Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Der Hearthstone-Guide für (alte) Pokerspieler

Barry Carter hat seit 13 Jahren kein Videospiel mehr gezockt. Was macht er also aus dem neuen e-Sport, der bei der Pokercommunity sehr beliebt ist?

ElkY Hearthstone
ElkY ist Poker- und Hearthstone-Pro

Seit dem letzten Jahr schreibe ich viel darüber, wie Poker sich als e-Sport neu positioniert hat. Man versucht sich weniger als Sport oder Casinospiel zu vermarkten. Auch Gamer sehen das Potenzial von Poker als Videospiel und die Pokerspieler freuen sich über Dinge wie Twitch. Die Industrie hat den Wert der ‘Gamifikation’ von Poker erkannt.

In letzter Zeit tauchte vor allem ein Spiel auf dem Pokerradar auf, nämlich Hearthstone. Erst in der letzten Woche gab es ein Crossover-Turnier von Poker und Hearthstone, ElkY wird von einem Sponsor unterstützt und auch Daniel Negreanu ist ein Fan des Spiels.

Theoretisch erinnert es sehr an World of Warcraft (woher auch die Grundidee stammt). Es gibt Drachen, Elfen, Zaubersprüche und andere bekannte Elemente aus der Fantasywelt. Im Wesentlichen ist es jedoch ein Heads-up-Spiel, ein Hybrid aus Poker, Top Trumps und Magic The Gathering. Die Betaversion von Hold’em X kommt dem Ganzen auch sehr nahe.

Ich dachte mir, dass ich über diese Verschmelzung von Poker und e-Sport nicht mehr schreiben kann, ohne selbst die Zehen ins Wasser gehalten zu haben. Also habe ich ein wenig Hearthstone gespielt. Ich spiele zwar Poker, es war aber mein erster Ausflug in die Videospielwelt seit ca. 13 Jahren (ich bin 36, ein Dino und damals war es Grand Theft Auto: Vice City). Ich bin also ein Fisch auf dem Trockenen.

A minute to learn, a lifetime to master

Daniel Negreanu plays Hearthstone
KidPoker

Ich könnte jetzt versuchen zu erklären, wie man Hearthstone spielt. Der beste Tipp ist es einfach herunterzuladen und sich hineinzustürzen. Es ist ähnlich wie beim Poker: Das Spiel ist leicht zu verstehen (und der Download kostenlos) und innerhalb der ersten zwei Minuten selbsterklärend. Es ist sogar einfacher, als die Basiskonzepte hier. Ich habe die ersten fünf Minuten damit verbracht mir einzureden, wie dumm das alles sei.

Danach hat es mich aber gepackt (so sehr, dass ich eine Woche später einen Blocker installiert habe, um mich davon abzuhalten, während der Arbeitszeit zu spielen).

Im Prinzip geht es darum den Gegner zu töten, bevor er dich tötet. Man wird mit einigen zufälligen Karten ausgestattet und bekommt im Draw jeder Runde eine weitere. Hierbei gibt es direkte Attacken, Minions (Soldaten, die bis zu ihrem Tod in jeder Runde angreifen) und eine Vielzahl von Spells, welche heilen, einen weiteren Draw, das Einfrieren des Gegners und vieles mehr bewirken können.

Die Ähnlichkeiten zum Poker sind nicht sofort sichtbar, mit wachsendem Spielverständnis wird dies aber immer klarer. Die randomisierten Karten sind wohl der größte gemeinsame Nenner. Man weiß vorher nie, was man bekommt und muss seinen Battleplan immer wieder anpassen. Man kann wertvolle Angriffskarten bekommen, mit denen es ein Leichtes ist, den Gegner zu schlagen. Hat man weniger Glück, bekommt man schwache Rags und kommt ins Schwimmen. Man könnte alles richtig machen, der Gegner bekommt jedoch das symbolische Ass und man ist geschlagen.

Das Spiel entwickelt sich stetig weiter

hearthstone deck
Das Deck wird immer weiterentwickelt

Ein Hauptunterscheidungsmerkmal vom Poker ist die stetige Weiterentwicklung des Spiels. Je mehr man spielt, desto mehr Charaktere entwickeln sich und man bekommt Spielkarten mit neuem Potenzial. Von diesen Karten gibt es Hunderte, alle haben verschiedene und komplexe Merkmale. Sich das alles zu merken ist schon ein Skill an sich. Adaptation ist also ein Muss, denn jeder Gegner ist anders zu spielen. Neue Karten werden fortlaufend produziert, das Spiel ist jeden Tag etwas anders. 

Im Spiel gibt es ein Rankingsystem, ähnlich wie beim Schach. Die Gegner befinden sich also immer auf eurem Level. So kann man die eigenen Fertigkeiten kontinuierlich steigern.

Wie beim Poker gilt: "It takes a minute to learn and no doubt a lifetime to master". Ich bin ein Hearthstone-Fisch und kann deshalb nicht beurteilen, welches Spiel das härtere ist. Ich würde zu Poker tendieren, nicht wegen dem Spiel selbst, sondern wegen der talentierten Topspieler. Klar ist aber, dass Hearthstone im Fundament das komplexere Spiel ist. Es ist viel mehr in Bewegung und verändert sich ständig.

Zumindest für Prop-Bets lernen

hearthstone screenshot
Ein Spiel, das süchtig macht

Hearthstone hat einen hohen Suchtfaktor. Vielleicht liegt es bei mir daran, dass ich seit 13 Jahren das erste Mal wieder gespielt habe. Mich hätten wohl viele Spiele an den Haken gekriegt, als Pokerspieler fühlte es sich hier jedoch so an, wie meine erste Partie Triple Draw – genügend Ähnlichkeit zu Hold'em, dennoch so anders, dass es mich auf anderen Ebenen anspricht.

Der große Unterschied ist natürlich, dass es bei Hearthstone nicht um echtes Geld geht. Als spannende Ablenkung oder Mittel für Prop-Bets ist es für Pokerspieler jedoch sehr empfehlenswert. In den nächsten Jahren wird die Pokercommunity wohl noch mehr Hearthstone und andere Spiele sehen, warum sollte man es also nicht selbst einmal probieren. Added DaveShoelace zu euren Freunden und lasst einen 36-Jährigen für einen kurzen Moment genießen, dass er vielleicht besser ist als der durchschnittliche Pokerspieler.

Spielt ihr Hearthstone? Mögt ihr es lieber als Poker? Schreibt uns eure Meinung in die Kommentare.

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