Coronavirus: Sollte die WSOP verschoben werden?
Überall auf der Welt werden Großereignisse verschoben und abgesagt, um die Verbreitung von COVID-19 einzudämmen. Sollte das größte Pokerturnier ein Jahr Pause einlegen?

Es ist unmöglich, sich der Diskussion rund um den Coronavirus zu entziehen, nachdem das Thema die ganze Welt in Atem hält. Natürlich gibt es dabei deutlich wichtigere Fragen, als den Einfluss der Pandemie auf die Pokerszene, aber eine zentrale Frage muss angesichts der rasanten Entwicklung innerhalb der letzten Tage definitiv gestellt werden.
Sollte die World Series of Poker in diesem Jahr überhaupt stattfinden? Es ist klar, dass die Bedenken, die bereits zur Absage etlicher Events geführt haben, bei der WSOP aufgrund der internationalen Anziehungskraft und Größe des Festivals noch deutlich mehr in den Vordergrund rücken.
Die Triton Series, PokerStars, das King's Casino, die WPT und partypoker LIVE und viele weitere Veranstalter haben bereits reagiert und ihre geplanten Turniere abgesagt oder verlegt und den Schedule der kommenden Wochen angepasst. Die betroffenen Events sind aber winzig im Vergleich zur WSOP und machen nur einen kleinen Teil des Portfolios der Anbieter aus. Die World Series ist hingegen ein Fall von "Alles auf eine Karte setzen" und würde beim Betreiber einen deutlich spürbaren finanziellen Einschnitt hinterlassen. Aber welche Bedeutung hat das schon bei den möglichen Konsequenzen, die eine allzu nachlässige Eindämmung des Virus zur Folge haben könnte.
Poker bietet einzigartige Angriffsfläche

Bei den meisten Events, die mittlerweile gestrichen oder verlegt wurden, war eine Austragung bis maximal Anfang Mai geplant. Der Grund ist offensichtlich: Man will für alle weiteren Events zunächst einmal die Entwicklung in den nächsten Wochen abwarten, um zu sehen, inwieweit die Verbreitung des Virus eingeschränkt werden konnte. Nach wie vor spielt dabei auch die Erwartung einiger Experten eine Rolle, dass ein wärmeres Klima die Verbreitung des Virus verlangsamen würde, wie es häufig bei anderen Viren dieser Art der Fall war.
Vor diesem Hintergrund erwarte ich, dass es eine entsprechende Bekanntgabe deutlich näher am eigentlichen Starttermin geben wird, falls man sich auch bei der WSOP für eine Absage oder Verlegung des Festivals entscheidet, damit man die komplette Sachlage für den Zeitraum ab Ende Mai einbeziehen konnte.
Dennoch bleibt die Frage, ob es auch bei einer Beruhigung der Lage in diesem Jahr überhaupt zu einem Pokerturnier mit internationaler Spielerschaft kommen sollte? Solch ein Ereignis ist besonders gefährdet, was einen möglichen Ausbruch betrifft. Tausende Spieler kommen jeden Tag miteinander in Kontakt. Spieler aus 175 Ländern haben sich in der Geschichte der WSOP mittlerweile an den Tischen in Vegas eingefunden.
Und zu guter Letzt sorgt der Ablauf eines Pokerturniers zwangsläufig dafür, dass Viren, Keime und Bakterien deutlich leichter verbreitet werden. In nur einer Stunde Spielzeit ist es sehr wahrscheinlich, dass man einen Chip berührt hat, der schon von allen anderen Spielern am Tisch berührt wurde. Am leichtesten verbreitet sich der Virus über die Hände und einem anschließenden Fassen ins Gesicht, entsprechend ist Nummer eins aller Ratschläge sich intensiv die Hände zu waschen und bloß die Finger von Mund, Nase oder Augen zu lassen.
Nichts buchen, was man nicht stornieren kann

Ich folge im Leben generell eher der Einstellung, dass man die Ruhe bewahren und sich nicht verrückt machen sollte. Zudem befällt mich stets eine gewisse Prise Skepsis, wenn es in den Medien heißt, dass "dieses Mal alles anders ist" oder "das Ende nah". Im konkreten Fall befindet man sich jedoch bis in die obersten Reihen der Gesellschaft in großer Sorge, was den Coronavirus betrifft, was für mich ein klares Zeichen ist, dass wir so vorsichtig und umsichtig wie möglich agieren sollten.
Sollte die WSOP also in diesem Jahr abgesagt werden? Ich denke, dass es keinen Schaden anrichtet, wenn man die weitere Entwicklung in den nächsten Wochen noch abwartet. Wenn sich die Lage jedoch nicht zweifelsfrei beruhigt oder Gott bewahre sogar noch weiter eskaliert, dann ist die zentrale Frage dieses Artikels keinerlei Frage mehr für den gesunden Menschenverstand. Das größte jährliche Pokerturnier hat in solch einem Fall weit in den Hintergrund zu rücken, alles andere wäre pure Verantwortungslosigkeit.
Die WSOP scheint aber auf dem richtigen Weg, um Poker nicht in ein schlechtes Licht zu rücken und ein großes Turnier zu veranstalten, wenn gerade eine Pandemie die Welt in Atem hält. Die für die nächsten Wochen terminierten Circuit-Events wurden mittlerweile abgesagt und stattdessen eine Online-Turnierserie bis Ende März aus dem Boden gestampft. Darüber hinaus ist auch fraglich, wie attraktiv eine WSOP in diesem Jahr ausfallen würde, wenn bis dahin weiterhin Einreiseverbote in die USA Bestand haben.
Die Welt und Poker wird auch noch im nächsten Jahr da sein und Online-Poker kann jeder auch in der aktuellen Lage mit ruhigem Gewissen spielen. Jeder sollte sich für den Moment in etwas Verzicht üben und die Hände etwas häufiger und gründlicher waschen als üblich.
Ist es in Ordnung, dass die WSOP die weitere Entwicklung abwartet oder sollte man frühzeitig die Reißleine ziehen? Wir freuen uns auf eure Meinung!