schön. Dennoch ist der Titel nicht die Hauptmotivation, hier im Forum Hände zu bewerten.

PokerStrategy: Was glaubst Du, gefällt den Mitgliedern besonders an Deiner Art, Hände zu bewerten?

steinek: Ich tu mich immer schwer, im Namen anderer zu sprechen. Eventuell, dass ich viele Hände bewerte und auch regelmäßig schaue, ob noch das ein oder andere Mitglied das Bedürfnis hat, zu diskutieren. Letztendlich ist das aber ja genau meine Aufgabe...

PokerStrategy: Seit wann bist Du denn schon Handbewerter, und welche Aufgaben nimmst du sonst noch wahr?

steinek: Der Oktober war mein erster Monat als ehrenamtlicher Handbewerter. Ralph, also shakin65, hat mich Ende September angesprochen, und dann nahm alles seinen Lauf. 🙂 Dafür an dieser Stelle noch einmal herzlichen Dank!

Irgendwann im vergangenen Dezember habe ich den Entschluss gefasst, von
nun an regelmäßig im Handbewertungsforum zu posten, um mein eigenes
Spiel zu verbessern. Dort wird man am laufenden Band mit engen und
interessanten Situationen konfrontiert und damit motiviert, über das
Spiel nachzudenken.

Abgesehen davon bin seit ziemlich genau zwei Jahren treues Mitglied, und ab und an helfe ich mal in einem Coaching aus. Ich sorge gemeinsam mit m4rkus23 außerdem dafür, dass in den Foren auch der Spaß nicht zu kurz kommt, nicht wahr djtommyblue? 😉

PokerStrategy: Wie viel Zeit verbringst Du täglich mit Handbewertungen?

steinek: Das lässt sich schwer sagen. Ich nehme mir oft, wenn ich mal kurz entspannen mag, aber nicht unbedingt eine Session spielen möchte, eine halbe Stunde, um ein paar Hände abzuarbeiten. Vermutlich circa eine Dreiviertelstunde pro Tag, wobei es auch regelmäßig mal länger ist.

PokerStrategy: Kommst Du da auch noch dazu, Deine eigenen Hände bewerten zu lassen oder machst Du das ebenfalls selbst?

steinek: Natürlich halte ich mich nicht für so perfekt, dass ich keinen Input und Austausch mehr brauche. Regelmäßig schaue ich Kumpeln über die Schulter oder andersherum, so dass auch Lines von mir in Frage gestellt und zerrissen werden. 🙂 Mein eigenes Spielpensum ist seit meiner Handbewertertätigkeit dabei auf jeden Fall etwas zurückgegangen.

PokerStrategy: Gibt es auch noch andere Foren, in die Du gerne schaust?

steinek: Ich lese auch ab und an in den SnG-Erlebnisberichten. Da ich aber sowieso schon viel Zeit mit Pokern verbringe, versuche ich, mich von bösen Gebieten wie dem BBV so gut wie möglich fernzuhalten, um nicht am Ende den ganzen Tag im Forum zu verbringen. 😉

PokerStrategy:
Nun zu Deinem Spiel: Auf welcher Plattform und auf welchem limit bist Du momentan unterwegs?

steinek: Ich habe vor einem knappen Monat fast alles ausgecasht und spiele mich nun wieder hoch. Im Moment bin ich auf den 22ern auf PartyPoker zuhause.

PokerStrategy: Und wie läuft es derzeit, bist Du zufrieden?

steinek: Vor einem Monat hätte ich die Frage noch mit einem großen Nein beantwortet, inzwischen bin ich aber wieder sehr zufrieden. Das letzte halbe Jahr lief echt nicht so besonders. Gerade, wenn man nicht so viel spielt, können sich $2k-SnGs als Losing Player schon eine Weile ziehen.

An dieser Stelle muss ich ein riesengroßes Dankeschön an m4rkus23 richten. Ich bin ziemlich sicher, dass ich ohne ihn inzwischen aufgehört hätte. Er versteht es, einem stets den Spaß an der Sache sehen zu lassen. Und er hat schon ab und an nach nicht so schönen Tagen noch spät nachts sein positives Karma wirken lassen.

Auch Du, funmaker, seist hier erwähnt: Du hast mir mehrfach zum Gespräch zur Verfügung gestanden und mir nicht zuletzt durch Deine Erfahrung zu einem etwas weniger durch jugendlichen Übermut geprägten Blick auf das Spiel verholfen. Vielen Dank auch Dir.

Seit dem Cashout bin ich nun aber deutlich entspannter. Das heißt aber nicht, dass ich nicht dennoch hart an der Psyche beim Pokern arbeite. Da ich auch ganz gut begonnen habe, bin ich optimistisch, bald wieder auf höheren Limits unterwegs zu sein.

PokerStrategy: Danke erstmal für die Blumen, habe Dich gerne unterstützt! - Aber zurück zum Thema 🙂 - Was war bisher Dein größter Erfolg?

steinek: Ich nenne mal zwei Punkte, die sich allerdings schwer vergleichen lassen. Der erste hat etwas mit etwas Glück zu tun, setzt aber auf jeden Fall viele Glücksgefühle frei, der zweite hingegen ist einfach das Resultat von Geduld und Arbeit:

Erstens mein bisher größter MTT-Cash von ca. 2,5k bei meinem allerersten MTT
auf Ongame. Ich spiele nicht viele MTTs und mal eben so eine Summe einzustreichen,
war schon nice.

Zweitens das Gefühl, auf den Turnieren mit höherem Buy-in eine gute Edge zu sehen. Als ich mir vor Augen führte, dass ich noch vor einem Jahr so gut wie keine Ahnung von SnGs hatte und von Unam1337 für einen 6BB Raise mit AK geflamed wurde - ich war genervt von den vielen Coldcallern. Nun sitze ich an Tischen, dessen Buy-in für mich zu dieser Zeit noch so weit entfernt war, das gab mir das deutliche Gefühl, etwas erreicht zu haben.

PokerStrategy: Wenn es beim Pokern nicht gut läuft, machst Du Pause und paukst Theorie. Kannst Du das auch anderen empfehlen?

steinek: Wenn es wirklich schlecht läuft, lege ich schon einmal ein paar Tage Pause ein, schaue mehr bei anderen zu oder widme mich der Theorie. Gerade nach wirklich ekelhaften Sessions mache ich öfters mal eine Runde Handbewertungen, um einfach wieder den abstrakten, ergebnisunabhängigen Blick auf das Spiel zu finden.

Dass ich jetzt den Frustcashout gemacht habe, war eine Premiere. Dies ist sicherlich nicht eine Sache für jederman, kann aber durchaus motivierend sein.

Empfehlen kann ich auf jeden Fall, sich mit der Psyche des Spiels zu beschäftigen, um so auch für härtere Zeiten gut vorbereitet zu sein. Dies ist meiner Meinung nach ein sehr unterschätzter Punkt: Zu einem guten Pokerspieler gehört nicht nur ein gutes Spielverständnis, sondern genauso gut eine Psyche, die mit den sehr großen Swings -wie bei SnGs ja nicht selten - umzugehen weiß.

Wie man daran arbeitet, ist sicherlich eine persönliche Frage. Sehr geholfen haben mir unter anderem auch "BadBoy" crizzla und Darrem84, der bis zu den 60ern alle Limits spielt, sehr geholfen. Beide stehen dem Spiel ziemlich ausnahmslos ruhig und auf sehr abstrakter Ebene gegenüber. Auf jeden Fall hilft es, sich selbst zu fragen, welchen Stellenwert Poker für einen hat, was man vom Spiel erwartet, und was man bereit ist, dafür zu tun.

Poker ist mit Sicherheit eine Möglichkeit, mehr Geld zu verdienen als die meisten anderen, allerdings bringt es auch seine "hässlichen" Seiten mit sich, die aber einfach dazu gehören und ja sogar dafür verantwortlich sind, dass es so profitabel ist.

PokerStrategy: Was wünschst Du Dir für Deine Pokerkarriere? Was gibt es für Ziele?

steinek: Mittelfristig möchte ich relativ schnell wieder bei den 55ern landen. Dann will ich weiter an meiner Pokerpsyche arbeiten. Im besten Fall bin ich dann irgend wann noch einmal bereit, einen Sprung auf die Highlimits zu wagen. Bezüglich der Arbeit bei PokerStrategy möchte ich auf jeden Fall weiterhin im Forum tätig sein und hätte auch nichts dagegen, wenn ich im Namen von PokerStrategy Private Coachings anbieten dürfte 🙂

PokerStrategy: Wenn Du mal eine Pokerpause brauchst, mit was beschäftigst Du Dich dann in Deiner Freizeit?

steinek: Naja, im Prinzip ist ja Poker meine Freizeit und das Studium meine Haupttätigkeit. Das soll sich auch nicht verändern. Ansonsten verbringe ich meine Zeit vermutlich ziemlich normal: Etwas Basketball und Tennis und viel mit Freunden machen.

PokerStrategy: Und was möchtest Du beruflich und privat erreichen?

steinek: Da setze ich mich nicht so unter Druck. Erst einmal werde ich meinen Master machen - ich sitze im Moment an der Bachelorarbeit - und dann würde ich gern promovieren. Was anschließend kommt, wird sich zeigen.

Privat habe ich auch keine außergewöhnlichen Wünsche: Ich möchte glücklich sein, mit dem was ich tue und das richtige Verhältnis von Familie und Beruf finden.

PokerStrategy: Wir sind am Ende des Interviews angelangt. Möchtest Du unseren Mitgliedern noch etwas mit auf den Weg geben?

steinek: Man sollte im Pokern mehr als das Geld sehen. Es ist ein schönes Spiel mit vielen Möglichkeiten, sich geistig zu betätigen und bietet unmittelbaren Zugang zur eigenen Psyche, so dass man sich selbst kennen lernen kann. Ansonsten wünsche ich einfach mal allen viel Spaß an den Tischen und auch sonst so und lade zum Diskutieren im Handbewertungsforum ein!

PokerStrategy: Vielen Dank für das Gespräch! Wir wünschen Dir, dass Du Deine Ziele erreichst und hoffen, dass Du uns noch lange als Handbewerter erhalten bleiben wirst!