Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Bitcoin verstehen mit Marc Kennedy

Bitcoin-Noob Barry Carter erfährt von Pokerspieler und Bitcoin-Pionier Marc Kennedy mehr über die wachsende Kryptowährung und was sie für die Welt bedeuten kann.





Marc Kennedy poker bitcoin
Marc Kennedy

Ich selbst weiß nicht viel über Bitcoin, aber mir ist bewusst, dass die Kryptowährung in Zukunft auch in der Pokerindustrie immer mehr Relevanz haben kann. Daher habe ich mich mit dem in der 2+2-Community bekannten Profispieler Marc "sparky999" Kennedy unterhalten, der mir Ratschläge und Einblicke in die weltweit rasant wachsende Technologie geben konnte.

Du hast als einer der ersten innerhalb der Pokercommunity Bitcoins genutzt und dich mit der Kryptowährung befasst. Was hat Bitcoin für dich so interessant gemacht?

Mark Kennedy: Die zwei Aspekte, die mir sofort aufgefallen sind, waren zum einen die Resistenz des Bitcoin-Netzwerks als Wertanlage gegenüber Zensur und zum anderen die Möglichkeit, eine beliebige Menge Geld problemlos an jemanden auf der anderen Seite des Globus zu übertragen. Für einen Pokerspieler ist genau das besonders wichtig. Dieser unmittelbare Nutzen hat mich aufhorchen lassen, denn Geld ohne Einschränkungen auf der ganzen Welt zu übertragen, egal von wo und wohin, ist nach wie vor sehr schwierig. Als Pokerspieler ist man durchgehend am Reisen und muss in der Lage, problemlos über sein eigenes Geld verfügen zu können. Eine Grenze mit einem USB-Stick zu passieren, auf dem eine beliebige Menge an Geld gespeichert sein kann, ist deutlich einfacher und sicherer, als eine Aktentasche voller Bargeld mit sich herumzutragen.

Ich persönlich bin gerade erst dabei die Grundlagen von Bitcoin zu verstehen. Ich habe selbst ein paar gekauft, vor allem weil mittlerweile so viele Menschen Zuversicht in die neue Technologie haben. Ist das letztendlich der Grund, warum das Netzwerk einen Wert hat? Weil es nun dieses Vertrauen gibt?

Mark Kennedy: Nein. Der Wert ergibt sich aus der begrenzten Menge und dem Nutzen. Es wird insgesamt nur 21 Millionen Bitcoins geben und sie haben einen Nutzen, weil man Dinge mit ihnen machen kann, die ihnen Wert geben. Der Wert wird von der Rechenkraft des Netzwerks gestützt, das das System vor Attacken schützt. Preis und Wert sind nicht dasselbe. Der Preis wird von der Nachfrage bestimmt. Wenn das Angebot begrenzt ist und die Nachfrage wächst, steigt eben auch der Preis.

"Das sicherste Protokoll aller Zeiten"

Ist die Blockchain-Technologie die Grundlage dafür, warum Bitcoin immer mehr Verbreitung findet?

Mark Kennedy: Was die Blockchain-Technologie bietet, ist eine digitale Aufzeichnung, die nicht nachträglich geändert oder manipuliert werden kann. Das hört sich simpel an, war bis zur Einführung von Bitcoin jedoch nicht möglich. Eine derart unveränderliche digitale Aufzeichnung von etwas zu haben ist in vielerlei Hinsicht äußerst wertvoll, egal ob im Hinblick auf die freie Meinungsäußerung oder finanzielle Selbstbestimmung.

Der Tenor von vielen ist, dass die Blockchain-Technologie nicht hackbar sei, was sich für mich aber nach einer gefährlichen Behauptung anhört.

Mark Kennedy: Es geht weniger darum, dass sie nicht "gehackt" oder "attackiert" werden kann. Die Aufzeichnung kann nicht geändert werden. Die Marktkapitalisierung von Bitcoin ist im Grunde ein Bug-Bounty. Darunter versteht man grob den finanziellen Anreiz, den Softwareentwickler Menschen bieten, die einen Bug in ihrem Code finden. Der Wert des Bitcoin-Netzwerks beläuft sich mittlerweile auf rund $70 Milliarden. Jeden Tag versuchen Hacker auf der ganzen Welt das Protokoll zu attackieren, weil ein Erfolg die mit Abstand größte "Beute" verspricht. Seitdem Bitcoin existiert sind Menschen jeden Tag seit mehr als sieben Jahren daran gescheitert. Entsprechend ist es das sicherste Protokoll, das je geschrieben wurde.

Falls es doch gehackt werden würde, wäre das nicht ein Desaster für die gesamte Währung?

Mark Kennedy: Bitcoin wurde absichtlich antifragil gestaltet, aber theoretisch lautet die Antwort Ja. Wenn es ein Hack wäre, der das gesamte Netzwerk zerstört, würde man wohl die Blockchain bis zum letzten nicht kompromittierten Eintrag kopieren und sämtliche ehrliche Nutzer des Netzwerks würden ab diesem Punkt eine neue Kette bilden und sich vom alten Netzwerk abtrennen. Würde das einen immensen Verlust des Wertes bedeuten, von dem man sich vielleicht nie erholen könnte? Ja, aber solch ein Fall ist äußerst unwahrscheinlich. Die besten Hacker der Welt haben jahrelang nach solch einer Schwäche gesucht und sie nicht gefunden. Das Protokoll ist absichtlich gegen alle möglichen Arten von Attacken gestaltet worden und wirkt in dieser Hinsicht für Kenneraugen fast schon anmutig. Die aktuell größte Sorge ist eine Zentralisierung der Bitcoin-Miner, das heißt die Unternehmen oder Menschen, die mit Rechenleistung neue Transaktionen in die einzelnen Blöcke der Blockchain integrieren. Das Bitcoin-Netzwerk braucht im Moment vor allen Dingen mehr Hersteller von geeigneten Chips, mit denen man Bitcoins minen kann.

Für mich scheint es, als könnten Bitcoins sich zu einer besseren Option im Vergleich zu manchen Landeswährungen entwickeln, zum Beispiel für Menschen, die in krisengeplagten Ländern wie Venezuela leben oder auf regulatorische Probleme treffen wie beim Thema Online-Poker in den USA.

Mark Kennedy: Bitcoins wurden in Venezuela geminet, die Regierung hat das jedoch verboten. Dennoch ist das Handelsvolumen von Bitcoins in Venezuela im Sommer in die Höhe geschossen. Die meisten Menschen auf der Welt haben keinen Zugang zum westlichen Bankensystem. Wir sind in dieser Hinsicht sehr privilegiert. Für einen Großteil der Menschen ist der Zugriff auf ein Bitcoin-Konto über das eigene Smartphone und die damit verbundene Möglichkeit, seine eigene Bank zu sein, ein echter Gamechanger.

"Die Meinung der Mainstream-Medien sollte man schlichtweg ignorieren"

Bitcoin

Abgesehen davon, dass man ohne Einschränkungen Geld übertragen kann, was macht Bitcoin für Pokerspieler darüber hinaus wertvoll?

Mark Kennedy: Es gibt im Moment durchaus ein paar interessante Projekte, wie zum Beispiel das sogenannte "Edgeless Casino", das über die Ethereum-Blockchain (die aktuell zweitgrößte Kryptowährung der Welt) betrieben wird und bei dem es keinen Hausvorteil gibt. Man kann sich ja vorstellen, dass ein Casino mit einer Edge von 0% recht beliebt werden dürfte. Ich bin aber ziemlich erstaunt, dass PokerStars nach wie vor Bitcoins nicht als Zahlungsmethode anbietet. Ich denke, das Thema wurde auf jeden Fall intern diskutiert. Warum es noch nicht dazu kam, weiß ich nicht wirklich, aber eventuell hängt es genau damit zusammen, was du zuvor angesprochen hast: Amerikaner könnten so einen Weg finden, um das Verbot von Online-Poker zu umgehen und auf der Seite zu spielen.

Vielleicht liegt es auch daran, dass Pokerspieler, die aktuell bereits Bitcoins nutzen, sich selbst wohl als "ambitionierte Regulars" einstufen würden. Wenn man bedenkt, dass die Industrie den Fokus auf Freizeitspieler gerichtet hat, dürften Bitcoin-Einzahlungen wohl bisher noch nicht von den "idealen Kunden" kommen.

Mark Kennedy: Ja, da kann tatsächlich etwas dran sein.

Der Preis von Bitcoins steigt nun schon seit einer ganzen Weile. Immer wieder hört man auch Geschichten von Pokerspielern, die damit reich geworden sind. Das dürfte nicht ewig so weitergehen oder?

Mark Kennedy: Es ist wie bei der DOTCOM-Bubble. Ein Crash dürfte nahezu sicher sein und einige Menschen werden eine Menge Geld verlieren. Technologie wird wellenförmig angenommen und Menschen tendieren dazu deutlich euphorischer zu agieren, als sie es eigentlich sollten. Die Erwartungen der Menschen überflügeln dann die Realität. Am Ende wird die Realität entweder den Erwartungen der Menschen gerecht, sodass sich der Preis deutlich stabilisiert, oder dieses großartige Experiment wird schlichtweg misslingen.

Ohne einen Ratschlag zu geben, ob man nun in die Technologie investieren sollte oder nicht, was würdest du Pokerspielern mit auf den Weg geben, die mehr über das Thema lernen und das Ganze ausprobieren wollen?

Mark Kennedy: Man sollte sich mit den Argumenten und Meinungen der unterschiedlichen Positionen befassen. Selbst wenn man nicht alle Feinheiten selbst durchblicken kann, sollte man sich mit dem tragenden Grundgerüst der Technologie auseinandersetzen. Zudem sollte man sich überlegen, was die Technologie für Menschen mit unterschiedlichen soziökonomischen Hintergründen in verschiedenen Regionen unserer Welt bedeuten kann. Die Mainstream-Medien sollte man schlichtweg ignorieren, ähnlich wie das Thema Poker von Hollywood behandelt wird, gilt auch hier, dass sie es schlichtweg nicht verstehen. Wenn man sich dann für den Kauf von Bitcoins entscheidet, sollte man sie definitiv in einem Wallet aufbewahren, bei dem man selbst die Kontrolle über die privaten Schlüssel hat, das heißt, sie nicht auf einer Online-Handelsbörse oder in einem Online-Wallet lagern, sondern vorzugsweise in einem Hardware-Wallet wie dem sogenannten Trezor.

Wer mehr über Marc Kennedy erfahren will, kann ihm hier bei Twitter folgen.

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