Barry Carter: Erste Impressionen der WSOPE Cannes
Wie schlägt die WSOPE sich in Cannes im Vergleich zu ihrem Vorgänger in London und der WSOP allgemein? Barry Carter teilt euch seine Eindrücke mit.
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| Sieger in Event #2: Andrew Hinrichsen Quelle: PokerNews.com |
Eine Woche ist die erste World Series of Poker Europe, die außerhalb von London ausgetragen wird, nun alt. Da werden offensichtlich Parallelen gezogen zwischen den beiden ausrichtenden Ländern und natürlich der eigentlichen WSOP drüben in Las Vegas.
In diesem Jahr fühlt es sich für mich nicht wie sonst an, ich muss allerdings auch davor warnen, dass ich unglaublich voreingenommen bin. Als Brite habe ich seit dem Start jede WSOPE besucht und natürlich ist es da dieses Mal eine andere Erfahrung.
Dennoch muss ich zugeben, dass es für die WSOPE sehr gut ist, die Veranstaltung regelmäßig in einem anderen europäischen Land auszutragen. Frankreich, so denke ich, ist da ein perfekter Ort, um größere Felder als zuvor anzulocken.
Das Konzept scheint auch in dieser Hinsicht aufgegangen zu sein. Die Teilnehmerzahlen sind im Vergleich zum Vorjahr in der Tat gestiegen. Zum Zeitpunkt dieses Artikels wurden die ersten vier Events gestartet, die im Vergleich zu ihrem Pendant in 2010 alle ein signifikantes Wachstum aufzeigen:
Event #1 (Six Max No Limit) 244 vs. 360
Event #2 (Pot Limit Omaha) 120 vs. 180
Event #3 (No Limit) 582 vs. 771
Event #4 (High Roller) 103 vs. 125
Das macht einen Anstieg von insgesamt fast 50%. Wenn man den Black Friday berücksichtigt, ist dies umso beeindruckender. Die EPT London hingegen, die immer zusammen mit der WSOPE in London veranstaltet wurde, hat als Resultat des Black Fridays sowie des Umzugs der WSOPE von London nach Cannes einen Teilnehmerrückgang verzeichnet.
Wenn man dies berücksichtigt, kann man wohl sagen, dass die WSOPE ohne den Black Friday noch viel größer gewesen wäre. Es wird interessant sein zu sehen, wie groß am Ende das Main Event sein wird.
Mehr Teilnehmer, weniger Begeisterung?
Wenn ich einen negativen Punkt bei der Durchführung der WSOPE in diesem Jahr finden kann, dann ist es der Umstand, dass es abgesehen von lokalen französischen Medien nicht den gleichen Umfang an Berichterstattung gibt wie sonst – woran auch immer das liegen mag.
PokerNews ist die einzige Seite mit Live-Updates, ich finde nur wenig Klatsch und Tratsch in den Foren und auf Twitter, das Presse-Team der WSOP versorgt uns mit deutlich weniger Material und auch allgemein spüre ich in diesem Jahr nicht dieselbe Begeisterung.
Als jemand, der für Pokermedien arbeitet, möchte ich viel mehr über dieses Event berichten. In den meisten Fällen ist das auch kein Problem und es ist nicht schwer, Updates, Interviews und Bilder sowohl von den Event-Organisatoren als auch den Pokermedien zu finden.
Leider ist es in diesem Jahr bei der WSOPE nicht mal annähernd so leicht. Es gibt zwar die offiziellen Updates und Live-Streams von WSOP.com, aber das ist nur ein Teil von vielen.
Das ist eine echte Schande. Ich weiß zwar, dass die französischen Medien sich darum reißen, aber meiner Meinung nach sollte bei einer WSOPE das gastgebende Land dem Rest der Pokerwelt zeigen, was es der Poker-Community zu bieten hat. Das sehe ich in diesem Jahr einfach nicht.
Aber insgesamt sieht es so aus, dass die WSOPE ein großer Erfolg wird und das Event in der Zukunft stärker und stärker wird. Ich hoffe, dass das Event ein paar weitere erfolgreiche Jahre in Frankreich haben und dann in einem anderen florierenden Pokermarkt in Europa ausgetragen wird.
Ist ein Bracelet ein Bracelet?
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| Sieger in Event #1: Guillaume Humbert Quelle: PokerNews.com |
Fünf Jahre ist die WSOPE nun alt und hat zwei Locations gesehen, da stellt sich die Frage: Ist ein WSOPE-Bracelet mittlerweile so viel wert wie ein echtes WSOP-Bracelet? Es ist eine lang andauernde Debatte, die man nicht wirklich beurteilen kann, weil sie so subjektiv ist.
Viele denken, dass der Umstand der kleineren Felder im Vergleich mit Vegas und Frankreich als Austragungsort die Bracelets viel "softer" machen.
Aber dasselbe kann auch von einigen kleineren Bracelet-Events in Vegas gesagt werden, in denen kein Hold'em gespielt wird. Natürlich spielen dort viele Profis mit, aber trotzdem ist dies der einfachste Weg zu WSOP-Gold. Die Größe des Teilnehmerfelds sollte kein Indikator dafür sein, wie viel ein Bracelet-Event wert ist.
In Wahrheit benötigt es keinen zusätzlichen Skill, um ein Bracelet-Event zu gewinnen. Man muss in einem $1.500-WSOP-Event nicht besser valuebetten oder Hände lesen können als in einem $1.500 Side Event der PCA. In beiden muss man gut spielen und die Varianz auf seiner Seite haben.
Der einzige Faktor, der zählt, wenn es darum geht, ob ein Event ein legitimes Bracelet-Event ist, ist die Entscheidung der WSOP, dass es eines zu gewinnen gibt. Ein WSOP-Turnier ist ein Event wie jedes andere, aber wenn es am Ende ein Bracelet zu gewinnen gibt, dann ist das so mystifizierend, dass es für manche Menschen das Höchste ist, was man im Poker erreichen kann.
Cannes wird wahrscheinlich einige softere WSOP-Events veranstalten – wobei das €10.000 Main Event eine Ausnahme sein könnte, da es zumindest in der Vergangenheit immer eines der härtesten Turniere der Welt war. Aber solange es Schmuck und Player of the Year-Punkte zu gewinnen gibt und Phil Hellmuth wie ein schlechter Geruch rumhängen wird, wird die WSOPE als echtes WSOP-Event zählen.
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