Barry Carter: Skepsis gegenüber der International Stadiums Poker Tour
Trotz unseres exklusiven Interviews mit Laurent Tapie, in dem er das Event bestätigte, hat PokerStrategy.com-Kolumnist Barry Carter immer noch jede Menge Fragen zur International Stadiums Poker Tour.
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| Laurent Tapie |
Als ich zum ersten Mal von der International Stadiums Poker Tour (ISPT) mit einem garantierten Preispool von $30 Millionen hörte, hatte ich Zweifel, dass ein solches Event tatsächlich in Planung sei. Dann hat letzte Woche Laurent Tapie in einem exklusiven Interview mit PokerStrategy.com bestätigt, dass das Turnier tatsächlich stattfinden soll.
Leider bin ich jedoch immer noch genauso skeptisch wie zuvor.
Ich hasse Schlechtmacherei und ich liebe Menschen, die Trübsal blasenden Zweiflern beweisen, dass sie falsch liegen. Bedauerlicherweise muss ich jetzt aber einer derjenigen sein, die zweifelnd den Finger heben. Wenn ich falsch liege, freue ich mich, mich zum Narren gemacht zu haben, weil es großartig für Poker sein könnte. Aber ich sehe einfach nicht, wie dieses Event so stattfinden kann, wie es momentan geplant ist.
Um es kurz in Erinnerung zu rufen: Die ISPT soll an fünf Tagen im September 2012 in der Wembley Arena stattfinden. Sie wird mit 20.000 bis 30.000 Spielern starten, die im Stadion auf ihren Plätzen sitzen und auf elektronischen Pads Poker spielen. Wenn die Größe des Felds auf 3.000 Spieler geschrumpft ist, wird das Spiel an echten Tischen in der Stadionmitte weitergehen, bis hin zum Final Table. Der Preispool ist mit garantierten $30 Millionen angekündigt.
Schlechtes Timing
Meine ersten Bedenken gehen in Richtung Zeit, in der die ISPT ins Leben gerufen wird. Online-Poker befindet sich in seinem größten Abwärtstrend seit seiner Einführung und die Macher der Tour sind momentan in den größten Skandal verwickelt, den das Spiel jemals erlebt hat.
Allerdings muss man natürlich sagen, dass sie in keiner Weise etwas für das können, was zuvor bei Full Tilt passiert ist. Sie sehen momentan vielmehr wie die potenziellen Ritter in glänzenden Rüstungen aus, welche die Spieler retten könnten.
Aber steht die Pokeröffentlichkeit hinter diesem Event, bis das passiert? Erscheint es nicht ziemlich verfrüht, solch ein Event anzukündigen, wenn ein für die gesamte Pokerindustrie um einiges wichtigerer Deal noch nicht zum Abschluss geführt wurde?
Die Tapies wollen vielleicht Full Tilt und die ISPT komplett voneinander getrennt halten, aber die Poker-Community wird das Eine unausweichlich mit dem Anderen verbinden. Solange sie Full Tilt nicht zur Zufriedenheit der Spieler retten können, wird ihr Unternehmen kaum ernst genommen.
Aber betrachten wir einmal die reinen Zahlen des Events. Selbst wenn das Problem des Platzes für 3000 Tische durch die Nutzung elektronischer Pads gelöst wird: Erwarten wir tatsächlich 30.000 Spieler, die sich für $1.000 direkt einkaufen bzw. Satellites spielen?
Der bisherige europäische Rekord in Sachen Teilnehmerzahlen liegt in Europa bei 1.765 und in Vegas bei 8.773. Können wir wirklich davon ausgehen, dass diese Rekorde in einem solchen Maße von einem noch nicht etablierten Event pulverisiert werden? Immerhin war nicht einmal eine derart angesehene Marke wie die WSOP in der Lage, den Rekord aus dem Jahr 2006 zu brechen.
Fragwürdige Partner
Viele der Tickets werden online gewonnen werden, aber wo? Für solch eine Nachfrage wird ein sehr großer – und damit meine ich riesiger – Pokerraum benötigt, um die Ausrichtung der Qualifier zu gewährleisten. An diese Größe kommt nur PokerStars heran. Tatsächlich kann ich mir nicht einmal vorstellen, dass das mächtige PokerStars momentan groß genug für diese Aufgabe ist, schon gar nicht sehe ich, dass sie in diesem Projekt mitmischen werden.
Kein anderer Raum, auch keine Kombination von Pokerräumen, kann davon träumen, diese Masse an Qualifiern auszurichten (besonders wenn wir davon ausgehen, dass US-Spieler keine Möglichkeit haben werden, sich online zu qualifizieren), besonders kein wiederbelebtes Full Tilt.
Der einzig mögliche Weg für die Durchführung solch einer Qualifikation wäre der, dass alle großen Pokerräume Qualifier anbieten würden, ähnlich wie auch für die WSOP überall Satellites veranstaltet werden. Dieses Szenario ist nicht jenseits des Möglichen, aber es bringt mich zu meinem nächsten Kritikpunkt.
Bislang haben alle Partner, die beteiligt sind, nichts mit Poker am Hut. Das ist für mich nie ein gutes Zeichen, da die meisten Mainstream-Werbetreibenden nicht einmal in die Nähe von Poker gerückt werden wollen. Ich würde mich deutlich wohler damit fühlen, wenn ein großer Online-Raum oder eine Pokermarke mit dem Event verbunden wäre, aber die bisherige Abwesenheit eines Partners, der etwas mit Poker zu tun hat, ist sehr beunruhigend – sowohl wenn jemand gefragt worden wäre, aber abgelehnt hätte, als auch wenn gar nicht erst jemand diesbezüglich kontaktiert worden wäre.
Einer der Partner ist Orange, welcher die 30.000 Tablets und die für solch ein Event benötigte Bandbreite zur Verfügung stellt. Wird das nicht unglaublich teuer? Ob es nun ein bereits existierendes Tablet wie ein iPad oder ein speziell hergestelltes sein soll: Wenn man die Faktoren Bandbreite und Versicherung mit einbezieht, kostet ein Exemplar dann nicht an die $1.000?
Ich bin kein Experte, korrigiert mich also wenn ich mit meinen Zahlen falsch liege, aber das alleine würde von den Kosten her dem gesamten Preispool entsprechen. Selbst wenn die Kosten pro Stück Richtung $100 gehen, würde der gesamte Rake quasi für nur einen Posten ausreichen, bevor wir überhaupt über weitere Kosten wie die Miete eines Stadions sprechen können.
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| Veranstaltungsort des ISPT-Events: Das Wembley Stadion in London |
Das sind aber nicht die einzigen logistischen Bedenken, die ich gegenüber dem Event habe. Auf den Tribünen eines Stadions wie Wembley fünf Tage lang zu sitzen, wird ziemlich unkomfortabel sein, besonders wenn man bedenkt, wie kalt es oftmals in London ist. Ich wage gar nicht darüber zu spekulieren, was passieren würde, wenn es regnete.
Laurent Tapie hat gesagt, dass der Preispool bereits treuhänderisch gesichert sei, was ein gutes Zeichen ist. Aber darüber hinaus gibt es eine Menge Fragezeichen. Das Datum wurde bereits vom Mai auf den September verlegt. Ich habe außerdem mit dem Pressesprecher des Wembley-Stadions gesprochen, welcher mich darüber informierte, dass das Event noch nicht zu 100% bestätigt sei. Tapie sagte zudem in seinem Interview, dass sie noch nicht die benötigten Glücksspiellizenzen akquiriert hätten, um das Event durchführen zu können.
Der Preispool mag garantiert sein, aber das Event selbst ist weit davon entfernt, garantiert stattzufinden.
Ich hoffe, ich liege falsch und in dem Moment, in dem das klar wird, werde ich froh zu Kreuze kriechen und der größte Fan der ISPT sein. Ich werde über mich Dummkopf lachen, dass ich es jemals anzweifeln konnte. Aber bis dahin kann ich nicht anders als mir zu viele Fragen zu stellen. Und das in einer Zeit, in der die Kunden mehr Sicherheit denn je brauchen, um ein Event als seriös einzuschätzen.
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