Der Black Friday zehn Jahre später
Wir lassen den Tag vor genau zehn Jahren Revue passieren, der die gesamte Online-Pokerbranche und Spieler auf der ganzen Welt in Schockstarre versetzten sollte.

Der eine oder andere neuere Pokerspieler dürfte mit den Worten Black Friday mittlerweile lediglich eine Rabattaktion auf Pokercoachings oder -produkte verbinden, die es Jahr für Jahr Ende November gibt.
Die Veteranen unter uns wissen jedoch, dass mit der berüchtigten Bezeichnung einer der tatsächlich schwärzesten Tage in der Geschichte von Online-Poker gemeint ist, der sich heute vor genau zehn Jahren zugetragen hat.
Am 15. April 2011 hatte das US-Justizministerium für sämtliche US-Bürger über Nacht den Zugang zu Online-Pokerpartien gesperrt. Darüber hinaus wurden auch Spieler auf aller Welt, die sich versucht haben bei PokerStars, Full Tilt oder Ultimate Bet einzuloggen, von einer Warnung des FBI begrüßt.
PokerStars konnte schon bald wieder den Betrieb aufnehmen, durfte jedoch keine US-Spieler mehr an seine Tische lassen. Im Falle von Full Tilt und Ultimate Bet war der Black Friday jedoch nur der Anfang: Die Hauruckaktion der US-Behörden förderte schwerwiegende Liquiditätsengpässe bei beiden Anbietern zutage und unzählige Millionen an Spielerguthaben befanden sich plötzlich in der Schwebe, in machen Fällen jahrelang. Online-Poker in den USA war von heute auf morgen verschwunden und zahlreiche Karrieren von professionellen Spielern und Berufstätigen in der Pokerbranche fanden ein jähes Ende.
Das Ende zahlreicher Karrieren

Es war nicht nur das Ende für amerikanische Spieler, die Pokerbranche insgesamt sollte sich nach dem Black Friday massiv verändern. Zuvor gab es einen ständigen Zustrom an neuen Spielern bei den verschiedenen Anbietern, die Kombination aus dem Wegfall von US-Kunden und das generelle Misstrauen gegenüber Online-Poker nach dem Black-Friday-Schock sorgten jedoch dafür, dass deutlich weniger neue Spieler ihren Weg an die virtuellen Tische fanden.
Die Konsequenz war, dass die Partien in der Folge deutlich tougher wurden, da der mit Abstand größte Spielerpool mit jeder Menge Hobbyspielern keinen Zugang mehr hatte und weniger Kapital für die Anwerbung neuer Spieler verfügbar war.
Bedenkt man die damaligen Umstände, ist es ziemlich erstaunlich, wie sich die Branche innerhalb der letzten zehn Jahre von den Ereignissen erholen konnte. Auch ohne US-Spieler wurden neue Wege erschlossen, um der breiten Masse Online-Poker näherzubringen, und über die Jahre wurden immer wieder neue Teilnehmerrekorde bei Turnieren aufgestellt. Die vielleicht bedeutendste Evolution beim Online-Poker ist aber, wie ernst es dieser Tage von den meisten genommen wird. Vor zehn Jahren fand man kaum einen Artikel zum Thema Regulierung von Poker. Mittlerweile ist es ein zentrales Thema in allen Ecken der Welt und eine Branche für sich.
Ich wurde in dieser Woche von pokerfuse anlässlich des Jahrestags interviewt und dabei gefragt, ob der berüchtigte Tag im April 2011 am Ende vielleicht sogar der Pokerbranche mehr Nutzen als Schaden gebracht hat. Die Themen Regulierung und Liquidität sind erst dadurch zentraler Bestandteil der Bemühungen in der Branche geworden und letztlich kamen auch nur so vollständig regulierte Online-Pokerpartien in einigen US-Staaten zustande. Meine Antwort lautete aber trotz dessen klar nein. Der Black Friday hat dermaßen viele Karrieren in der Pokerbranche von heute auf morgen beendet und der mit Abstand größte Online-Pokermarkt ist seit mittlerweile einem Jahrzehnt von der Welt abgeschnitten. Das war es bis heute nicht wert.
Live-Poker geht gerade durch seine eigene Version des Black Friday, nachdem die nun mehr als ein Jahr anhaltende Pandemie dafür gesorgt hat, dass der Betrieb in fast allen Live-Casinos stillsteht. Online-Poker hat genau das jedoch eins der erfolgreichsten Jahre überhaupt beschert und da die meisten Live-Anbieter auch in irgendeiner Form mit Online-Partnern verknüpft sind, fallen die Konsequenzen für die Live-Branche hoffentlich langfristig bei Weitem nicht so schwerwiegend wie für die Online-Branche vor zehn Jahren aus. Was man aber sicher festhalten kann: Vor einem Jahrzehnt waren die Leute nach dem Black Friday deutlich pessimistischer, was die Zukunft von Poker betrifft, als sie es waren, als das ganze Ausmaß der Pandemie klar wurde. Wenn wir also den Black Friday als Branche überstehen können, dann auch das Coronavirus.