Sind Play-Money-Spieler Fische auf den Microstakes?
Wir nehmen uns heute der Frage an, ob auch die Besten unter jenen, die nicht um echtes Geld spielen, an den $0,01/$0,02 Tischen untergehen würden.

In der letzten Woche haben wir euch von Chris Moneymaker berichtet. Er ist momentan der zweitgrößte Gewinner der Spielgeldtische bei PokerStars.
Genau wie sein Teamkollege Barry Greenstein. Beide spielen erfolgreich um Spielgeld, denn als Team PokerStars-Pro mit Wohnsitz in den USA ist es die derzeit einzige Möglichkeit, von ihrer Heimat aus zu spielen.
Man könnte nun natürlich davon ausgehen, dass sie die mit Abstand besten Play-Money-Spieler sind, denn sogar die Kluft zwischen den Play-Money- und Spielern auf $0.01/$0.02 sollte doch gewaltig sein.
Aber ist diese Behauptung fair? Bleibt auch der beste Play-Money-Spieler der Welt noch ein Fisch auf den kleinsten Stakes der Echtgeldspiele?
Niemand nimmt Spielgeld ernst

An der Spitze des Spielgeld-Rankings, genau über Moneymaker, steht ‘Dash_Lane’. Er besitzt 17.603.388.798 Chips, welche beim Verkauf einen Gegenwert von über $20.000 hätten. ‘Dash_Lane’ ist also so etwas wie der Phil Ivey des Spielgelds.
Wie dem auch sei, sobald es um echtes Geld geht, verändert sich das Spiel. Letztes Jahr sprachen wir mit dem PokerStrategen und PokerStars-Pro Mati312, der einst ebenfalls mit Spielgeld anfing. Er stimmte zu:
“Viele Leute spielen Play Money nicht ernsthaft, deshalb ist der Skillunterschied im Vergleich zu den Echtgeld-Partien enorm. Auch von Highstakes Play Money zu den Microstakes beim Echtgeld. Beim Spielgeld war ich ein Gewinner, wurde aber zum Losingplayer, als ich an die $0.05/$0.10 Ringgame-Tische wechselte.”
Ich denke der Grund, warum Play-Money-Meister nicht dafür bereit sind, um echtes Geld zu spielen, ist der psychologische Effekt, der beim Setzen von Geld auftritt. Wenn man um Geld spielt, und sind die Beträge noch so klein, zeigt sich, wie gut man mit Risiko und Druck umgehen kann. So etwas gibt es beim Spielgeld nicht, deshalb wird dort auch nicht wirklich gefoldet.
Die Angst vor dem Verlust ist riesig

Der Schmerz beim Verlieren von Geld ist so groß, dass wir daraus lernen. Außerdem ist Geld so anziehend, dass es uns dazu motiviert länger und härter zu arbeiten, um es zurückzugewinnen.
Der Mental-Game-Coach Jared Tendler ist der gleichen Meinung:
"Allgemein unterschätzen Menschen, wie sich Spiele, nicht nur Poker, beim Einfluss von Druck verändern. Der Unterschied zwischen Spiel- und Echtgeld-Poker ist groß. Er ist genauso groß, wie der Unterschied mit jemandem mitzufiebern oder selbst zu spielen. Wenn man zusieht, ist es einfach Details der Action wahrzunehmen und klar zu denken, denn es gibt KEINEN DRUCK. Sobald man sich aber selbst zum Spielen hinsetzt, erwarten uns bei falschen Entscheidungen Konsequenzen und es wird schwieriger gut zu spielen."
Außerdem wird die Grausamkeit der Varianz erst so richtig deutlich, wenn es um echtes Geld geht. Manche können nicht damit umgehen, wenn sie unglücklich Geld verlieren, und werden deshalb niemals zu guten Spielern. Andere schaffen sich ein dickes Fell an, wenn es um Varianz geht, und werden eines Tages vielleicht sogar Profis. Sogar extrem erfahrene Echtgeldspieler haben ihre Mühe damit, die unfaire Natur von Glück zu verstehen. Beim Spielgeld wird man darauf überhaupt nicht vorbereitet.
Play Money ist fantastisch und sehr wichtig für das Spiel. Es ist wohl die beste Möglichkeit die Regeln zu lernen, sich mit der Software vertraut zu machen und für viele Leute so unterhaltsam, dass sie nie damit aufhören. Wenn man Poker jedoch ernsthaft spielen will, muss man auch echtes Geld aufs Spiel setzen.
Ist das Spielen um Spielgeld eine gute Vorbereitung auf die Echtgeldtische? Ist der beste Play-Money-Spieler immer noch ein Fisch auf den Micros? Lasst es uns in den Kommentaren wissen.