Bodog vs. PokerScout: Sind Traffic-Daten privates oder öffentliches Eigentum?
Heute beschäftigt Barry Carter sich mit dem aktuellen Konflikt zwischen Bodog und der Poker-Traffic-Seite PokerScout. Die umstrittene Frage ist, ob Informationen über Online-Poker-Traffic öffentlich gemacht werden dürfen.
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| PokerScout |
Zwischen CalvinAyre.com und der Traffic-Ranking-Seite für Online-Pokerräume PokerScout.com hat sich ein befremdlicher Kleinkrieg entwickelt.
Dabei beklagt CalvinAyre.com sich über PokerScout, weil die Betreiber der Ranking-Seite sich weigert, den Pokerraum Bodog aus ihrer Traffic-Übersicht zu nehmen. Calvin Ayre ist zwar der ursprüngliche Gründer von Bodog, CalvinAyre.com ist jedoch kein direkter Partner des Pokerraums.
Hintergrund ist, dass Bodog im September ankündigte, Data-Mining-Sites von Drittanbietern ausschließen zu wollen. Ziel war es, Freizeitspieler davor zu schützen, übermäßig von starken Spielern ins Visier genommen zu werden.
Dies galt auch für PokerScout. Bodog bestand darauf, aus den Ranglisten zu verschwinden, PokerScout jedoch weigerte sich, dies zu tun. Da Drittanbieter nicht mehr die Daten von Bodog auswerten können, ging PokerScout dazu über, den Traffic von Bodog aufgrund verschiedener Quellen zu schätzen. So blieb Bodog weiter in den Rankings vertreten.
Was folgte, war ein hässlicher Wortwechsel auf CalvinAyre.com. PokerScout wurde beschuldigt, Daten und damit das Eigentum des Pokeranbieters zu stehlen und außerdem eine siebenstellige Summe zu verlangen, damit man nicht mehr über Bodogs Zahlen berichte.
Bei solchen Konflikten ist es immer schwierig, sich als Außenstehender einzumischen. Dies gilt besonders dann, wenn man nicht weiß, welche Aussage stimmt und welche nicht. Auch den privaten Austausch von Nachrichten kann man nicht beurteilen. Deshalb möchte ich im Folgenden auf die Rolle von PokerScout im Allgemeinen eingehen.
Schadet die Berichterstattung über Traffic dem Poker-Ökosystem?
Ich begrüße es persönlich sehr, dass Bodog etwas gegen Data-Mining-Sites unternimmt, welche dem Poker-Ökosystem schaden. Es gibt einige Seiten, die es professionellen Pokerspielern ermöglichen, schwache Pokerspieler zu identifizieren, noch bevor sie überhaupt mit dem Spiel begonnen haben. Seiten, mit denen die großen Gewinner die großen Verlierer finden, auch wenn sie noch nie mit ihnen gemeinsam an einem Tisch gesessen haben.
Genau das macht PokerScout aber nicht.
Sharkscope, PokerTableRatings und viele andere Seiten sind ein Beispiel dafür, wie leicht man als Freizeitspieler den Wölfen zum Fraß vorgeworfen werden kann. Sie versorgen die Spieler mit den Screen-Namen der größten Verlierer im Spiel und helfen dabei, sie zu finden.
PokerScout hingegen ist eine Quelle, die darüber informiert, wie viel Traffic in einem Pokerraum oder -Netzwerk zustande kommt. Es zeigt uns, wie viele Spieler in einem Netzwerk gerade aktiv sind, welche Stakes und Varianten laufen und für welche Kunden die Netzwerke interessant sind.
Zur Idee von PokerScout gehört aber nichts, das einem sagt, wo die schwächeren Spieler zu finden sind. Schon gar nicht gibt es die Screen-Namen auch nur eines Spielers weiter. PokerScout ist vielmehr ein Analyse-Werkzeug für diejenigen, die in der Banche arbeiten. Für den Verbraucher ist es eine Hilfe, die Pokerräume zu finden, bei denen der meiste Traffic herrscht oder die bevorzugten Games laufen.
CalvinAyre.com hat gesagt, dass die von PokerScout gesammelten Informationen gestohlen sind, dass diese zum Eigentum des Netzwerks gehören. In meinen Augen ist das eine aberwitzige Aussage.
Wenn diese Informationen durch die jeweiligen Netzwerke gut behütet würden, könnte ich das Argument vielleicht ja noch verstehen. Aber Informationen über Traffic werden in Echtzeit jedem mitgeteilt, der sich dafür interessiert – man muss nur die Lobby der Poker-Clients öffnen.
Auch wenn wohl niemand den ganzen Tag damit verbringen würde, manuell alle aktiven Tische und Spieler eines Pokerraums zu zählen: Die Tatsache, dass es theoretisch möglich ist, macht diese Information öffentlich. Damit darf auch darüber berichtet werden.
Aber es ist aus meiner Sicht nicht nur in Ordnung, diese Zahlen einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen – was könnte jemand überhaupt dagegen haben?
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| Bodogs Traffic-Aufkommen wird derzeit von PokerScout geschätzt |
Verbrauchervertrauen
Seit dem Black Friday verlangen Pokerspieler mehr denn je nach Transparenz. Wenn diese Informationen öffentlich verbreitet werden dürfen, dann wird damit auch die Glaubwürdigkeit eines Online-Pokerraums erhöht. Die meisten Branchen bauen auf die Analyse von Dritten, hierdurch wird das Vertrauen der Verbraucher verstärkt.
Wenn Bodog verhindern will, dass PokerScout diese Zahlen verbreitet, warum veröffentlichen sie diese dann nicht einfach selbst? Ich kann einfach nicht verstehen, warum Bodog seine Zahlen unbedingt geheim halten will, wenn über 50 andere Netzwerke damit anscheinend nie ein Problem hatten.
Sollte PokerScout aber die Zahlen von Bodog schätzen dürfen? Wahrscheinlich nicht – dies hängt einzig und allein davon ab, wie hoch die Fehlerquote ist. Nur sehr selten wollen wir wirklich exakte Zahlen sehen, wenn wir uns den Traffic einer Pokerseite anschauen. Doch auch wenn die Zahlen langfristig nicht auf diese Art ermittelt werden sollten, sind mir ungefähre Zahlen zu Bodog lieber als gar keine.
Ich hoffe sehr, dass Bodog, CalvinAyre.com und PokerScout ihren Konflikt beilegen werden – und sei es nur, weil bald Weihnachten ist. Die Auseinandersetzung wird zunehmend hässlicher und wie bereits erwähnt möchte ich mich nicht weiter einmischen, ohne alle Fakten zu kennen. Gerade wenn es um Dinge wie Erpressung geht.
Was ich aber sagen kann, ist, dass die Pokerwelt im Jahr 2012 mehr erwarten wird. Viele Spieler werden mehr Ehrlichkeit, Transparenz und Information als jemals zuvor erwarten, wenn sie weiter Online-Poker spielen wollen.
PokerScout bietet einen Dienst an, der von vielen Spielern gebraucht wird und der der Poker-Ökologie nicht schadet. Ob Bodog bei den genaueren Details des Konflikts nun Recht hat oder nicht: Sie schaden ihrer Glaubwürdigkeit, wenn sie Daten wie die über Traffic nicht der Öffentlichkeit zugänglich machen.
von Barry Carter

