Der Aufstieg von Poker in Europa
In der nächsten Folge unserer Reihe "Der Aufstieg von Poker" beschäftigen wir uns mit der Entwicklung des Spiels in Europa. Die Beliebtheit des Spiels in Europa wird oft einfach vorausgesetzt, aber wie hat eigentlich alles angefangen? Hier findet ihr es heraus.
Einleitung
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| EPT-Gründer John Duthie |
Im vergangenen Jahrzehnt ist die Beliebtheit von Poker in Europa kometenhaft gestiegen.
Neben den internationalen Turnierserien wie der EPT und jetzt auch der WPT, gibt es in mehreren Ländern eigene, einheimische Turniere. So wird in Großbritannien die Grosvenor Poker Tour veranstaltet, während es in Deutschland etwa die WestSpiel Poker Tour und in Österreich die Bodensee Poker Championship und die CAPT Kitzbühel gibt.
Auch Online-Netzwerke wie iPoker, MicroGaming, OnGame und PartyPoker konzentrieren sich verstärkt auf den europäischen Markt.
Sehen wir uns nun die verschiedenen "Entwicklungsstufen" von Poker in Europa genauer an.
Die Spieler
In Europa gab es in der Vergangenheit mehrere Wellen erfolgreicher Spieler.
Erfahrene britische Spieler wie David 'Devilfish' Ulliot und der Hendon Mob erlebten nicht nur die Anfänge der Hole-Cam-Ära bei Channel 4s Late Night Poker, sondern setzten auch einen frühen Meilenstein.
Im Anschluss daran eroberten eine ganze Reihe skandinavischer Spieler wie Patrik Antonius und Gus Hansen mit ihrem aggressiven Stil die Pokerwelt - wobei Letzterer die High Stakes im alten Prima- (jetzt MicroGaming) Netzwerk beherrschte.
Erst in der letzten Zeit spielte sich eine Gruppe von osteuropäischen Spielern systematisch in den Vordergrund, darunter Yevgeniy Timoshenko und Alex Kravchenko.
Schlussendlich kommen wir zu den aufstrebenden Online-Phänomenen: ElkY schaffte den nahtlosen Übergang vom professionellen e-Gaming (StarCraft) zu Poker, wohingegen Spieler wie Dario Minieri und Isildur1 durch ihre Online-Exploits internationales Ansehen erlangten.
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| Der Hendon Mob war komplett bei Late Night Poker zu sehen. Wurde Poker damals zur Massenunterhaltung? Barny Boatman, Ram Vaswani (stehend), Joe Beevers, Ross Boatman |
Die frühen Anfänge
Europa war für die weltweite Verbreitung von Poker unabdingbar. In der Tat wird sogar angenommen, dass der Begriff 'Poker' vom französischen Wort 'poque' abstammt. Im Zuge der britischen Kolonisation der heutigen USA und der französischen Besiedlung Kanadas wurde das ursprüngliche Spiel über den Atlantik getragen, wo es dann zahlreiche Änderungen erlebte.
Die exakten Ursprünge bleiben weiterhin umstritten. Die am weitesten verbreitete Annahme besagt jedoch, dass das Element des 'Bluffens' bereits im Frankreich der Renaissance eingeführt wurde.
Zugegebenermaßen waren es Spieler wie Johnny Moss, Amarillo Slim und der legendäre Doyle Brunson, die in den frühen 1970er Jahren zusammen mit Casinomogul Benny Binion daran arbeiteten, Poker durch die WSOP zu verbreiten. Das war auch die Zeit, in der die einfachste Pokervariante, Texas Hold'em, immer mehr in den Fokus der Öffentlichkeit rutschte.
Mit der Einführung der Irish Open im Jahr 1981 begann dann die erneute Eroberung des europäischen Kontinents.
1999 - 2011
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| Repräsentiert Europa: Peter Eastgate |
Es dauerte allerdings bis 1999, als Late Night Poker in Großbritannien dabei half, Poker aus der Schmuddelecke zu befreien. Das Spiel war auf einmal in aller Munde und schaffte es dank Revolution durch die Hole-Cam in den Mainstream.
Poker hatte sich von einem an sich egoistischen Spiel zu etwas entwickelt, das ein Publikum - wie auch andere Sportarten - mit reichlich Dramen und spannenden Momenten begeistern kann.
In Europa wurde es kurzzeitig etwas ruhiger um Poker als es 2003 zum sogenannten Moneymaker-Effekt kam und Online-Poker an Fahrt aufnahm. PartyPoker freute sich besonders über das explodierende Interesse im amerikanischen Markt und wurde zum weltweit führenden Online-Pokerraum.
Als die Gesetzgebung rund um UIGEA den amerikanischen Markt im Jahr 2006 paralysierte, übernahm Europa den Staffelstab erneut. Immer mehr Online-Netzwerke konzentrierten sich zunehmend auf europäische Spieler.
Angeregt von Strategieseiten wie der Unseren, fingen europäische Spieler an die Gelegenheit beim Schopf zu packen. So wurde Peter Eastgate im Jahr 2008 zum ersten europäischen Spieler, der nach Beginn des Pokerbooms in 2003, ein WSOP Main Event gewann.
In der Zwischenzeit sorgte der Londoner TV-Macher John Duthie weiter für Wachstum der EPT, indem er weitere Events in abgelegeneren Orten wie Baden, Salzburg, Vilamoura und Loutraki als Stopp veranstaltete. Poker in Europa entwickelte sich sowohl online, als auch live zu einer großen Sache.
Die aktuelle Situation
Durch die Probleme des amerikanischen Pokermarktes, scheint Europa zur Zeit das Maß aller Dinge zu sein. Wie wir in anderen Kolumnen beschrieben haben, wächst zwar auch in Teilen Ostasiens und Indiens das Interesse an Poker, aber an Europa führt in absehbarer Zeit kein Weg vorbei.
Wenn andere Länder eine ähnlich liberale Einstellung zum Spiel wie die Britische übernehmen könnten, wäre wohl die Zukunft des Spiels gesichert. Pokerturniere in Deutschland sind aktuell mehr oder weniger illegal und auch Frankreich und Italien haben strenge Glücksspielgesetze erlassen. Die skandinavischen Länder hingegen greifen mit ihrer Steuergesetzgebung auf Gewinne der Spieler zurück. Im Jahr 2009 verbot sogar Russland das Glücksspiel in weiten Teilen des Landes.
Nichtsdestotrotz bleibt Euopa eine der treibenden Kräfte der Pokerwelt. Hoffen wir, dass das auch so bleibt.
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