Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Wie kann man das Problem von Echtzeit-Solvern lösen?

Welche Optionen hat die Pokerindustrie, der Gefahr von Echtzeit-Solvern entgegenzutreten, die Spielern einen unfairen Vorteil an den virtuellen Tischen verschaffen können.





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Ein Solver ist immer nur so gut wie der Spieler, der ihn nutzt

Poker hat in regelmäßigen Abständen schon immer eine existenzielle Krise erlebt. Online-Poker selbst galt für einige Zeit als Gefahr für das Spiel an sich, nachdem dadurch neue Formen von Collusion, Superuser-Zugriffe und anderes möglich wurde. Irgendwann später wurden Stimmen laut, dass Trackingsoftware und Gameselection für ein Sterben der Partien sorgen würden. Mittlerweile hat man in den modernen leistungsstarken GTO-Solvern die nächste entscheidende Gefahr ausgemacht.

Ein Solver macht im Kern nichts anderes, als eine Hand mit einer Vielzahl an Simulationen zu analysieren, um mit den gegebenen Informationen die bestmögliche Entscheidung zu finden. Das hat natürlich für einige Sorgenfalten bei Pokerspieler gesorgt, wer eine Zeit lang mit Solvern gearbeitet hat, weiß jedoch, dass sie bei Weitem nicht die Gefahr mit sich bringen, wie man auf den ersten Blick vermuten könnte. Die Lösung ist immer nur so gut wie die Annahmen, mit der man den Solver gefüttert hat, und es ist eine hohe Expertise vonnöten, um überhaupt zu verstehen, warum ein Solver in den entsprechenden Spots eine bestimmte Aktion empfiehlt. Auf den kleineren Stakes stellen sie zudem kaum eine Gefahr dar, war Solver grundsätzlich von einer starken Gegnerschaft ausgehen, die einigermaßen nah am spieltheoretischen Optimum agieren. Darüber hinaus wird derart viel Rechnungsleistung gebraucht, dass es nahezu unmöglich ist, die Lösungen auch in Echtzeit zu nutzen.

Es scheint gerade bei der letzten Einschränkung allerdings mittlerweile einen Workaround zu geben. Dem deutschen Highstakes-Spieler Fedor Kruse wird aktuell die Nutzung einer umfangreichen GTO-Datenbank während des Spielens vorgeworfen, in der tausenden von vorab gelösten Händen gespeichert sind in einem Umfang, der ausreicht, dass er eine vergleichbare Hand zu den meisten Spots vorliegen hat, die ihn in einer Session erwarten können. Anstatt einen Echtzeit-Solver zu nutzen, soll er also vielmehr auf eine Datenbank mit Vorablösungen zugegriffen haben.

Es ist ein Graubereich

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Das angebliche Setup mit zwei Computern

Manch einer könnte nun argumentieren, dass es keine Form von Betrug sei, da es sich nicht von der Nutzung eines SnapShove-Charts oder eines Buchs unterscheidet, das während einer Session auf dem Schreibtisch liegt. Der Unterschied ist jedoch, dass die Gegenbeispiele allesamt in ihrer Komplexität deutlich eingeschränkter daherkommen, wodurch nur ein geringer Teil von möglicherweise auftretenden Spots abgedeckt werden kann, sodass sie viel eher als Erinnerungsstütze für etwas bereits Gelerntes dienen. Wenn ich zum Beispiel eine 10-Big-Blind-Shoverange an meinen Monitor anhefte, dann habe ich zumindest vorab gelernt und für mich entschieden, dass genau das eine profitable Range in solch einem Spot ist.

Wenn die Vorwürfe gegenüber Kruse stimmen, dann hat er auf Informationen während des Spielens zugegriffen, die er zuvor nicht gekannt oder gelernt hatte. Anstatt sich also lediglich daran zu erinnern, was er bereits weiß, wurde ihm vielmehr die Antwort auf eine Frage geliefert, die er noch nie zuvor gestellt hat. Es ist nicht einmal sicher, ob er überhaupt weiß, warum er eine bestimmte Spielaktion bringen sollte.

Es ist zwar ein schmaler Grat, es gibt jedoch eine klare Grenze zwischen dem Abruf von etwas, was man zuvor bereits gelernt hat, und dem blinden Befolgen von Spielaktionen, die einem von einer Software nahegelegt werden.

Wie aber kann man verhindern, dass Spieler einen Zugriff auf eine derartige Datenbank haben, ohne dass es von Anbieter erkannt wird? Und wie reagieren wir, wenn Solver irgendwann über genug Rechenleistung verfügen, dass sie tatsächlich in Echtzeit Lösungen für jedwede Spots liefern können?

Die Pokerräume werden mit absoluter Sicherheit eine neue Reihe an Vorkehrungen einführen müsse, um die Integrität der Partien zu wahren. Bereits jetzt werden zum Beispiel ungewöhnliche Mausbewegungen beim Spielen registriert. Kruse soll diese Sicherheitsmaßnahme aber umgangen haben, indem er schlichtweg zwei Computer mit zwei separaten Mäusen genutzt hat. Wie soll die Nutzung einer Datenbank überhaupt erkannt werden, wenn sie sich auf einem anderen System befindet?

An manch einer Stelle werden bereits Forderungen laut, dass die Online-Partien mehr in Richtung Live-Poker gestaltet werden und eine Webcam zur Vorschrift wird, wenn man Platz nehmen möchte. Das mag absurd klingen und äußerst fragwürdig mit Blick auf die Privatsphäre von Spielern, nichtsdestotrotz gibt es durchaus Befürworter für eine solche Sicherheitsvorkehrung. Gesichtserkennungssoftware ist bereits in der Mache und die gestiegene Anzahl an Homegames zwischen Freunden hat ohnehin dafür gesorgt, dass es eine erhöhte Nachfrage nach solch einem Webcam-Feature gibt.

Die Spiele schwer lösbar machen

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Die Formate im Wandel halten, sodass Solver nicht hinterherkommen

Ich persönlich bevorzuge jedoch eine andere, elegantere Lösung, die nicht Spieler von Online-Poker abhält, weil sie schlichtweg nicht ihr Gesicht dabei zeigen wollen. Man könnte auch regelmäßig minimale Änderungen im Format der Partien implementieren, die einen Solver deutlich nutzloser machen. So soll Kruse fast immer mit 100BB unterwegs gewesen sein und damit nahezu perfekt gespielt haben, während er in Pötten mit effektiv 30BB teilweise Anfängerfehler produziert haben soll. Es liegt also nahe, dass die GTO-Datenbank für 100BB-Spots mit einer riesigen Anzahl an Samplen vorgesehen war. Wenn die Partien sich jedoch regelmäßig ändern, sodass Zoom zum Beispiel eine Weile lang mit 125BB und plötzlich nur noch mit 75BB gespielt wird, oder eine Woche lang mit Antes, in der nächsten dann aber mit einem Straddle, dann wird es schwierig für einen Spieler, der sich nur auf einen Solver verlässt, zu bestehen, während ein tatsächlich guter Spieler sich entsprechend anpassen kann.

PokerStars hat viel Häme für Testformate wie Fusion, Unfold und Split Hold'em bekommen, ich persönlich fand jedoch, dass man einen guten Ansatz gefunden hat, um die Formate regelmäßig mixen zu können. Ein guter Spieler kann sich schnell an eine neue Partie und neue Strukturen anpassen, weil er über ein hohes Spielverständnis verfügt. Ein schwacher Regular, den nur ein Solver zu einem guten Spieler macht, würde bei einem ständigen Wechsel von Format und Struktur völlig untergehen. Es bedarf gar nicht viel, um einen Echtzeit-Solver oder die angebliche GTO-Datenbank nutzlos zu machen. Mit Cash Drops, Bomb Pots, Antes, Straddles, unterschiedlichen Blindanzahlen etc. hat man bereits etliche Features zur Hand, die umgehend für deutlich mehr Komplexität sorgen würden.

Die Partien werden dadurch auch deutlich unterhaltsamer für Hobbyspieler, die nicht unmittelbar gecrusht werden, sondern vermutlich zu mehr Erfolgserlebnissen kommen würden. Darum erfreuen sich PKO-Turniere im MTT-Bereich auch derart großer Beliebtheit. Sie bieten ein Mehr an Spannung durch die vorhandenen Kopfgelder und sind dadurch gleichzeitig auch schwieriger zu lösen.

Solange die Pokerindustrie mit genug Seriosität der Gefahr von Solvern entgegentritt und sich der Ernsthaftigkeit des Problems bewusst ist, solange gehe ich auch nicht davon aus, dass es sich irgendwann online ausgepokert hat, weil jeder in Echtzeit für jeden erdenklichen Spot das spieltheoretische Optimum abrufen kann. Wenn es aber unmöglich wird, Menschen daran zu hindern, die Partien in Echtzeit zu lösen, dann muss man die Partien eben wieder schwieriger gestalten.

Wie würdet ihr dem Problem von Echtzeit-Solvern als Anbieter entgegentreten? Wir freuen uns auf eure Kommentare!