Barry Greenstein antwortet auf Vorwürfe der Groupe Bernard Tapie
Der Team PokerStars Pro Barry Greenstein hat öffentlich auf Berichte reagiert, denen zufolge er und zahlreiche weitere Pokerprofis Full Tilt Poker Geld schuldeten, das sie nun an die Groupe Bernard Tapie zurückzahlen sollen.
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| Barry Greenstein |
In einem exklusiven Statement für PokerStrategy.com sagte gestern ein Anwalt der Groupe Bernard Tapie (GBT), Behnam Dayanim, dass mehrere bekannte Profispieler Full Tilt Poker zum Zeitpunkt der Insolvenz beträchtliche Summen Geld schuldeten. Sollten diese Spieler ihre Schulden nicht begleichen, so stellten sie laut Dayanims Aussage ein Hindernis für die Übernahme von Full Tilt durch die GBT dar.
Einer der Spieler, die dem Unternehmen weiterhin Geld schulden sollen, ist Barry Greenstein. Aufgrund seines makellosen Rufes in der Pokerwelt war dies für viele Beobachter eine Überraschung, vor allem weil Greenstein seit Jahren als PokerStars Pro unter Vertrag steht.
PokerStrategy.com und einige andere Pokerseiten haben sich mit Barry in Verbindung gesetzt, um ihm die Möglichkeit zu geben, sich zu der Situation zu äußern. Seine Antwort kam in Form zweier Posts im Forum von TwoPlusTwo.
Greensteins Darstellung
In seinem Statement äußerte sich Greenstein zunächst allgemein zur Situation und verlieh dabei seiner Hoffnung Ausdruck, dass auch alle anderen Schuldner offen an dieses Thema herangehen würden. Hier das dann folgende "Statement an die Presse und die Pokercommunity":
"Noch bevor PokerStars High Stakes-Tische anbot, habe ich mir zum Spielen bei Full Tilt Poker vor einigen Jahren $400.000 geliehen. Dieses Geld habe ich deswegen nicht zurückgezahlt, weil ich die Hoffnung hatte, dass einige Leute, die mir Geld schuldeten und Geld bei Full Tilt liegen hatten, ihre Schulden bei mir begleichen würden und ich mit diesem Geld wiederum meine Schulden bezahlen könnte. (Man schuldet mir aktuell nur noch etwa $150.000). Ich bin davon ausgegangen, dass das US-Justizminsterium es erlauben würde, Schulden bei FTP zu begleichen, sobald die Angelegenheit geklärt ist.
Die GBT hat mich in der letzten Woche kontaktiert und gefragt, ob ich meine Schulden direkt zurückzahlen könnte. Ihr Anwalt hat mir auch angeboten, in Raten zu zahlen, damit ich dafür das Geld benutzen könnte, das mir geschuldet wird. Er bot mir sogar an, meine Schulden zu reduzieren, falls die amerikanischen Spieler nicht vollständig ausbezahlt werden würden. Ich sagte ihm aber, dass ich meine Schulden immer vollständig beglichen habe und lieber warten wolle, bis das Justizministerium einen Fond für die amerikanischen Spieler einrichtet.
Ich glaube nicht, dass meine Schulden wie behauptet Auswirkungen auf den Kauf durch die GBT haben. Außerdem war ich aufgrund der Situation der amerikanischen Spieler besorgt darüber, Geld an die GBT zu zahlen, da diese offensichtlich nicht für die Zahlungen an die amerikanischen Spieler verantwortlich sein wird. Auf der anderen Seite sehe ich natürlich, dass der offene Gesamtbetrag anderer Spieler beträchtlich ist, vor allem da ich dazu auch alle Beträge zählen würde, die seit der Insolvenz von FTP eingezogen worden sind.
Hier ist ein Auszug meines Briefes an den GBT-Anwalt:
"Konsens in der Pokercommunity ist es, dass sämtliche Beträge, die Full Tilt geschuldet werden oder von Investoren nach Insolvenz des Unternehmens mitgenommen wurden, zur Rückzahlung der Spielerguthaben verwendet werden sollen. Sollte ich auf ein Geschäft mit der GBT eingehen, würde es so aussehen, als würde ich die Interessen der amerikanischen Spieler links liegen lassen.
Obwohl es für mich einfacher wäre, mich mit Ihnen zu einigen und damit meine rechtlichen Verpflichtungen zu erfüllen, möchte ich die Entscheidungen des Justizministeriums abwarten und meine moralischen Verpflichtungen gegenüber den amerikanischen Spielern erfüllen. Ich gehe davon aus, dass das Justizministerium in der Zukunft einen Fond einrichten wird, durch den die Erlöse der Vermögenswerte von Full Tilt dazu verwendet werden, die geschuldeten Spielerguthaben zumindest teilweise zu begleichen."
Weitere beantwortete Fragen
Wie ihr euch wahrscheinlich vorstellen könnt, gab es zu diesem Statement zahlreiche Fragen. Greenstein versuchte, in sieben Punkten die wichtigsten dieser Fragen zu beantworten:
"1. Ich habe Schulden bei Full Tilt und nicht bei der GBT. Wenn ich mir von der GBT Geld geliehen hätte, gäbe es keinen Grund, diese nicht schnellstmöglich zu begleichen. Ich glaube, den meisten Spielern würde es nicht gefallen, wenn ich FTP zu diesem Zeitpunkt Geld geben würde. Wenn ich Bernard Madoff oder Enron Geld schulden würde, würde ich es genauso wenig zurückzahlen, sondern auf eine bessere Gelegenheit warten, um meine Schulden zu begleichen.
2. Ich gebe zu, dass es etwas eigennützig ist und mir Zeit verschafft, nicht sofort zu zahlen. So habe ich außerdem die Möglichkeit, Geld von anderen Leuten transferiert zu bekommen (falls die Konten nicht vollständig ausgeglichen werden).
3. Als Antwort auf die Frage, warum sich jemand so lange Geld leiht und nicht zurückzahlt: Ich habe mir nicht nur online Geld geliehen, sondern auch mehrere Kreditlinien bei Casinos gehabt. Zu einem gewissen Zeitpunkt hatte ich zinslose Darlehen von mehr als $3 Millionen. Den Großteil davon habe ich nicht verloren, aber oft zum Spielen und Investieren genutzt (und dabei manchmal verloren). Die Casinos habe ich ausbezahlt, aber da es bei Full Tilt keinen Druck zur Zurückzahlung gab, waren sie die letzten.
4. Ich stimme zu, dass die komplette Spielerbasis ausbezahlt werden sollte. Wie bereits erwähnt wurde, sieht es so aus, als würde man sich um den Rest der Welt mit dem Abschluss eines Vertrages kümmern, so dass am Ende nur die US-Spieler Hilfe benötigten. Sollte der Deal jedoch platzen, werde ich mich dafür einsetzen, dass mein Geld in einen Fond für alle Spieler weltweit fließt.
5. Ich wollte nicht offen über meine Schulden sprechen, da ich von PokerStars gesponsert werde und das ganze etwas peinlich gewesen wäre. Ich wusste, dass es irgendwann rauskommen würde, obwohl ich es nach dem Black Friday hätte verhindern können. Ich hielt es aber für falsch, meine Schulden auf eine Art und Weise zu begleichen, die quasi aus dem Fenster geworfenes Geld bedeutet, nur um mir eine Peinlichkeit zu ersparen.
6. Zum Thema, dass US-Spieler nicht vollständig ausbezahlt werden könnten: Ich gehe davon aus, dass amerikanische Spieler von dem Geld ausbezahlt werden, welches das Justizministerium vom Verkauf, von Beschlagnahmungen und von Schuldenrückzahlungen erhält - abzüglich des Betrags, der vom DOJ einbehalten wird. Darüber hinaus habe ich keine weiteren Informationen, aber nach meiner Schätzung wird dieser Gesamtbetrag kleiner sein, als die offenen Spielerguthaben - es sei denn, es kommt zu einer überraschend wohlwollenden Entscheidung des DOJ.
7. Obwohl es in diesem Thread viele Kritiker gibt, bitte ich um etwas Nachsicht, da ich immerhin das Mindeste getan habe, was von Schuldnern in der Glücksspielwelt erwartet wird: Ich lege offen, wie viel ich schuldig bin (es sind genau $382.000) und kündige an, meine Schulden begleichen zu wollen. Ich denke es wäre von Vorteil, wenn andere diesem Beispiel folgen würden."
Diese Ausführungen haben in der Pokercommunity gemischte Reaktionen hervorgerufen, obwohl die große Mehrheit Greensteins Bereitschaft, offen über alles zu sprechen, zu respektieren scheint - ganz egal, ob sie in allen Einzelheiten mit ihm übereinstimmt.
PokerStrategy.com wird euch über alle weiteren Entwicklungen in diesem Fall auf dem Laufenden halten.
von Matt Kaufman
