Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Alex 'Kanu7' Millar: "Live-Turniere sind wie unterklassiger Fußball"

Wir konnten uns mit dem britischen High-Stakes-Spezialisten über den Black Friday, die High-Stakes-Games und seinen Sponsoringdeal mit PokerStars unterhalten.

"Nach dem Black Friday musste ich in den Limits absteigen"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2013/11/04/alex_millar.jpgPokerStrategy.com: Alex, du hast im Oktober mehr als $1 Million gewonnen. Wenn ich normalerweise jemanden nach solch einem Erfolg interviewe, ist dies nach einem Turnier und es wird groß gefeiert. Du hast das Geld bei Cash-Games gewonnen - wie gehst du mit solchen Erfolgen um?

Alex Millar: Im Allgemeinen tendiere ich dazu, nicht zu sehr auszurasten. Ich hatte jetzt ein paar gute Monate, nachdem ich einen richtig schlechten Start zu Beginn des Jahres 2013 erwischt und viel Geld verloren hatte.

Um ehrlich zu sein, gehe ich damit ganz entspannt um: Ich habe mir nichts davon gekauft und ich habe auch nichts ausgezahlt. Es geht einfach normal weiter - ich kann also mit mehr Prozenten an mir selbst an den $400/$800-Tischen spielen und meine Bankroll weiter erhöhen.

PokerStrategy.com: Vor mehr als zweieinhalb Jahren fand der Black Friday statt. Wie hat sich dieses Ereignis auf deine Wahrnehmung für Geld ausgewirkt?

Alex Millar: Es hat die Größe meiner Bankroll enorm verändert, ich hatte zum damaligen Zeitpunkt die Hälfte meines Kapitals bei Full Tilt Poker. Ich musste in den Limits absteigen: Normalerweise spielte ich gegen gute Regulars an den $100/$200 Heads-Up-Tischen und plötzlich musste ich Action für die $25/$50 Tische verkaufen. In dieser Hinsicht war es wirklich eine große Sache.

Ich denke nicht, dass sich dadurch meine Wahrnehmung für Geld geändert hat. Es war aber bestimmt der frustrierendste Moment des Pokerspiels. Wenn man normalerweise Geld verliert, hatte man entweder viel Pech oder spielte eine Partie, die einfach zu tough war. Beim Black Friday war es anders - es fühlte sich so an, als ob mir irgendjemand die Hälfte meines Geldes gestohlen hatte.

Ich war nicht allzu sehr deprimiert, da es langfristig trotzdem gut aussah. Zudem war ich nicht arm und hatte genug Geld. Ich hatte mir vorgenommen, das FTP-Geld bis Ende des Jahres 2011 wieder reinzugrinden, auch wenn ich es generell gesehen nicht gut finde, wenn man sich solche Ziele setzt. Man kann den Ausgang des Ziels nicht wirklich beeinflussen...ich habe es zum Glück aber geschafft.

Als PokerStars dann Full Tilt Poker gekauft hat, war das sicherlich ein guter Tag. Ich bekam das Geld zurück, verlor jedoch einen Großteil davon innerhalb von zwei Wochen bei Heads-Up-Matches - naja, so ist das halt einfach.

"Die High-Stakes-Games sind zurzeit ziemlich gut"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2013/11/04/gx_article_22789_w.jpgPokerStrategy.com: Die High-Stakes-Community ist relativ klein und durch deinen Sponsoringvertrag mit PokerStars stehst du nun verstärkt im Rampenlicht. Könnte dies zu Problemen an den Tischen führen?

Alex Millar: Ich habe definitiv Bedenken bei Interviews. Vor Kurzem erstellte ich mit einem Kollegen ein Video-Coaching für PokerStars und ich befürchtete, zu viel über mein Spiel zu verraten. Ich möchte Fragen ehrlich beantworten, aber es gibt Dinge, über die ich nicht sprechen will. Manchmal sehe ich Interviews mit High-Stakes-Spielern und erfahre dann, wie sie in bestimmten Spots reagieren.

Die Edges auf diesen Limits sind winzig klein und selbst ein nebensächlicher Kommentar kann dich am Ende einen ordentlichen Geldbetrag kosten. Ich habe immer versucht, nicht im Rampenlicht zu stehen und nicht zu viele Interviews zu geben, aber PokerStars bezahlt mich dafür, dass ich sie repräsentiere. Deshalb muss ich mich stets vergewissern, nicht zu viele Informationen zu verraten.

PokerStrategy.com: Aber es gibt jetzt keine Überlegungen, wieder aus dem Sponsoringvertrag auszusteigen, um eher im Verborgenen zu spielen?

Alex Millar: Nein, in diese Richtung gibt es keine Pläne. Als PokerStars Full Tilt Poker kaufte, hat mir das meine halbe Bankroll gesichert. Als ich für PokerStars den SuperStar Showdown ins Leben gerufen habe und außerdem mit ihnen über die Games sprach, habe ich gemerkt, wie jeder der Beschäftigten sehr leidenschaftlich arbeitet.

Ich bin einfach nur glücklich darüber, PokerStars zu repräsentieren. Ich muss meine Gewohnheiten nicht zu sehr verändern, sondern nun zum Beispiel Twitter nutzen, Blogposts schreiben und ein paar Events besuchen. Ich mag das Unternehmen und aufgrund des angebotenen Geldbetrags macht eine Zusammenarbeit definitiv Sinn.

PokerStrategy.com: Du hast den SuperStar Showdown gestartet, um mehr Action auf den Nosebleed-Stakes zu bekommen. Wie schätzt du die aktuellen Games ein?

Alex Millar: Zurzeit sind sie ziemlich gut. Spieler wie WCGRider oder Sauce1234 treten gegen jeden anderen Kontrahenten an. Die Action ist im Vergleich zur Norm echt top. PokerStars hat ein Konzept für die Heads-Up-Cash-Games entwickelt - man kann nicht einfach an den Tischen sitzen und auf Freizeitspieler warten. Auf den Low-Stakes, wo der Rake höher ist, tritt man gegen weniger Regulars an. Auf den High Stakes gibt es mehr Regulars und PokerStars möchte, dass man auch gegen diese spielt.

"Live-Turniere sind wie unterklassiger Fußball"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2013/11/04/kanu7eptlondon_m.jpgPokerStrategy.com: Die meisten Pokerspieler kennen vor allem erfolgreiche Turnierspieler, High-Stakes-Spezialisten sind deutlich unbekannter. Ärgert dich das?

Alex Millar: Nein, das ist für mich jetzt nicht so wichtig. Aber es stimmt schon, dass man weniger über Cash-Game-Spieler weiß als zum Beispiel über Turnierspezialisten. Generell bin ich aber der Meinung, dass ich mich nicht wohlfühlen würde, sollte ich von Cash-Games zu Turnieren wechseln. Die Varianz bei Live-Turnieren ist sehr hoch.

Selbstverständlich gibt es diese Varianz auch bei den High-Stakes im Internet, da die Leute keine Millionen Hände spielen - deshalb ist bei den Leaderboards auch immer etwas Glück dabei. Bei Live-Turnieren gibt es einen anderen Maßstab in Sachen Glück.

Die weltweit besten Spieler reisen für gewöhnlich auch nicht zu viel umher: Sie spielen mehr Hände online, da verdienen sie auch das meiste Geld. Ich finde es schon etwas seltsam, da Live-Turniere wie unterklassiger Fußball oder wie niedrigere ATP-Ranglisten sind...trotzdem bekommen diese Spieler die meiste Aufmerksamkeit, die besten Cash-Game-Spieler stehen nicht so stark im Mittelpunkt. Für mich ist das okay, auch wenn es etwas ungewöhnlich ist.

PokerStrategy.com: Welche Bedeutung haben High-Stakes-Leaderboards für dich?

Alex Millar: Ich werfe ab und an ein Auge auf das Leaderboard von HighStakesDB. Wenn ich recht weit vorne bin, ist das natürlich cool. Am Ende des Tage ist Poker aber immer noch ein Spiel und wie bei jedem Spiel möchte jeder der Beste sein und sich mit anderen messen. Wobei man bei den Leaderboards aufpassen muss, man sollte sie nicht überbewerten: Sollte es jemand geben, der besser ist, sollte man nicht konstant gegen ihn spielen - sonst könnte es teuer werden.

PokerStrategy.com: Wie exakt sind die Daten über Gewinne und Verluste von HighStakesDB?

Alex Millar: Meiner Meinung nach sind die aufgezeichneten Resultate von mir in diesem Jahr ungefähr korrekt. Manchmal jedoch ist die Homepage down und es ist ärgerlich, wenn man gerade eine gute Session erwischt hat. Teilweise nehmen sie aber wirklich jede gespielte Hand auf.

"Zuerst lernt man von anderen Spielern, dann von sich selbst"

//cdn-origin.pokerstrategy.com/2013/11/04/alexmillar.jpgPokerStrategy.com: Du hast es relativ schnell auf die höheren Stakes geschafft, innerhalb von einem Jahr sollst du von $0,50/$1 auf $25/$50 aufgestiegen sein. Welches Limit ist deiner Meinung nach das schwierigste?

Alex Millar: Es hängt vom jeweiligen Spielertypen ab. Bei mir hat es lange gedauert, $3/$6 zu schlagen. Das schwierigste Limit war aber $10/$20 - hier fand ich nur Tische mit Regulars und deshalb musste ich neue Games starten. Zuvor auf $5/$10 war es einfacher, einen guten Tisch zu finden. Ich weiß, dass viele Spieler Probleme haben, von $1/$2 auf $2/$4 aufzusteigen und bei Heads-Up-Tischen von $0,25/$0,50 auf $0,50/$1.

PokerStrategy.com: Für die Nosebleed-Stakes gibt es natürlich nur wenige Trainingvideos. Wie hast du an deinem Spiel gearbeitet, um auf das aktuelle Niveau zu kommen?

Alex Millar: Das ist eine gute Frage und vor allem ist es eine Frage, die ich nicht ausführlich beantworten will. Ich möchte nicht, dass meine Kontrahenten genau wissen, an was ich arbeite. Es gibt einige wichtige Ziele auf den High-Stakes, die man grundlegend in zwei Kategorien unterteilen kann: Zum einen muss man nah am optimalen Spiel sein und zum anderen muss man beim Exploiten seiner Gegenspieler besser werden. Man kann zum Beispiel mithilfe des Hold'em Manager daran arbeiten, die Leaks seiner Kontrahenten zu finden und dann nach Möglichkeiten suchen, diese Leaks zu exploiten.

Vor einiger Zeit habe ich eine Tabelle erstellt und mir 4-Bet und 5-Bet-Situationen überlegt, also wann beispielsweise ein 4-Bet-Bluff nach einer 3-Bet profitabel ist. Ich habe mich oft auf solche Situationen fokussiert und diese ausführlich analysiert. Der Schlüssel zum Erfolg ist, das Spiel in einzelne Sektionen zu unterteilen und dann muss man sich überlegen, welche Bereiche man verbessern kann.

PokerStrategy.com: Welche weiteren Tipps kannst du noch verraten?

Alex Millar: Als ich von relativ weit unten in den Limits aufstieg, habe ich mir einige Trainingvideos angeschaut. Das ist meiner Meinung nach auch der beste Weg, um am Anfang Poker zu lernen - Foren durchstöbern und Videos anschauen. Diese Denkweise ändert sich jedoch, je besser man wird: Zuerst lernt man von anderen Spielern, dann lernt man von sich selbst. Je höher man aufsteigt, desto mehr Ideen bekommt man, wie man sich selbst in bestimmten Spots verbessern kann. Wer nur darauf wartet, mit Informationen gefüttert zu werden, muss seine Einstellung ändern - nur durch Eigeninitiative kann man über ein bestimmtes Niveau hinausgelangen.

PokerStrategy.com: Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg auf den High-Stakes.

von Barry Carter l Folgt Barry Carter bei Twitter