Alle 169 Startkarten im Grid mit Jennifer Shahade
Im Gespräch mit der Spielerin des Team PokerStars Pro erfahren wir mehr über ihren neuen Podcast, bei dem sie in jeder Folge eine andere Starthand mit ihren Gästen bespricht.

Wie genau bist du auf das Konzept für deinen Podcast gekommen?
Jennifer Shahade: Die Idee an sich war sehr spontan, aber es kann gut sein, dass sie sich etwas aus vorherigen Einfällen herausgebildet hat, die ich im Laufe der Zeit so hatte. Als ich konkret darüber nachgedacht habe, wie ich den Podcast gestalten würde, war für mich und meinen Mann (Produzent des Podcasts) sehr schnell klar, dass wir es machen müssen. Anlass war eine Bericht von Pauly McGuire über Kerstin von Gabain, einer Künstlerin, die in China unterwegs ist und ein vollständiges Kartendeck aus Fotografien von weggeworfenen Spielkarten in den Straßen entwerfen will. Diese Art von Schnitzeljagd hat mich unheimlich fasziniert.
Es gibt insgesamt 169 Kartenkombinationen. Wie lange denkst du, wirst du für deine eigene Schnitzeljagd brauchen, bis sie komplett ist?
Jennifer Shahade: Seit Juni haben wir jede Woche eine Folge gebracht. Mittlerweile sind wir bei zehn und drei weitere sind bereits fest eingeplant. Ich erwarte, dass es im Laufe der Zeit schwieriger wird tatsächlich jede Woche eine Folge zu liefern, da es vom Produktionsaufwand auch schwieriger wird, geeignete Leute für die entsprechenden Hände zu finden. Ich schätze mal es wird in etwa dreieinhalb bis vier Jahre dauern, bis wir komplett durch sind.
Fast jeder hat eine Geschichte zu erzählen über eine Hand mit Aces oder einen Bluff mit 72o. Wie entscheidest du, wer die Ehre haben wird, über besondere Hände wie Aces oder Queens zu berichten, die grundsätzlich ja mehr Bedeutung bei vielen haben dürften?
Jennifer Shahade: Jamie Kerstetter hatte Aces bereits für sich verbucht und eine tolle Story dazu erzählt. Ich will aber nicht zu Beginn ausschließlich die besten Hände im Podcast unterbringen, da sonst etwas an Spannung und Zufälligkeit verloren gehen würde. Grundsätzlich muss es auch ein sehr außergewöhnlicher Handverlauf oder eine echt gute Story sein, damit ein Gast die Ehre hat über eine Premiumhand zu berichten. Ich versuche eigentlich meine Gäste immer davon zu überzeugen, eine coole Geschichte zu einer der schwächeren Hände zu finden.
Die einfachste Hand für eine Story ist wohl Ace-King, weil es in vielen Fällen eine besonders gute Hand zum Bluffen ist aufgrund der Blocker, die die Hand mit sich bringt. Häufig führt sie aber auch zu besonders schwierigen Spots, wenn man es auf Value abgesehen hat, aber die Stacks noch sehr deep sind. Es kann in beide Richtungen gehen, daher hat fast jeder auch eine gute Story zu Ace-King auf Lager.
"Merkwürdige Hände sind für viele ein kleines Ehrenabzeichen"

Wie sieht deine Strategie aus, um Gäste mit einer Story über Trashhände wie J3o oder Q2s zu finden, die nur sehr selten Teil einer vernünftigen Range sind?
Jennifer Shahade: Nach der Ankündigung des Podcasts habe ich sehr viele Leute kontaktiert und gefragt, ob sie eine der schwächeren Hände für sich reservieren wollen. Mittlerweile habe ich rund 40 Handynummern in meiner Liste von Gästen, die von einer solchen Hand erzählen wollen. Ich habe zum Beispiel schon jemanden für J2o und J5o in Planung. Die richtig starken Spieler haben schon extrem merkwürdige Hände vorbereitet, weil sie auch so etwas wie ein kleines Ehrenabzeichen sind. Lex Veldhuis war mein allererster Gast und hatte sich K4o ausgesucht. Kevin Rabichow wollte etwas zu T5o erzählen. Das war auch die erste Hand, bei der zwei Gäste etwas Interessantes zu berichten hatten, da auch Alex Livingston dazu eine Story von seinem allerersten Main Event auf Lager hatte.
Ein Podcast mit einem derart festgelegten Ende ist ungewöhnlich. Hast du schon darüber nachgedacht, was mit der Show passiert, wenn sie dir einfach zu viel Spaß macht? Vielleicht weiter mit PLO-Händen?
Jennifer Shahade: Ich glaube nicht, dass es genug Zeit in der Welt gäbe für PLO-Hände. Das ist das Schöne an Hold'em. Man kann eine interessante Geschichte auf einer Art erzählen, dass ihr auch jemand folgen kann, der beim Podcast einschaltet und noch etwas anderes nebenbei macht.
Ich liebe aber natürlich die Arbeit an sich und die Gespräche mit den unterschiedlichsten Spielern. Ich werde wohl einfach eine kleine Pause einlegen, wenn wir tatsächlich alle Kombinationen geschafft haben und mich dann auf die Suche nach einem neuen Konzept machen, ohne das alte einfach nur zu kopieren.
"Ich möchte vor allem effektiv lernen"

Ich habe häufig das Gefühl, dass man Poker am besten lernen kann, wenn man immer und immer wieder schwierige Spots mit guten Spielern diskutiert. Dein Podcast bietet in der Hinsicht genau das richtige Material. Denkst du, dass solche Gespräche über Hände den besten Weg darstellen, um sich weiterzuentwickeln? Erwartest du, dass du am Ende selbst eine bessere Spielerin sein wirst?
Jennifer Shahade: Ja, das erwarte ich nach all den Gesprächen mit derart guten Spielern aus der ganzen Welt auf jeden Fall, auch wenn bei der einen oder anderen Unterhaltung gar nicht so sehr das Strategische im Fokus steht.
Ich denke aber nicht, dass solche freundschaftlichen Gespräche der beste Weg sind, um effektiv zu lernen. Es ist eine gute Methode, um Populationstendenzen zu sehen und Spaß mit dem Spiel zu haben, das wir alle lieben. Aber als Mutter, die auch beim Schach und einigen anderen Projekten aktiv ist, bin ich vor allem an den effektivsten Lernmethoden interessiert, bei denen man den meisten Mehrwert für die investierte Zeit hat. An erster Stelle steht dabei wohl die eigenständige Arbeit an Ranges und strategischen Ansätzen für unterschiedliche Positionen und Stackgrößen. Direkt gefolgt von Übungen, um sich das Ganze auch zu merken, entweder durch Gedächtnistraining oder die gezielte Erkennung von Mustern.
Praktisch alle Topspieler, mit denen ich bisher gesprochen habe, haben gemeinsam, dass sie alle mit einer riesigen Begeisterung mit Gleichgesinnten über Poker und knifflige Spots sprechen wollen. Du machst mit deinem Podcast wohl ähnliche Erfahrungen oder?
Jennifer Shahade: Absolut. Jede Geschichte über eine Hand kann man im Anschluss mit einer generellen Strategie verknüpfen, sodass man sich nicht nur über einzelne Kombinationen, sondern über eine gesamte Range austauscht. Meinen Podcast nehme ich in der Hinsicht eher wie eine Alternative zur üblichen strategischen Analyse einer Hand wahr. Was die Begeisterung betrifft, bleibt es auch ein Balanceakt. Für mich spielen Handverläufe auch eine Rolle bei möglichen Mankos im Mental-Game, wenn man zum Beispiel immer und immer wieder nachgrübelt über einen Spot und was man hätte anders machen können. Meistens sind es einfach sehr knappe Entscheidungen, sodass die eigene Zeit besser genutzt wäre, wenn man die allgemeinere Strategie überdenkt und weiterentwickelt. Der Podcast hat mir ein besseres Verständnis für diese Art von Obsession gegeben, die einerseits natürlich einen starken Spieler ausmacht, allerdings auch mit der Gefahr einhergeht, dass man das Wesentliche aus den Augen verliert.
Wer mehr über den Podcast "The Grid" erfahren will, findet weitere Informationen auf der offiziellen Website. Zudem ist die Show von Jennifer Shahade auch über Apple Podcasts verfügbar.