Wird Molly's Game der nächste große Pokerfilm?
Könnte die wahre Story über die Homegames in Hollywood der erste wirklich gute Pokerfilm nach dem Boom werden?

Obwohl Rounders sicher nicht der beste Film aller Zeiten ist, hat er das Prädikat gut verdient. Ein gutes Drehbuch, gut produziert, gute Schauspielleistungen und eine (zur Entstehungszeit) positive Darstellung von Poker. Deswegen und wegen der Veröffentlichung kurz vorm Pokerboom, bekamen die Zuschauer Lust auf mehr Filme dieser Art. Auf einen Film mit dieser Qualität wartete man bisher jedoch vergebens.
Viele sind sich einig, dass ziemlich alle nachfolgenden Pokerfilme schlecht waren. Casino Royale ist großartig, die Pokerszenen waren jedoch überspitzt. Es gab seitdem einige fantastische Dokumentationen über die Pokerwelt, die fiktiven Werke konnten aber nicht überzeugen und sorgten eher für gähnende Langeweile.
Molly's Game könnte nun endlich das Zeug dazu haben, diese Serie zu brechen. Er erzählt die Geschichte der Highstakespartien mit Stars wie Ben Affleck, Tobey Maguire, Leonardo Dicaprio, A-Rod und Matt Damon. Die Runde fand schließlich durch das FBI ihr Ende.
Die Story vom Aufstieg und Fall

Es gibt einige Indikatoren, warum Molly's Game wirklich gut werden könnte. Zunächst macht der Film nicht den Fehler, ausschließlich Poker zu zeigen. Pokerzentrierte Filme sind für richtige Fans nicht authentisch genug, auf der anderen Seite aber zu verwirrend für das pokerfremde Publikum. Sie werden also keiner der Zuschauergruppen gerecht. Stattdessen gibt es die hollywooderprobte Geschichte vom Aufstieg und Fall, wie man sie aus Gangsterfilmen kennt.
Außerdem ist einer der Blickpunkte im Buch (und voraussichtlich auch im Film) die Verunglimpfung Tobey Maguires. In der Vorlage lernen wir, dass er in diesen privaten Runden Unsummen von Geld gewonnen hat und er einer der größten Gewinner aller Zeiten sein könnte. Es wird aber auch davon berichtet, wie er die Grenzen des Regelwerks zu seinen Gunsten ausnutzt, sich dem Personal gegenüber rüpelhaft benimmt, ein divenhaftes Verhalten an den Tag legt und zudem wenig Trinkgeld gibt. So haben wir also nicht nur die turbulente Story um Molly Bloom, sondern mit Maguire auch noch einen Unsympath, über den man sich aufregen kann.
Interessant wird auch, ob die Schauspieler im Film die realen Hollywoodstars verkörpern und sie wie im Buch beim Namen genannt werden, oder ob es sich um eine kreativere Umsetzung mit fiktiven Charakteren und geänderten Namen handelt. Hält man sich an die Wirklichkeit, so könnte der Film durch die negative Darstellung Maguires ordentlich Publicity erhalten. Dem gemeinen Zuschauer wird nämlich nicht bewusst gewesen sein, wie schlecht Spiderman im Buch wegkommt.
Es wäre für Hollywood jedoch ungewöhnlich, wenn man sich dafür entscheiden würde, die noch aktiven Megastars in einem schlechten Licht stehen zu lassen. Die Industrie gleicht einer exklusiven Gesellschaft und die Produktionsfirma würde sich im Bezug auf zukünftige Kooperationen mit Damon, Affleck, DiCaprio oder Maguire ins eigene Fleisch schneiden. Authentische Storys haften zudem sehr an ihrer Quelle. Eine frisierte Version könnte also auch zum Wohle der Spannung die bessere Entscheidung sein.
Ein Buch und Regisseur von Qualität

Der vielleicht beste Grund für die freudige Erwartung auf die Verfilmung könnte Aaron Sorkin selbst sein. Er führt nicht nur Regie, sondern bearbeitet auch das Drehbuch. Zu seinen vorherigen Projekten gehörten u.a. The West Wing, The Newsroom, A Few Good Men, Charlie Wilson's War, The Social Network, Moneyball und Steve Jobs – allesamt exzellente Filme. Außerdem ist das Buch Molly's Game bereits gut geschrieben. Molly Bloom liefert also die Grundlage für einen wirklich guten Film.
Das Problem, dem sich viele Pokerfilme stellen müssen, ist der erfolglose Versuch Action an den Tischen zu erzeugen, ohne das Mainstreampublikum dabei abzuholen. Oft ist die Partie auch nur ein erzählerisches Mittel, um alle Protagonisten in einen Raum zu bekommen. Dabei handelt es sich also gar nicht um einen wirklichen 'Pokerfilm'.
Molly's Game hat das Potenzial zu einem guten Film über Poker, der zeitgleich die interessanten Nebenaspekte des Spiels darstellen kann. Dies könnte für Aaron Sorkin das richtige Mittel zum Erfolg werden.
Denkt ihr, dass der Film gut wird? Schreibt es uns in die Kommentare.