Das Spiel im Kopf bei Unfold
Wird das neue Format bei PokerStars Freizeitspieler ansprechen können? Das wollen wir uns heute einmal genauer anschauen.
Wir sind zurück mit unserer Serie zu neuen Online-Pokerformaten und warum diese Freizeitspieler vielleicht besonders ansprechen könnten. In dieser Woche geht es um das neue Spiel, bei dem eine Hand aus dem Muck noch einmal interessant werden kann, Unfold.
Unfold ist ein reguläres 'No-Limit'-Cashgame, welches sich genau wie standardmäßiges No-Limit spielt. Dabei gibt es jedoch eine Besonderheit: Jeder Spieler zahlt eine Unfold Ante, wodurch ein Sidepot entsteht. Nach dem Flop kommt dann die neue 'Unfold Option' ins Spiel. Egal ob ein Spieler gefoldet hat oder nicht, kann jeder eine Bet in Höhe aller Antes tätigen, um den Sidepot zu gewinnen.
Der Mainpot wird normal ausgespielt, doch das neue Format will sicherstellen, dass alle Spieler ein Interesse am Sidepot haben, auch wenn sie preflop gefoldet haben. Endet die Mainhand bereits vor dem River, wird das restliche Board noch gelegt, um den Gewinner des Unfold Pots zu bestimmen.
Die Unfold Antes gehen ebenso direkt an die Spieler zurück, wenn ein Pot schon preflop gewonnen wird, weniger als zwei Spieler preflop folden oder keiner den Unfold Pot spielen will.

Ein Spiel im Spiel
Bei neuen Formaten, die vor allem Freizeitspieler ansprechen sollen, haben wir uns bisher immer auch die Spiele im Spiel angeschaut. Bei Videospielen würde man sie wohl Minigames nennen und so ziemlich jede neue Variante besitzt dieses Feature. Bei Spin & Go ist es z.B. der ‘Gamble’ um den variablen Preispool. Bei Unfold ist dieses Spiel im Spiel nun am eklatantesten, da der Unfold-Pot im Prinzip ein Sidepot für jeden Spieler ist, der preflop gefoldet hat. In jeder Hand finden also zwei Spiele zweier Spielergruppen statt, nur wenige Spieler haben zwischen den Händen also gar nichts zu tun.
Mehr als alle anderen dieser Formate erinnert es an Live-Cashgames, bei denen es zur Unterhaltung Live-Prop-Bets gibt. Shows wie High Stakes Poker haben damals gezeigt, wie das geht. Daher glaube ich auch, dass Unfold live viel mehr Spaß machen würde. Schließlich sind zumeist alle irgendwie in den Pot involviert und es gäbe sicherlich viele angeregte Unterhaltungen am Tisch (schwieriger wird es da die Regeln einzuhalten, sodass die Spieler ihre Handstärke nicht verraten).
Wenn ich ehrlich bin, hat Unfold mich zu Beginn gelangweilt. Der Unfold-Pot war einfach etwas zu klein, um wirklich spektakulär zu sein, und ich habe mich zunächst viel zu sehr auf ihn konzentriert. Das Format soll vor allem für Abwechslung in der Zeit zwischen den Händen sorgen. Am Ende wurde das Spiel jedoch viel langsamer, da ja im Prinzip jeder Spieler dauernd in der Hand ist.
Interessanter wurde es, als ich wirklich um den Mainpot gespielt habe. Man kann einfach viel besser einschätzen, welche Karten sich nicht mehr im Deck befinden, wenn man auf die Mitspieler achtet, die ‘unfolden’. Hat man selbst nur eine mittelstarke Hand, wie z.B. ein Top Pair Zehner mit schwachem Kicker am Flop, und drei Spieler unfolden, kann man davon ausgehen, dass einer dieser Spieler selbst eine Zehn hatte. Die eigene Hand wird also stärker. Wie viele Spieler auf bestimmten Boards unfolden gibt uns einfach neue Informationen, welche wir nutzen können.
Ebenso kann man nun auf ‘Rabbit Hunt’ gehen. Das bedeutet, dass man das Runout des Boards noch sieht, auch wenn der Hauptpot schon gespielt ist. Jedenfalls, wenn ein Unfold-Pot zustande kommt.
Keine Revolution, aber ein Ansatz

Der Reiz liegt bei Unfold also auch in den Mainpötten. Das Format erfindet das Rad nicht neu, gibt No-Limit Hold’em aber einen neuen Anstrich. Als ich mich eingespielt hatte, war es einfach ein 'No-Limit Hold’em'-Cashgame mit einer Extraentscheidung hier und da. Die Unfold-Pötte waren für mich nie besonders aufregend, doch haben sie mich davon abgehalten während des Spielens auf Facebook etc. abzudriften.
PokerStars hat schon eingangs gesagt, dass es sich bei Unfold nicht um ein Testformat handelt und es dauerhaft in der Lobby bleiben soll. So bekommen neue Spieler immer noch einen authentischen Einblick in Poker (anders als beispielsweise bei Showtime, welches durch seine Besonderheit schon anspruchsvoller wurde als reguläres No-Limit). Hobbyspieler werden weniger oft gelangweilt sein und erfahrene Spieler haben vielleicht die Möglichkeit auf softere Partien.
Der Grund, warum diese neue Variante funktionieren könnte, ist kein revolutionärer, doch er könnte No-Limit Hold’em für Gelegenheitsspieler etwas interessanter machen.
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