Barry Carter: Die AGCC hat versagt
Poker-Journalist Barry Carter geht davon aus, dass der Lizenzentzug von Full Tilt Poker hätte verhindert werden können.
Fast zwei Wochen hat es gedauert (und davor schon drei Monate) bis die Alderney Gambling Control Commission (AGCC) Full Tilt Poker nun endgültig die Lizenz entzogen hat. Seit dieser neusten Wendung sind zwar nur wenige Stunden vergangen, aber nach der zweiwöchigen Funkstille der AGCC gibt es von Seiten der Spieler bereits enormen Gegenwind - ganz egal wie unvermeidlich diese Nachricht nun tatsächlich war.
Sollten wir uns wirklich über die AGCC ärgern obwohl nicht sie es war, die der Geldwäsche beschuldigt wird? Auch hat sie keine Einzahlungen akzeptiert, die sie nicht einziehen konnte, und auch nicht Gelder als verfügbar angegeben, obwohl sie vom Justizministerium beschlagnahmt waren. All diese Dinge lagen nicht im Verantwortungsbereich der AGCC, was auch in der Pressemitteilung erwähnt wurde. Dort wurde gesagt, dass sie über das Vermögen von Full Tilt Poker "grundlegend getäuscht" wurden.
Nicht ihre Aufgabe?
Sehen wir uns aber einmal genauer an, was im Aufgabenbereich der AGCC lag. Die Buchungsunterlagen in der Lizenzkündigung wurden am 28. Juni 2011 vom Wirtschaftsprüfer Dixon Wilson zusammengestellt. In diesen Buchprüfungen wurde klar, dass zwischen 2007 und 2011 etwa $331 Millionen vom US-Justizministerium beschlagnahmt wurden. Diese eingefrorenen Beträge wurden zwar als verfügbar geführt, hätten von Full Tilt aber sofort der AGCC gemeldet werden müssen.
Diese Situation hätte Full Tilt also im Jahr 2007 melden müssen. Durch diese Unterlassung aber konnten sie die AGCC vier Jahre lang hinters Licht führen?
Vier lange Jahre?
Was ist eigentlich die Aufgabe einer Lizenzierungsbehörde, wenn sie nicht einmal das Fehlen von $331 Millionen auf den Konten entdeckt? Gehört es nicht zu den Aufgaben einer solchen Behörde, regelmäßig die Bücher eines Unternehmens zu prüfen, das über Millionen Dollar seiner Kunden verfügt, anstatt naiv die am Ende des Steuerjahres gemeldeten Phantasiezahlen zu glauben?
Wo waren die Revisionen?
Abhängig von der Branche und dem Firmensitz eines Unternehmes bestehen die meisten Regulierungsbehörden auf jährliche Abschlussprüfungen von Dritten, um Situationen wie die aktuelle zu vermeiden. Fulll Tilt war eine Gesellschaft mit beschränkter Haftung (engl.: PLC), was üblicherweise bedeutet, dass sie nur weniger strenge Prüfungen über sich ergehen lassen muss. Aber kann das eine Entschuldigung sein?
Nur wenige PLCs sind so lange im Besitz der Gelder ihrer Kunden wie ein Online Pokerraum. Da sie in dieser Hinsicht operativ eher einer Bank ähneln und es ein nicht unerhebliches finanzielles Risiko gab, hätte die AGCC dann Full Tilt nicht auch mehr wie eine Bank behandeln müssen?
Obwohl ich mir sicher bin, dass die AGCC die regelmäßige Prüfung von Firmenkonten garantiert, glaube ich nicht für eine Sekunde daran, dass dies mit der gebotenen Genauigkeit erfolgte. Ich sage es noch einmal: seit 2007 wurden $331 Millionen beschlagnahmt. Wie kann ein nur mäßig begabter Wirtschaftsprüfer so etwas übersehen?
Uns wurde gesagt, dass sie Full Tilt eine Verschiebung der Anhörung zugestanden hatten, damit die Verhandlungen mit einem Investor fortgesetzt werden könnne. Dies sei im Interesse der Spieler, da diese so ihre Guthaben zurückerstattet bekommen würden. Ein Nebeneffekt davon war allerdings auch, dass die AGCC £250.000 an ausstehenden Lizenzgebühren überwiesen bekamen. Jetzt, da sie Full Tilt die Lizenz entzogen haben, hört man nicht mehr viel davon, dass sie Wert darauf legten, den Spielern ihre Guthaben zu verschaffen.
Die AGCC versucht uns weiszumachen, dass sie die ganze Zeit von Full Tilt getäuscht wurde. Ich sage, dass die AGCC uns im Stich gelassen hat. Wären die Ereignisse am Black Friday auch passiert, egal was die AGCC unternommen hätte? Mit Sicherheit. Aber wenn Full Tilt sorgfältiger lizenziert worden wäre und wenn in den vergangenen vier Jahren genauer geprüft worden wären, dann wäre nicht nicht nur das Defizit von Full Tilt früher bemerkt worden, sondern es wäre wahrscheinlich gar nicht erst so weit gekommen.
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