Der neue Hobbyspieler
Sind die typischen Gelegenheitsspieler von heute eher Gamer und nicht mehr Spieler, die einen Abstecher von den Casinoangeboten machen?

Letzte Woche habe ich dem 888poker Live Event in London einen kurzen Besuch abgestattet und dabei bekannte Twitch- sowie YouTube-Streamer getroffen. Diese haben sich doch ziemlich stark von anderen legendären Recs wie John Hesp unterschieden.
Ich habe mich viel darüber unterhalten, dass Poker immer mehr Anleihen aus dem Bereich eSports sucht, insbesondere dann, wenn es um das Rekrutieren neuer Spieler geht. Früher kam man vor allem zum Poker, weil man es im TV gesehen hat oder neben Casino- oder Wettangeboten auf das Spiel aufmerksam wurde. Der typische Hobbyspieler war in dieser Hinsicht also eher John Hesp ähnlich.
Wir sollten aber umdenken, denn das Profil der Gelegenheitsspieler von heute hat sich verändert. Zwar gibt es da draußen noch viele John Hesps' und das freut mich. Dennoch glaube ich, dass der ‘neue Spieler’ 2017 eher der technikerfahrene Gamer ist.
Mehr Toleranz für Komplexität?

Bei Unterhaltungen mit Twitch-Streamern bitte ich diese immer um eine Einschätzung, wie viele ihrer Zuschauer wohl Pokerneulinge sind. Ihrer Überzeugung nach sind es meist ca. 25%. Das ist keine triviale Anzahl. Einige der Prominenten YouTuber sind ebenfalls der Meinung, dass viel mehr Menschen ohne Pokerbackground zusehen, als man vielleicht meinen mag.
Ein Schluss, den ich daraus ziehe ist, dass man diesen neuen Hobbyspielern Poker auch durchaus komplexer verkaufen kann. Gamer sind an komplexe Spiele und schnelle Entscheidungsfindung gewöhnt. Man muss sich nur einmal vor Augen halten, wie beliebt League of Legends als Zuschauersport ist. Ich habe keine Ahnung was in diesem Spiel passiert, doch es füllt ganze Arenen.
Poker hingegen wurde immer möglichst simpel präsentiert. Der Fokus lag auf interessanten Charakteren und großen Pötten, die schwierigen Entscheidungen ließ man beiseite. Darum war No-Limit Hold’em auch zu 99% die Variante der Wahl bei Pokerübertragungen, schließlich ist es leicht zu verfolgen. Doch im letzten Monat schaffte Lex Veldhuis es auch mit PLO 15.000 Viewer zu unterhalten, als er seinen Final-Table-Run bei der WCOOP auf Twitch streamte. Klar waren darunter zahlreiche Pokerfans, aber eben auch viele andere. Man muss Lex dabei zugutehalten, dass er regelmäßig die Regeln vom Pot-Limit Omaha erklärte, während er versuchte $125.000 zu gewinnen. Dies hat für mich gezeigt, das Komplexität für Hobbyspieler mit Gaminghintergrund wirklich leichter zu tolerieren ist. Das steht im Kontrast zur vorherigen Einschätzung der Neulinge.
Junge Leute, die etwas verdienen wollen

Der typische Hobbyspieler wird wohl immer noch relativ jung und männlich sein, er will mit Poker einfach und unterhaltsam Geld machen. Der Unterschied ist, dass er nicht mehr der Gambler auf der Suche nach Varianzminderung ist, sondern der Gamer, der seine schon vorhandenen Skills zu Barem machen will.
Es ist natürlich immer gut für alle, wenn man ein neues Publikum erreichen kann. Ich gehe aber davon aus, dass der Gamer stärkere Konkurrenz ist als der Casinospieler. Es verhält sich analog zum ‘Online-Satellite-Qualifikanten’, welcher der Stereotyp war, nach dem sich die Profis die Lippen geleckt haben. Dieser macht die Turniere in den letzten Jahren jedoch eher tougher anstatt saftiger.
Natürlich ist immer noch Platz für die John Hesps' und alle, die am Wochenende beim Poker Dampf ablassen wollen, anstatt ins Wettbüro zu gehen. Diese Spieler werden wir auch niemals satthaben. Doch das Spiel verändert sich und so tut es auch der durchschnittliche Kunde. Im Moment sieht es eben so aus, als wäre dies der Typ, der gerade Call of Duty geschlossen hat und auf der Suche nach einer neuen Herausforderung ist.
Glaubt ihr, dass nun vor allem Gamer und nicht mehr Gambler die neuen Hobbyspieler sind bzw. werden? Wir freuen uns auf eure Kommentare.