Sind Mixed Games profitabler als Hold'em?
Sollte ein Neueinsteiger sich lieber von No-Limit Hold'em fernhalten oder liegt hier immer noch genügend Value?

Die SCOOP liegt wieder einmal hinter uns und für viele Spieler ist sie das offizielle Warm-up für die WSOP. Immerhin bietet sie einen mörderisch langen Schedule, ist das letzte Majorevent vor der WSOP und vielleicht am wichtigsten: Man bekommt die Chance, Highstakesturniere abseits von No-Limit Hold’em zu spielen (diese werde ich zur Vereinfachung in diesem Artikel als Mixed Games bezeichnen).
Viele glauben, dass man durch das Spielen von Mixed Games einfacher an ein Bracelet kommt und dass die Partien ‘softer’ sind.
Das erste Statement hat etwas Wahres an sich, denn die Felder bei den Mixed Games sind viel kleiner. Für gewöhnlich sind auch der WSOP Player of the Series und/oder Spieler, die mehrere Bracelets in einem Jahr gewinnen, keine 'No-Limit Hold'em'-Regulars.
Dass Mixed Games softer sind, ist jedoch eine viel offenere Diskussion. Es scheint der allgemeine Konsens zu sein, da No-Limit Hold’em sehr beliebt ist, von guten Spieler gesättigt und es so rigoros studiert wurde. Es gibt also keinen Value mehr, es wurde ‘gelöst’.
Immer noch jung in der Onlineära

Mixed Games stecken im Vergleich dazu immer noch in den Post-Boom-Kinderschuhen. PLO zieht allmählich mit No-Limit Hold’em gleich, aber Stud, Badugi, Draw-Varianten, HORSE, Chinese Poker und Dealer’s Choice sind allesamt noch relativ unbekannt. Es gibt nur wenige Bücher und Strategievideos über Mixed Games. Ein paar Leute coachen in diesem Bereich, niemand kann aber wirklich eine große Sample an Händen vorweisen.
Informationen über No-Limit Hold’em sind viel einfacher zugänglich. Ein eigentlich untalentierter Spieler kann genug konsumieren, um sein Spiel auf ein ordentliches Niveau zu heben. Man muss nicht unbedingt brillant spielen, sondern exploitbare Leaks abstellen. Die vorherigen Generationen mussten aus ihren eigenen Fehlern lernen, heute können neue Spieler den Profis über die Schulter schauen und ohne harte Arbeit von ihrer Erfahrung profitieren.
In den Mixed Games gibt es nur wenige solcher Möglichkeiten, ein motivierter Autodidakt könnte also eine riesige Edge genießen. Hat man gutes Verständnis von Mathematik, Spieltheorie und Poker im Allgemeinen, ist es möglich, das Feld zu crushen.
Eine Variante, die Pros anzieht

Mein Problem mit diesen Theorien ist, dass sie die verschiedenen Anziehungskräfte ignorieren, wenn es um Mixed Games vs. No-Limit Hold’em geht. Die Meisten, besonders aber die neuen Spieler, wollen nicht verwirrt werden. Darum ist No-Limit Hold’em auch so beliebt. Jeder kennt das Sprichwort: ‘It takes a minute to learn and a lifetime to master’.
Auf der anderen Seite stehen die Mixed Games. Sie sind sehr kompliziert, sogar für erfahrene Spieler. Aus diesem Grund wird der typische ‘Fisch’ oder Gambler den Mixed Games eher fernbleiben. Darum ist der typische 'Mixed Games'-Spieler oft schon pokererfahren. Ihnen fehlen vielleicht spezifische Kenntnisse zu den einzelnen Formaten, dafür sind ihnen die wiederkehrenden Fundamente von Poker bekannt: Position, Spieltheorie, Tells etc. Darum gewinnen häufig Spieler WSOP-Bracelets in Events, welche sie nie zuvor gespielt haben.
Die Debatte, ob Mixed Games wirklich softer sind, führe ich jedes Jahr. Ich habe jedoch immer noch keine Antwort gefunden. Über euren Input würde ich mich sehr freuen. Denkt ihr, dass es für einen Anfänger besser wäre, wenn er nicht mit No-Limit Hold’em einsteigt? Oder liegt hier doch noch genügend Value? Schreibt es uns in die Kommentare.