Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Der November Nine-Effekt

Der Triumph beim Main Event der WSOP resultiert meist in weiteren Erfolgen für die Spieler, denen es gelingt, das prestigeträchtigste Turnier zu gewinnen. Es scheint aber auch so, dass allein das Erreichen der November Nine ebenfalls ein gutes Omen für zukünftige Erfolge ist.

Countdown zu den November Nine: Noch 8 Tage

Die Verzögerung des Final Tables des Main Events der World Series of Poker hat ein vollkommen neues Ziel für Pokerspieler geschaffen. Neben dem Gewinn eines Bracelets und natürlich dem Triumph beim Main Event wollen wir alle in unserer Karriere einmal Teil der November Nine sein.

Der exklusiven Gruppe der neun Spieler anzugehören, die Monate warten müssen, bis sie einen Gewinner bestimmen können, ist mittlerweile wohl ein genauso begehrter Erfolg wie der Gewinn eines Bracelets. Das lag hauptsächlich an der Tatsache, dass man vor dem Black Friday darauf zählen konnte, dass PokerStars und Full Tilt Poker den letzten neun Spielern im Main Event stets äußerst lukrative Sponsorenverträge über sechsstellige Beträge anboten.

Wie wir alle wissen, sind diese Tage vorbei. Allerdings scheint es nach wie vor so, als ob das Erreichen der November Nine immer noch ein gutes Omen ist - selbst für diejenigen, die nicht den ersehnten finalen Triumph erreichen.

Das kann man daran sehen, dass viele der ehemaligen November Niner, die das Main Event letztendlich nicht für sich entscheiden konnten, sich dennoch einen Namen in der Pokerszene gemacht haben.

Die November Nine 2008

Die allerersten November Niner haben sicherlich am meisten von ihrem Erfolg profitiert. Wir alle wissen, dass Peter Eastgate anschließend zur Genüge bewiesen hat, dass er ein würdiger Weltmeister ist. Aber auch die meisten seiner Gegner am damaligen Final Table waren im Anschluss an das Main Event ebenfalls sehr erfolgreich.

Ylon Schwartz mag vielleicht nach seinem 4. Platz nach wie vor nicht jedermann bekannt sein, allerdings hat er in den Folgejahren immer wieder großartige Erfolge bei der WSOP feiern können. Elfmal kam er seit 2008 bei der World Series of Poker ins Geld und erreichte zudem zwei weitere Final Tables.

Der Kanadier Scott Montgomery erreichte 2008 den 5. Platz und hat sich seitdem ebenfalls einen Namen in der Pokerwelt gemacht. Er hat weiterhin hohe Turniergewinne eingefahren und sicherte sich bei der WSOP 2010 sein erstes Bracelet und $481.760 durch den Sieg im $1.000 No-Limit Event. Noch erwähnenswerter ist vielleicht sogar die Tatsache, dass er als Freund der WSOPE-Siegerin Annette Obrestad die eine Hälfte des neuen Power-Paares in der Pokerszene verkörpert.

Erfolg und Skandal
für Chino Rheem

Der damalige Zweitplatzierte, Ivan Demidov, profitierte ebenfalls vom Erreichen der November Nine. Als die restlichen Spieler des Final Tables darauf warteten, nach Vegas zurückzukehren, gelang ihm ein äußerst seltener Erfolg, als er im selben Jahr auch den Final Table des WSOPE Main Events erreichte und dort 3. wurde.

Dennis Phillips begann den Final Table als Chipleader, verlor aber seinen Vorsprung und wurde letztendlich Dritter. Seitdem ist er ein treuer Botschafter des Spiels und veröffentlicht regelmäßig seinen eigenen Poker-Podcast.

Auch an den Tischen konnte Phillips im Anschluss an das Main Event 2008 eindrucksvolle Erfolge feiern. So erreichte er bei der letzten NBC Heads-Up Championship den 3. Platz für $125.000 und gewann in diesem Monat in Hammond einen WSOP Circuit-Ring.

In die wohl berüchtigtste Story rund um die November Niner des Jahres 2008 war David "Chino" Rheem verwickelt, der im Anschluss ein WPT Main Event für $1,7 Millionen gewann und das allererste Epic Poker League Main Event für $1 Million.

Mit solch einer Bilanz hätten wohl die meisten Spieler ausgesorgt. Rheem allerdings ist die kontroverseste Person in unserer Liste und Geschichten über dubiose Schulden übertreffen selbst seine Erfolge an den Tischen.

Eric Buchman
Eric Buchman
 

Die November Nine 2009

Der Zweck der November Nine war es Stars aus den Spielern des Final Tables zu machen, sodass man das eigentliche Event noch besser vermarkten konnte. Das sollte 2009 jedoch kein Problem darstellen, als der wohl beste Spieler der Welt den Final Table erreichte, den letzten Endes allerdings Joe Cada für sich entschied.

Seiner damaligen Sammlung von fünf Bracelets, die er neben weiteren Titeln und Auszeichungen in den Jahren zuvor gewonnen hatte, konnte Phil Ivey bei der WSOP 2009 zwei weitere Bracelets hinzufügen. 2010 errang Ivey ein weiteres WSOP-Bracelet (insgesamt nun 8) und nur sehr wenige Spieler bezweifeln, dass nach seiner Rückkehr zum Poker weitere folgen werden.

Ivan Demidovs Erreichen des Final Tables des Main Events der WSOP & WSOPE 2008 hat für viel Aufsehen gesorgt. Jeder, der sich damals fragte, ob solch ein Erfolg wiederholt werden kann, bekam seine Antwort recht schnell, als James Akenhead und Antoine Saout dasselbe ein Jahr später erneut gelang.

Seitdem konnte Akenhead weitere Erfolge feiern, unter anderem gewann er 2009 die Poker Million und erhielt dafür $500.000.

Eric Buchman, der 2009 im Main Event den 4. Platz erreichte, war damals einer der weniger bekannten Spieler, hat allerdings seitdem auch einige beachtliche Erfolge vorweisen können. So gewann er im darauf folgenden Jahr sein erstes Bracelet durch den Sieg im $2.000 No-Limit Event und in diesem Jahr erreichte er bei zwei weiteren Bracelet-Events jeweils einen 2. und einen 3. Platz.

Matt Jarvis
Matthew Jarvis
 

Die November Nine 2010

So wie sich 2009 alles um Phil Ivey drehte, war das Hauptthema 2010 Michael Mizrachi. Nach steuerlichen Problemen legte der Grinder eine triumphale Rückkehr in die Pokerszene hin, indem er erst die $50.000 Players Championship gewann und im Anschluss den Final Table des Main Events erreichte.

Seiner langen Liste an Erfolgen konnte er letzten Monat einen weiteren hinzufügen, als er bei der WSOPE das 10.000€-Mixed-Format Bracelet und 336.008 Euro gewann.

John Racener verpasste 2010 im Heads-Up das Bracelet nur knapp, hat seitdem jedoch einige weitere Final Tables erreicht (unter anderem in drei Bracelet-Events). Zudem belegte er beim WPT Championship Event einen hervorragenden 4. Platz.

Matthew Jarvis, der 8. des Main Events 2010 wurde, ist ein weiterer Spieler, der im Anschluss an das Erreichen der November Nine ein Bracelet ergattern konnte: Dieses Jahr gewann Jarvis das $5.000 6-max Event und erhielt dafür insgesamt $808.538.

Die November Nine 2011

Der Final Table des Main Events der WSOP 2011 hat noch nicht einmal begonnen, aber schon zeigt sich der November Nine-Effekt durch die Tatsache, dass zwei Spieler während der Pause bedeutende Titel ergattern konnten.

Von einem dieser Titel wollen wir noch nicht berichten, da wir nicht das Ergebnis eines zuvor aufgenommenen TV-Turniers vorwegnehmen wollen, aber falls euch Spoiler nicht weiter stören: Google ist euer Freund!

Matt Giannetti
Giannetti kehrt als WPT-Champion
nach Vegas zurück

Den größten Erfolg während der viermonatigen Pause erzielte Matt Giannetti, der sich im September den Titel der WPT Malta und 200.000 Euro sicherte.

Er wird an den Final Table des Main Events als 3. des Chipcounts zurückkehren, und falls Selbstvertrauen etwas bringen sollte, wird er einer der Spieler sein, die es nächstes Wochenende zu schlagen gilt.

Die Spieler, die seit der Einführung der November Nine das Main Event nicht für sich entscheiden konnten, haben also im Anschluss über die Jahre insgesamt einen WSOP-C-, zwei WPT-, zwei TV-Turnier- und fünf WSOP-Titel eingefahren.

Das ist ein ziemlich beachtlicher Ertrag für 32 Spieler innerhalb von 4 Jahren, die sich alle schon etwa eine Million Dollar für das Erreichen des Final Tables gesichert hatten.

Ein Teil der November Nine zu sein, öffnet diesen Spielern sicherlich viele Türen und ermöglicht ihnen die Teilnahme an Turnieren, die sie normalerweise nicht gespielt hätten. Ein Grund für die anschließenden Erfolge könnte sein, dass die beachtlichen Summen, die man am Final Table des Main Events gewinnen kann, dafür sorgen, dass die Spieler das Gefühl des Freerollings bei anderen Events bekommen.

Oder die Erfolge resultieren einfach aus der Tatsache, dass das Erreichen des Final Tables des WSOP Main Events zunächst einmal jede Menge Skill voraussetzt, über den all diese Spieler mit Sicherheit verfügen.

folgt @Barry_Carter auf Twitter.