Aktualisiert am 26 Feb. 26 von

Angebliches Cheating im Live-Stream

In dieser Woche hat ein vermeintlicher Betrugsskandal hohe Wellen in der Pokerszene geschlagen, der Auswirkungen auf Live-Stream-Partien insgesamt haben könnte.

Mehrere Spieler haben dem US-Profi Mike Postle Betrug vorgeworfen bei eine Reihe von Partien in der Stones Gambling Hall in Kalifornien, die per Live-Stream übertragen wurden. In rund 15 Stunden Übertragung, verteilt über mehrere einzelne Runden, soll er in etwa $150.000 ohne eine einzige Verlustsession abgeräumt haben.

Wie genau Postle betrogen haben soll, wurde nicht klargestellt. Vielmehr zweifelt man grundsätzlich an, dass es mit rechten Dingen zugegangen ist, weil Postle während der Live-Streams in der Lage war nahezu perfekte Plays zu liefern, wie das Folden von starken, aber unterlegenen Händen gegen kleine Bets oder das Herocallen mit schwachen Händen, die tatsächlich doch vorne waren.

Sämtliche Plays hier aufzulisten, würde den Rahmen sprengen, letztlich hat genau diese Häufigkeit auch den Verdacht des Betrugs begründet. Wie immer hat Joe Ingram aber ganze Arbeit geleistet und eine Reihe der Spots analysiert und ein fünfstündiges Video dazu rausgehauen:

Der Stream der Partien wurde mit einer Verzögerung von 30 Minuten übertragen und Handys waren bei einigen Runden nicht erlaubt. Wer komplett in die einzelnen Spots abtauchen will, findet in diesem Thread bei 2+2 etliche Details zu den fragwürdigen Händen.

Es ist nicht das erste Mal, dass gegenüber Postle derartige Vorwürfe die Runde machen. Das Team von Stones Live Poker hat am Wochenende bekannt gegeben, dass man bereits zuvor eine Untersuchung auf Betrug in den eigens organisierten Partien eingeleitet hatte, jedoch keinerlei Anzeichen dafür fand:

Bei Twitter hat sich Postle derweil zu den Vorwürfen geäußert und mehrere der fragwürdigen Hände angesprochen. Grundsätzlich ließ er dabei verlauten, dass er einen sehr varianzlastigen Stil am Tisch verfolge, der auf das Aufspüren von Tells und bestimmten Verhaltensmustern ausgelegt ist.

Auch wenn die Partien mit einer Verzögerung von 30 Minuten übertragen wurden, bietet sich natürlich trotzdem eine Angriffsfläche für Betrug durch die Weitergabe von Informationen zu gegnerischen Holecards. Es bleibt abzuwarten, ob sich der Verdacht tatsächlich beweisen lässt und welche Konsequenzen man daraus mit Blick auf andere per Stream übertragene Live-Partien ziehen würde.