Aktualisiert am 25 Feb. 26 von

Der Aufstieg von Poker in Indien

In unserer neuesten Kolumne schauen wir nach Indien und untersuchen den Pokerboom auf dem Subkontinent. Welche Auswirkungen dieser auf die Pokerwelt haben könnte und warum er auch für PokerStrategy.com interessant ist, lest ihr hier.

VivekRaj
Das indische Poker-Phänomen
Vivek Rajkumar

Einführung

Indien ist ein verblüffendes Land. Sein außergewöhnlichstes Merkmal ist seine Vielfalt – nicht nur im geographischen Sinne mit seinen ausgetrockneten Wüsten und seiner von Monsunen gezeichneten Landschaft, sondern auch im menschlichen Sinne. Indiens 1,2 Milliarden Menschen große Bevölkerung bildet eine pluralistische, vielsprachige Gesellschaft.

Auch wenn es mehr nach einem Klischee klingt: Inder sind für ihre Intelligenz und ihre ungeheure Arbeitsmoral bekannt. Das belegt in Großbritannien beispielsweise eine große Anzahl hochqualifizierter, indischer Ärzte.

Außerdem wohnt der indischen Bevölkerung eine große Leidenschaft und Lust am Leben inne. Diese Leidenschaft spiegelt sich in Dingen wie dem Cricket-Sport, der dort überaus beliebt ist, und besonders in der Verehrung der Cricket-Ikone Sachin Tendulkar wider.

Wie aber passt Poker in dieses Bild? Es scheint, als würden viele Inder damit beginnen, ihre Intelligenz, ihren Einfallsreichtum und ihre Passion für neue Dinge auf das Pokerspiel zu richten.

Poker auf dem aufsteigenden Ast

In Indien scheint sich alles etwas schneller zu entwickeln. Als der amtierende indische Schachmeister Vishi Anand in den 1990er Jahren durch seine Spiele gegen Gary Kasparov Berühmtheit erlangte, inspirierte das eine ganze Generation junger Schachspieler.

Der Erfolg von Pokerspielern wie Vivek Rajkumar könnte denselben Effekt haben.

Es ist aber nicht nur das Pokerspiel, das zurzeit in Indien boomt. Das gesamte Land verändert sich mit einer bemerkenswerten Geschwindigkeit. Die verarmten Slums von Kalkutta und Mumbai existieren zwar noch, aber Indiens Geschäfts- und Wirtschaftswelt blüht geradezu auf. Indische IT- und Rundfunk-Unternehmen werden auch im internationalen Vergleich zu relevanten Größen. Die 20-20 Cricket Indian Premier League ist nur ein weiteres von vielen Symbolen, die für Indiens neu erlangten Wohlstand und Glanz stehen.

Der Eindruck eines Wachstums, das alle Bereiche umfasst, und die Größe des potenziellen Marktes haben uns dazu bewegt, unseren Horizont bei PokerStrategy.com zu erweitern und den Aufbau einer indischen Community ins Auge zu fassen.

Nachdem sich Macau zum Nabel der ostasiatischen Glücksspiel-Welt entwickelt hat und ein Symbol für das Interesse des Orients hieran geworden ist, wird Indien als die letzte Grenze des Pokerspiels betrachtet.

Poker in Indien

Seit den 1990er Jahren hat Indien einige Früchte der Globalisierung und einer demokratischen Regierung geerntet und besitzt nun die am schnellsten wachsende Wirtschaft der Welt. Neben den traditionellen und durchweg landwirtschaftlich geprägten Gegenden haben sich auch Gebiete mit großem Reichtum herausgebildet. Auch wenn die Infrastruktur Indiens sich noch signifikant verbessern muss, erfreuen sich bereits viele Menschen eines Lebens in Wohlstand.

Und überall da, wo Geld ist, kann es auch Poker geben.

Die aktuelle glücksspielfeindliche Gesetzgebung in Indien erlaubt jedoch lediglich Casinos, die außerhalb der Küsten des Landes betrieben werden. Die Behörden in Goa – einem der beliebtesten Touristen-Hotspots in Indien – haben einen Weg gefunden, diese strikten Gesetze zu umgehen, indem sie Casino-Kreuzfahrtschiffe entwickelten. Das Casino Goa wird zum Beispiel auf der Jacht M.V. Caravela betrieben, die den Fluss Mandovi befährt.

Andere Casinos sind ebenfalls auf den Zug aufgesprungen, darunter das Casino Royale Goa, das Casino Pride und das Casino Carnival. PokerStars hat ebenfalls das große Poker-Wachstum in Indien erkannt und Packages im Wert von je $1.726 für das Casino Pride Poker Event ausgegeben, das vom 2. bis 4. September lief.

Den Erzählungen eines Touristen zufolge, der als "bloodyo" auf twoplustwo schreibt, sind die Pokertische in Goa allerdings alles andere als perfekt. Es gibt eine Eintrittsgebühr in Höhe von $65 und Kollusionen im "Home-Game-Style" in regionalen Dialekten.

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Das Casino Pride-Kreuzfahrtschiff beleuchtet den Fluss Madovi

Trotz der Missstände bleibt Madhav Gupta, dessen Firma Piranha Creek den Pokerraum für das Casino Pride betreibt, bezüglich des Wachstums von Poker optimistisch: "Neben den 18 bis 25 Jahre alten Spielern sehen wir ebenfalls Spieler über 40, die von Flush (Teen Patti) zu Poker wechseln. Momentan kommt die Mehrheit der Spieler aus Mumbai, Delhi und Bangalore, wobei Bangalore der größte Markt ist. Wir erwarten im Rahmen des Wachstums, dass das Spiel sich auch in anderen Städten verbreitet".

Gupta hält die Zynga Texas Hold'em App auf Facebook für einen der Hauptgründe für die wachsende Popularität von Poker. Inder sind zudem für ihr Talent im Umgang mit Zahlen bekannt, was bedeutet, dass für sie die mathematischen Aspekte von Poker leichter verständlich sind. Dennoch erwartet Gupta, dass es weitere vier bis fünf Jahre dauert, bis es einen landesweiten Pokerboom geben wird.

Der Mann, der die indische Fahne in Sachen Poker hochhält, ist Vivek Rajkumar. Rajkumar wurde vom allseits bekannten Daniel Negreanu als einer der scharfsinnigsten Turnierspieler bezeichnet und hat im Laufe seiner noch jungen Karriere $3,5 Millionen bei Live-Turnieren gewonnen. 2008 siegte er bei der WPT Borgata und kassierte dafür eine nette Summe von $1,4 Millionen.

Gut für das Spiel

Nur wenige User auf twoplustwo haben im Thread über den indischen Pokerboom Ängste geäußert. Sie befürchten, dass es aufgrund des riesigen Gehaltsunterschieds zwischen Indien und vielen westlichen Ländern eine Menge nittiger Micro-Stakes-Grinder geben wird, die so ihren Lebensunterhalt finanzieren. Einige Pessimisten sagen ein ähnliches Szenario wie in China voraus, wo PokerStars eine Bande entlarvte, die bei DoNs Kollusion betrieb und aus einer Lagerhalle heraus operierte.

Diese negativen Kommentare sind jedoch äußerst rar gesät. 1,2 Milliarden Menschen, die sich mit dem Poker-Virus infizieren, würden einen weiteren Siegeszug für das Spiel einläuten. Wir werden wohl keine Buy-ins auf WPT-Niveau erleben, aber der finanzielle Rahmen ist nur nebensächlich. Das Wichtigste ist das Interesse.

Wer weiß, vielleicht gibt es sogar eines Tages eine Bollywood-Version von Rounders.