Daily Fantasy Sports vs. Poker
Wir nehmen die Argumente von FanDuel-CFO Matt King unter die Lupe. Er behauptet, dass es sich bei Poker nicht um ein Geschicklichkeitsspiel handle.

Diesen Monat versuchte Matt King, CFO von FanDuel, zu zeigen, dass es sich bei Daily Fantasy Sports um ein Geschicklichkeitsspiel handelt. Als Gegenbeispiel wählte er Poker.
Daily Fantasy Sports ist ein Hybrid aus Sportwetten und Fantasy Sports, welches ähnliche Turnierformate wie Onlinepoker bietet. Zudem tritt man gegen andere DFS-Spieler an, nicht gegen das Haus.
In den USA bekam Daily Fantasy Sports genau wie Onlinepoker Probleme mit den Regulationsbehörden und sorgte wegen des strikten Glückspielrechts für Schlagzeilen.
Milliarden von Händen als Beweis

Es war sehr enttäuschend zu sehen, wie King Poker diffamierte. Schließlich weisen die beiden Spiele nicht nur Parallelen auf, sondern stoßen in den Vereinigten Staaten auch auf dieselben Probleme und Herausforderungen. Die Rückkehr von Onlinepoker in den USA würde der DFS im Streit mit den Behörden sicherlich nicht schaden, andersherum wäre dies nicht anders. Der Erfolg des einen schließt den des anderen nicht aus.
King sagte über Poker:
Es gibt zahlreiche akademische Studien im Bezug auf den 'Skill vs. Luck'-Faktor. Beim Poker sieht es so aus, dass das Mischen des Decks eine Glückskomponente kreiert, welche alles übertrumpft und es vielmehr zu einem Glücksspiel macht, als zu einem Geschicklichkeitsspiel. Wenn man hingegen in unsere Daten [FanDuels] schaut, sieht man, dass unsere Spieler kontinuierlich gut sind. Es handelt sich wahrhaft um ein Geschicklichkeitsspiel.
Wer sich mit der Materie Poker auskennt, muss nicht zweimal überlegen, um zu sehen, wie unsinnig diese Argumentation ist. Wir haben Milliarden von aufgezeichneten Onlinehänden, welche zeigen, dass Geschick eine bedeutsame Komponente im Poker darstellt. Außerdem zeigen zahlreiche Studien, Gerichtsfälle und Regierungshandlungen, dass sie derselben Meinung sind. Der Ausgang einer einzelnen Hand ist stark vom Glück abhängig, spielt man jedoch Hunderttausende von Händen, so werden die unterschiedlichen Fähigkeiten der Spieler sichtbar.
Pokerspieler haben mehr Kontrolle

Ob Poker nun mehr oder weniger vom Skill profitiert als DFS kann ich nicht sagen, dafür kenne ich DFS nicht gut genug. Ich kenne jedoch die Sportwettenindustrie und weiß daher, dass man auch dort einen Ansatz verfolgt, der sich nach den Fertigkeiten richtet.
Da man beim DFS nicht das Haus schlagen muss und gegen andere Spieler antritt, lässt dies die Schlussfolgerung zu, dass der fähigere Spieler sich im Duell mit anderen eine größere Edge erarbeiten kann als bei regulären Sportwetten.
Natürlich haben wir im Poker keinen Einfluss auf das Kartendeck, King vergisst jedoch, dass Pokerspieler einen viel größeren Einfluss auf den Verlauf einer Pokerhand haben, als DFS-Regulars auf den Ausgang eines Sportevents. Bluffen, Value-Betting, der Aufbau des eigenen Image, Tells zu sichten, selbst falsche Tells zu geben, den Gegner zum Tilten bringen etc. Einem DFS-Spieler stehen all diese Mittel bei einem Sportevent nicht zur Verfügung.
Auf diesen minimalen Unterschieden herumzuhacken würde jedoch der Argumentation von Matt King in seinem Interview mit PBS gleichkommen. Einfach, als wolle man einer sehr ähnlichen Industrie einen Seitenhieb verpassen. Das hilft jedoch keinem von beiden. Es ist kein Nullsummenspiel, was gut für Poker ist, ist auch gut für DFS und vice versa. Wir sollten die Skillunterschiede in beiden Spielen hervorheben, anstatt uns gegenseitig vor den Bus zu schubsen.