Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Barry Carter: Was erwartet ihr von Turnier-Berichterstattung?

Heute interessiert sich Barry Carter für eure Meinung darüber, wie über die Ergebnisse eines Pokerturniers berichtet werden sollte. Wollt ihr detaillierte Handanalysen oder lieber reine Fakten?

Tournament winner
Mann gewinnt
Pokerturnier

In den meisten meiner Kolumnen für PokerStrategy.com habe ich euch bislang meine Meinung zu verschiedenen Themen erzählt. Heute würde ich gerne damit beginnen, euch zu fragen, was ihr zu einem bestimmten Thema zu sagen habt.

Welche Art der Berichterstattung über Turniere ist euch am liebsten?

Ein Pokerfreund von mir und sehr guter Blogger, Alex Rousso von Unibet Poker, hat letzte Woche einen Blog geschrieben, in dem er die These aufstellte, die Berichterstattung über Turniere sei übertrieben. Die meisten Menschen wollten gar keine genaue Auflistung aller gespielten Hände lesen oder die Action noch einmal in einer Weise nacherzählt bekommen, in der diese deutlich aufregender dargestellt ist, als es die zahlreichen Coinflips, aus denen die meisten Final Tables bestehen, tatsächlich sind.

Er schrieb, dass sich die meisten von uns nur für die grundlegenden Informationen interessieren würden, also darüber wer gewonnen hat, was er gewonnen hat und wie die anderen rausgeflogen sind.

Dem Blog folgte eine sehr interessante Diskussion, in der viele Argumente für und gegen die These ausgetauscht wurden. Das, was ich davon mitgenommen habe, ist die Tatsache, dass wir die Leser nicht oft genug fragen, was sie eigentlich lesen wollen.

Die Frage des Tages ist also: Wenn ihr nach den Ergebnissen eines Turnieres schaut, wollt ihr dann nur die Kerninformationen lesen oder interessiert ihr euch für eine genaue Analyse der Abläufe aller wichtigen Hände?

Bevor ich ins Detail gehe, muss ich anmerken, dass es in der Diskussion hauptsächlich um die Berichterstattung nach einem Event ging und nicht um die Live-Updates während eines Turniers. Deshalb werden wir uns heute darauf konzentrieren.

Jetzt zurück zu bekannteren Mustern: Ich erzähle euch, was ich denke.

Mann gewinnt Pokerturnier

Wenn mir jemand von euch auf Twitter folgt, habt ihr eventuell meinen alten Running Gag bemerkt, den ich stets im Anschluss an einen Tweet über ein Pokerturnier bringe. Ich beende solche Tweets immer mit dem Hashtag #manwinspokertournament. Das ist ein kleiner zynischer Witz, der im Prinzip sagen soll, dass egal wie man es dreht und wendet, am Ende das Ergebnis steht, dass in der Regel ein Mann ein Pokerturnier gewonnen hat, mehr nicht.

Ich berichte nun schon seit über fünf Jahren von Turnieren und in dieser Zeit habe ich die Story von "Mann gewinnt Pokerturnier" hunderte, wahrscheinlich sogar tausende Male gebracht. Natürlich sind oft zusätzliche Elemente in der Story enthalten, um sie interessanter zu machen. Etwas Menschliches zum Beispiel. Eventuell hat gerade jemand sein erstes Live Event überhaupt gespielt, vielleicht hat jemand durch den Sieg die 'Triple Crown' errungen oder vielleicht hat jemand ein paar Zweifler verstummen lassen.

Am Ende ist es jedoch nur ein Mann oder manchmal eine Frau, die ein Pokerturnier gewonnen haben.

Weil dies die Mindestanforderung an den Inhalt eines Artikels über ein Pokerturnier ist: Auf welche Art und Weise wollen wir diese Story erzählen? Manche meiner Kollegen versuchen, den Artikel zu füllen, indem sie sich auf die wichtigen Geschichten oder dramatischen Szenen am Final Table konzentrieren. Andere mögen es, die strategischen Feinheiten hervorzuheben und nutzen die Möglichkeit, die wichtigsten Hände zu sezieren. Ich persönlich halte mich lieber an die Hauptfakten und den Artikel als solchen kurz und bündig.

Wenn ich nach einem Fußballergebnis schaue, dann will ich in den meisten Fällen etwas über die Tore lesen, wichtige Zwischenfälle und vielleicht eine Zusammenfassung in zwei Sätzen, wie die Teams gespielt haben. Das ist, denke ich auch das, was die meisten von uns und von einem Artikel über ein Pokerturnier erwarten. Aus diesem Grund liebe ich die News, die wir auf PokerStrategy.com erstellen. Die wichtigsten Fakten sind vorhanden, die Payouts bzw. Chipcounts sind übersichtlich dargestellt und es gibt außerdem eine nette Visualisierung der Action. Eine gute Mischung mit wenig Überflüssigem.

Dafür gibt es deutlich weniger Informationen über wichtige Hände, und wenn doch, dann handelt es sich meistens um solche mit einer einzigartigen Dramatik oder statistischen Seltenheit, über die zu berichten sich wirklich lohnt. Jeder, der sich eine Weile mit Poker beschäftigt hat, hat AK vs QQ häufiger gesehen, als er warme Mahlzeiten gegessen hat. Ich bin deshalb der Meinung, dass den pokerinteressierten Lesern 95% der Standard-Situationen erspart bleiben können, denn diesen Teil der Ereignisse können sich die meisten Leser genau so gut selbst denken.

Warum sehe ich das so? Nun, natürlich liegt es auch daran, dass es mich persönlich ziemlich nervt, immer wieder über Dinge wie AK vs QQ schreiben zu müssen. Von daher gehe ich davon aus, dass andere das ähnlich sehen. Pokerjournalismus ist in diesen Tagen sehr interessant (mein Dank an Full Tilt) und es gibt einfach so viele Dinge, über die sich zu schreiben lohnt und die lesenswert sind. Viele Menschen innerhalb der Pokerszene sind faszinierend, einige Skandale unglaublich packend. Außerdem entwickelt sich der Markt immer weiter. Daher gibt es unglaublich viel, worüber man schreiben kann.

Typische Lesegewohnheiten

Da ich mich durch Dinge wie Google Analytics viel mit den momentanen Gewohnheiten des typischen Pokerlesers beschäftigt habe, weiß ich, dass der durchschnittliche Leser in der Regel nicht so weit kommt, dass er den Scroll-Button benutzen müsste. Die durchschnittliche Zeit, die er auf einer Seite verbringt, ist kaum mehr als zwei bis drei Minuten. Aus diesem Grund ist es notwendig, dass man alle wichtigen Dinge direkt zu Beginn des Artikels zusammenfasst.

Tournament winner
Noch jemand gewinnt
ein Pokerturnier

Wir leben in einer Zeit der sofortigen Befriedigung unserer Bedürfnisse, insbesondere im Hinblick darauf wie wir Medien konsumieren. Die meisten Threads in einem Pokerforum, in denen es eine interessantere Diskussion gibt, haben mindestens einen User, der nach "Cliffs" fragt oder mit "tl;dr" zum Ausdruck bringt, dass ihm ein Text zu lang ist, um ihn vollständig zu lesen. Der typische Pokerleser ist also gerade nicht darauf aus, eine Stunde am Tag damit zu verbringen, sich ausführliche Analysen von Pokerhänden durchzulesen.

Das ist meine Meinung darüber, was die Leser wollen, wenn es um die Ergebnisse eines Pokerturniers geht. Ich denke, die meisten von uns wollen kurze Texte ohne nutzlose Information.

Aber ich weiß natürlich, dass ich es nicht allen recht machen kann. Auch ich habe Freunde, die gerne unglaublich detaillierte Artikel über ein Turnier lesen, weil sie es lieben, in alles hinein zu tauchen, was mit Poker zu tun hat und sie als Spieler weiter bringen könnte (was durchaus gut für sie sein kann - ich wünschte, ich würde diesen Enthusiasmus teilen).

Von daher ist einmal mehr meine Frage: Wie stellt ihr euch die optimale Berichterstattung über ein Pokerturnier vor? Hättet ihr gerne ein Detaillevel, das euch nahezu das Gefühl gibt, ihr hättet selbst mit den anderen Spielern am Final Table gesessen? Oder wollt ihr die ganze Story lieber in drei bis vier Absätze verpackt haben, die ihr auf eurem Handy auf dem Weg zur Arbeit lesen könnt?

Ich würde mich darüber freuen, eure Meinungen in den Kommentaren, im Forum oder auf Twitter zu erfahren.